Noch Fragen zum Sickerwasser

Lokales
Schönsee
23.10.2014
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Nachdem die ehemalige Mülldeponie abgedichtet ist, stellt sich nun die Frage der Sickerwasserbehandlung. Dem Stadtrat lagen dazu drei Varianten vor. Es bleiben allerdings noch einige Fragezeichen, bevor die Entscheidung fällt.

Die Deponiesanierung an der Eslarner Straße - genauer gesagt das Thema "Sickerwasserbehandlung - bildete einen zentralen Punkt in der Sitzung des Stadtrates am Dienstagabend. Den Beratungen vorausgegangen war ein Ortstermin auf der Deponie, bei dem Diplomingenieur Norbert Waldhier vom Planungsbüro "Coplan" einen entsprechenden Sachstandsbericht gab.

Geordnete Entsorgung

Für die erforderliche geordnete Entsorgung bzw. Behandlung des aus der Deponie anfallenden Sickerwassers legte Waldhier nach Vorgesprächen mit dem Wasserwirtschaftsamt dem Stadtrat drei mögliche Varianten mit den entsprechenden Kosten vor. Bei der Variante 1 würde das Sickerwasser über eine Druckleitung mit Pumpwerk entlang der Eslarner Straße geführt bis etwa auf Höhe der "Norma". Dort könnte es in ein Pumpwerk der städtischen Kläranlage eingeleitet und in die Kläranlage abfließen. Grundsätzlich geht das Planungsbüro von einer Deponielaufzeit von rund 30 Jahren aus, die bei der Kostenkalkulation zu berücksichtigen sind.

Für diese Variante würden Investitionskosten von 182 000 Euro anfallen. Nach etwa15 Jahren müssen erfahrungsgemäß Anlagenteile erneuert werden (Ersatzinvestitionen), das macht knapp 13 000 Euro aus. Die laufenden Betriebskosten (Betrieb, Reinigung, Kläranlagenkosten) summieren sich demnach auf knapp 122 000 Euro. In der Summe ergeben sich daraus sogenannte "statistische" Kosten von rund 304 000 Euro.

Variante 2 sieht für das Sickerwasser einen unterirdischen Tank mit 80 Kubikmetern vor, dessen Inhalt dann regelmäßig in die Kläranlage abgefahren werden muss. Die Kalkulation geht hier von 120 Abfuhren pro Jahr aus. Hier errechnete Coplan Investitionskosten von 84 500 Euro (Sammeltank und Zufahrt), Ersatzinvestitionen von 6 000 Euro und laufende Kosten von 415 412 Euro. Dies wäre die teuerste Lösung. Variante 3 geht von einer Pflanzenkläranlage aus mit zwei Möglichkeiten: Pflanzenkläranlage mit Versickerungsanlage bzw. Pflanzenkläranlage mit Ableitungskanal.

Drei Varianten

Bei der Versickerungsvariante wäre mit Investitionskosten von 110 000 Euro zu rechnen; hinzu kommen 13 000 Euro Ersatzinvestitionen (Pflanzenaustausch) und laufende Kosten (Wartung, Reinigung, Mähen) von 49 000 Euro. Insgesamt ein hochgerechneter Betrag von 172 000 Euro. Bei der Pflanzenkläranlage mit 400 Meter Ableitungskanal würden die Investitionen 180 000 Euro ausmachen. Hinzu kommen 13 000 Euro Ersatzinvestitionen und 53 000 Euro laufende Kosten, macht in der Summe 245 900 Euro.

Ergänzend teilte Bürgermeisterin Birgit Höcherl mit, dass die reinen Investitionskosten für die Sickerwasserbehandlung in etwa mit der selben hohen Förderung wie die Deponiesanierung von der "Gesellschaft zur Altlastensanierung" (GAB) bezuschusst werden. Neben dem Eigenanteil verbleiben der Stadt in erster Linie die laufenden Kosten. Stadtrat Hans Pfistermeister schlug vor, deshalb bei der Entscheidung vor allem auf die Folge- und Unterhaltskosten zu schauen.

Norbert Waldhier fasste zusammen, dass die Varianten Pflanzenkläranlage im Betrachtungszeitraum von 30 Jahren die günstigste Variante sei. Ob dann eine Versickerungsanlage (hier würde das geklärte Wasser in den Mierbach geleitet) oder ein Ableitungskanal in Frage kommt, müsse noch mit dem Wasserwirtschaftsamt geklärt werden. Das hänge im Wesentlichen von den geforderten Grenzwerten ab. 2. Bürgermeister Josef Irlbacher zeigte sich etwas erstaunt darüber, dass nun im Nachhinein wieder Kosten für die Stadt auftauchen. 40 Jahre lang wäre schon Sickerwasser weggelaufen, jetzt stelle man plötzlich hohe Anforderungen, so Irlbacher.

Eine Entscheidung gab es am Dienstagabend noch nicht. Das Sickerwasser wird zuerst sechs Monate lang beprobt, um genaue Daten über die anfallende Menge und die Schadstoffbelastung zu erhalten. Dann schauen die anfallenden Kosten vielleicht ganz anders aus.
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