Lehrer, Zollbeamte und Pfarrer

Lokales
Schönsee
02.11.2014
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Seit 90 Jahren ist der Gesang- und Orchesterverein ein kultureller Botschafter der Stadt Schönsee. Viele Vorsitzende drückten ihm in dieser Zeit ihren Stempel auf. Bei der Jubiläumsfeier erinnerte Konrad Scharnagl an viele markante Ereignisse aus der Chronik.

Als der Verein am 5. Oktober 1924 gegründet wurde, waren Bürgermeister Albert Haberl und Stadtpfarrer Josef Auer im Amt. In Schönsee gab es neben den Traditionsvereinen auch einen Edelweißclub, einen Wohltätigkeitsverein, Jugendverein, Katholischen Burschenverein und einen Ausschuss zur Errichtung eines Kriegerdenkmals. Bei dessen Einweihung am 30. Oktober 1927 wirkten auch die Sänger mit, wie seither an allen Gedenktagen.

Operette aufgeführt

Der Verein, als "Männergesangverein Schönsee" gegründet, war Nachfolger eines ruhenden Musikvereins. Dies beweist, dass es damals neben Hausmusik und Stadtkapelle schon musikalische Aktivitäten gab. Unter den 19 Gründungsmitgliedern waren neben dem Junglehrer Hanny Haberl, dem späteren Vorsitzenden und langjährigen Dirigenten, Rektor und Bürgermeister und Theo Ostermeier auch weitere Pädagogen und interessierte Bürger. Mit Leonhard Thoma war es ein Zollbeamter, der zum ersten Vorsitzenden gewählt und nach vier Jahren von seinem Kollegen Paul Kieper abgelöst wurde. Die Lehrer, als damalige Kulturträger waren es auch, die sich instrumental betätigten und ein Streichorchester gründeten, das der Lehrer und Kreischorleiter Josef Weidner musikalisch leitete. Deshalb wurde der Verein im Jahr 1927 in "Gesang- und Orchesterverein" unbenannt. Viele Veranstaltungen und Konzerte und sogar Operetten wurden gestaltet.

Die Vereinsführung übernahm von 1930 bis 1933 Stadtpfarrer Josef Angele, danach mit Lehrer Wilhelm Weiß der Urheber des Reichensteinliedes, weiterhin Xaver Ebenhöch, Josef Decker und bis 1937 der Kaufmann Josef Geist. Von 1930 bis 1937 fungierte der Lehrer Hans Dietl sowohl als Schriftführer und Kassenwart. Als Dirigent folgte dem Ehrendirigenten Theo Ostermeier Josef Weidner, den dann ab 1933 Ludwig Müller auch als Orchesterleiter ablöste. Mit der Kriegsverpflichtung von Ludwig Müller wurde eine Pause eingeläutet.

Nach dem Krieg erfolgte ein Neustart, obwohl ein Teil der Noten und Instrumente, darunter ein Cello verschwunden waren. Mit einer Kampfabstimmung wurde 1947 ein Weiterbestand unter der kommissarischen Führung von Franz Treiber beschlossen. Der gesangliche Neubeginn begann mit der Heimkehr von Dirigenten Ludwig Müller. Bereits 1949 übernahm Hanny Haberl die Vereinsführung bis 1959 (und 1956 zugleich den Dirigentenstab). Als Vorsitzender folgte von 1959 bis 1957 Dr. Eugen Seidl, der zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Danach bis 1980 Konrad Scharnagl, bis 2005 Hubert Reimer und seither Andreas Wirnshofer neben seiner Aufgabe als Dirigent. Kontinuität gab es bei Schriftführer Eduard Greiner (1949 bis 1964) und Kassier Hans Aschka (1949 bis 1973),

Den Dirigentenstab übernahm Hanny Haberl 1956 bis zu seinem Tod im Jahre 1969. Nach Studienrat Alto folgte im Jahre 1971 Rektor Stephan Klingl bis 1980. Seither fungiert Andreas Wirnshofer als Dirigent. Mit der Übernahme der Waldlermesse ins Repertoire wurde unter Stephan Klingl eine neue Ära eingeleitet: Seit 1972 gestalten die Sänger jeweils zwei Gottesdienste während des Nürnberger Christkindlesmarktes in der Frauenkirche mit Fernseh- und Rundfunkaufnahmen und Empfängen beim Oberbürgermeister, organisiert von Albert Tischler. Heuer folgt am 14. Dezember der 41. Auftritt.

Seit 1981 gibt es die jährlichen Chorkonzerte mit Gastchören. Die Standartenweihe fand 1955 statt und 1975 folgte das 50-jährige Gründungsfest mit Ministerpräsidenten Dr. Alfons Goppel als Schirmherrn. Dieser war auch das markanteste Ehrenmitglied. Aktuell sind dies neben Ehrenvorsitzenden Hubert Reimer, Albert Tischler, Karl Seifert, Hans Mutzbauer und Konrad Scharnagl, die das Vereinsgeschehen besonders geprägt haben.
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