Panzer rollen durch Schönsee

Lokales
Schönsee
25.04.2015
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Die Zeitzeugen über das Kriegsende und die Besetzung der Grenzstadt durch das amerikanische Militär am 25. April 1945 werden immer weniger. Zum Glück haben der damalige Stadtpfarrer Alois Treml und Gutsbesitzer Josef Stenger die Ereignisse ziemlich gleichlautend festgehalten.

An jenem 25. April 1945, dem Markustag, erfolgte der Einmarsch der amerikanischen Truppen gegen 10 Uhr gleichzeitig aus Richtung Schwand und Eslarn. An den Ortseingängen Richtung Schwand und Weiding wurden Geschütze und Panzer aufgebaut. Auch oberhalb der Brauerei Haberl, von wo aus Kanonenschüsse und Maschinengewehrfeuer über Schönsee hinweg Schrecken erzeugten. Ein Teil der motorisierten Einheiten zog in Richtung Dietersdorf, das zuvor bereits durch Infanterie erobert wurde.

Rund 3 000 Soldaten

Um die Mittagsstunde rückten etwa 3 000 amerikanische Soldaten in Panzern und Fahrzeugen in Schönsee ein; Hauptquartier war ein Fahrzeug bei der Kirche. Viele der Bewohner mussten ihre Häuser verlassen, in die sich die Soldaten einquartierten. Die Kirche wurde für den Aufenthalt von Bürgern genutzt, die sonst nicht unterkommen konnte. Die Übergabe von Schönsee wurde durch den aus seinem Kellerversteck geholten Ortsgruppenleiter der NSDAP, Georg Haider, vor dem Rathaus vollzogen, weil der damalige Bürgermeister Josef Treiber wegen Krankheit verhindert war. Noch 14 Tage lang blieben die Geschütze vor dem Bahnhof aufgestellt, beschossen wurde Friedrichshäng und Stadlern (Schwarzach).

Aber auch die mit dem Krieg verbundenen Abläufe vorher und nachher sind interessant. So ist festgehalten, dass am 23. Februar im Schulgebäude ein Reservelazarett für bis zu 150 Patienten eingerichtet wurde. Kriegerisch wurde es am 1. April, als eine Heeresschule aus der Slowakei mit 200 Hitlerjungen nach Schönsee und Dietersdorf verlegt wurde, die als so genannte "Wehrwölfe" für die Panzerbekämpfung eingesetzt werden sollten. Dazu kam noch eine etwa 50 Mann starke Gruppe von 15- bis 16-jährigen aus Franken. Auch zwei SS-Aufklärungseinheiten setzten die Bevölkerung unter Druck. Im Pfarrhof quartierte sich am 24. April ein militärischer Stab ein.

Ein Oberleutnant informierte dabei den Stadtpfarrer, dass vor einem Einmarsch der Amerikaner alle Brücken gesprengt und Schönsee angezündet würde, was aber nicht erfolgte. Auch ein aus Einheimischen bestehender, etwa 50 Mann starker Volkssturm, wurde aufgeboten. An den Zufahrtsstraßen wurden mit Baumstämmen Panzersperren errichtet. Schon Tage zuvor durchzogen entmutigte Soldaten, darunter auch eine Volkssturmeinheit, auf ihrem Rückzug die Stadt.

Viele Flüchtlinge

Schließlich normalisierte sich das Leben wieder, die Bevölkerung konnte wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Doch es folgten Flüchtlingsströme aus Richtung Schlesien und Osteuropa und Rückwanderer, die 1944 in den Balkan vertrieben wurden. Am 16. Mai 1945 wurde der Kaufmann Josef Zwick, der spätere Landrat, als Bürgermeister eingesetzt.
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