Neue Wege in Suchttherapie

Lokales
Schönsee
29.11.2014
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Die Klienten nehmen oft verschiedenste Suchtmittel miteinander ein und haben zudem vielfältige, psychische Zusatzerkrankungen. Viele davon sind stark traumatisiert, haben kein Urvertrauen erlebt und sind aus den unterschiedlichsten Gründen aus ihrer Lebensbahn geworfen worden.

Die Sozialtherapeutische-Einrichtung Lindau bietet diesen Menschen ein umfassendes Therapieangebot an. Nach 13-jähriger Erfahrung wurde die Evolutionspädagogik als weiterer Baustein in das bestehende Konzept der Einrichtung integriert. Ein Teil der Betreuten befindet sich zudem im Substitutionsprogramm in Zusammenarbeit mit den Bezirkskliniken oder ambulanten Ärzten.

Rasante Zunahme

"Kombinierte psychische Erkrankungen sind derzeit rasant auf dem Vormarsch. Eine Resozialisierung dieser Menschen gestaltet sich aufgrund der hohen Leistungsorientierung in unserer Gesellschaft grundsätzlich als schwierig", so Geschäftsführerin Ingeburg Hirschleb. Die Einrichtung verstehe sich unter anderem als Unterstützung zur abstinenten, ressourcenschonenden, gesundheitsbewussten Lebensführung und der Vermittlung einer suchtmittelfreien Freizeitgestaltung. Diese Ziele dienten der Verbesserung der Lebensqualität und der Fähigkeit der selbstständigen Lebensführung. Ein adäquater Umgang mit den individuellen Problemfeldern der Betreffenden werde ebenso angestrebt.

Hirschleb: "Das Therapieangebot ist individuell und vielfältig und soll eine Rückführung in die Gesellschaft ermöglichen". Dazu gehört sowohl die Ergotherapie mit den unterschiedlichen kreativen Beschäftigungsangeboten wie Seidenmalerei, Korbflechten und anderen Bastelarbeiten, die Arbeitstherapie, der Hauswirtschaftsbereich und diverse Trainingsprogramme. Einzel- und Gruppengespräche durch das qualifizierte Fachpersonal seien an der Tagesordnung. Die umfassende medizinische Versorgung und Betreuung sei zudem gewährleistet.

"Cranio sacral therapie" wird durch einen geschulten Therapeuten in Einzelsitzungen angeboten. Erlebnispädagogik gehöre ebenfalls zum therapeutischen Angebot. Dazu zählten Maßnahmen, wie Klettern, Wandern, Nordic Walking, Trekking-Touren und diverse andere Aktivitäten, nach dem Motto: Freizeit gestalten und genießen ohne Suchtmittel. Nach 13-jähriger Erfahrung und Tätigkeit wurde die Evolutionspädagogik als weiterer Baustein integriert.

"Dieses Angebot dient nicht nur Kindern, sondern ist bestens geeignet für die Arbeit mit suchtkranken erwachsenen Menschen", erläutert die Einrichtungsleitung. Die Evolutionspädagogin Sabine Schüßbauer ist seit zwei Jahren Teammitglied und leistet mit ihrer Arbeit einen wichtigen, Konzept ergänzenden Beitrag zum bestehenden Angebot. Gerade bei sehr therapieerfahrenen Klienten greife dieses neue Angebot.

Alte, eingeschliffene Verhaltensmuster, werden durch gezielte Bewegungsabläufe und im Laufe der Therapie grundlegend verändert. Selbst bei Patienten mit kognitiven Einschränkungen können Erfolge verzeichnet werden, so Frau Hirschleb. Erkenntnisse aus der Neurologie zeigten, dass der Mensch bis zum 3./4. Lebensjahr organisch und motorisch die einzelnen Entwicklungsstufen der Evolution - wie in der Tierwelt - durchläuft.

Es werden sieben Gehirnentwicklungsstufen unterteilt - von der ersten Stufe Fisch bis zur siebten Stufe Mensch. Hirschleb: "Jeder Stufe ist ein bestimmtes Bewegungs-, Verhaltens-, Wahrnehmungs- und Kommunikationsmuster zugeteilt. Die Fähigkeiten der Tiere tragen wir als Erbgut in uns: Lernen durch Bewegung, Lernen durch ein langsames sich Aufrichten". Die amerikanische Neurologin Elise Eliot zitiert: "Auch wenn wir uns ihrer weitgehend unbewusst sind, spielen Gleichgewichts- und Bewegungssinn eine überraschend wichtige Rolle bei der geistigen und neurologischen Entwicklung. Ein Zusammenhang zwischen gestörtem Gleichgewichtssinn und verzögerter motorischer Entwicklung ist natürlich einleuchtend". Jedoch stünden auch emotionale Probleme, Wahrnehmungs- und Konzentrationsdefizite, Lernschwierigkeiten, Sprachstörungen und Autismus häufig damit in Verbindung.

Blockaden auflösen

Die körperlichen Übungen der sieben Evolutionsstufen, zum Teil auch Übungen aus der Kinesiologie, helfen laut Therapierfahrungen, Blockaden und Defizite aus unserer Entwicklung aufzulösen. Die Basis all unserer Fähigkeiten liege im Gehirn. Eine Stufe baue auf die nächste Stufe auf. Wenn bestimmte Stufen nicht gut ausgelebt oder integriert seien, könnten sich die nächsten Stufen schlecht ausbilden. Frau Hirschleb resümiert: Die Erfolge sprechen für sich und die positive Resonanz der Behandelten ist weiterer Ansporn und Bestätigung, in der Arbeit mit suchtkranken Menschen auf dem richtigen Weg zu sein.
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