Radeln und heiraten ohne Grenze

Im Auditorium saßen auch (erste Reihe von links) Anne Gierlach, die Vorsitzende von Bavaria Bohemia e.V., Birgit Höcherl, Bürgermeisterin der Stadt Schönsee, Bischof Dr. Rudolf Voderholzer und Michaela Halter, Vorsitzende des Diözesankomitees. Bild: hfz
Lokales
Schönsee
19.11.2014
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"Miteinander reden, reden, reden": So lautet die Botschaft, die von Zeitzeugen des Falls des Eisernen Vorhangs vor 25 Jahren ausgeht. In der neuen Veranstaltungsreihe "Diözesankomitee vor Ort" richtete sie sich an die 120 Teilnehmer. Mit dabei war im CeBB auch Bischof Dr. Rudolf Voderholzer.

Noch 25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist die Dramatik der Ereignisse im November 1989 und in den ersten Monaten 1990 bei den Menschen zu spüren, die ganz nah an der Grenze die Wende miterlebten. Die gemeinsame Durchtrennung des Stacheldrahts mit einer großen Eisenzange am 23. Dezember 1989 in Nové Domky (Neuhäusl) bei Waidhaus durch die beiden Außenminister Hans-Dietrich Genscher und Jirí Dienstbier war das Fanal für eine neue Epoche in der europäischen Geschichte, vor allem auch in den Gemeinden und Landkreisen auf beiden Seiten der Grenze.

Die in der Wendezeit vor 25 Jahren freigesetzten Emotionen waren gegenwärtig, als der Chronist, Journalist und Fotograf Haymo Richter aus Bad Kötzting, der Altbürgermeister Egid Hofmann aus Neukirchen beim Hl. Blut und die im Jahr der Samtenen Revolution 19-jährige Schülerin und heutige Bürgermeisterin Jana Dirriglová aus Loucim auf dem Podium des Zeitzeugengesprächs ihre persönlichen Erlebnisse und Eindrücke schilderten.

Das Reden macht es

"Jetzt begegnen wir uns mit großer Herzlichkeit, man baut sich einen Freundeskreis auf, da spielt die Nationalität keine Rolle mehr. Wir radeln und heiraten über die Grenze wie ich" schilderte Jana Dirriglová die freundschaftlichen Beziehungen, die in den 25 Jahren entstanden sind. Dass die Grenzen in den Köpfen der meisten Menschen gefallen sind, ist das Verdienst von vielen engagierten Leuten auf beiden Seiten, die von den Tagen an, als der Eiserne Vorhang abgebaut und auf der Müllhalde der Geschichte landete, Kontakte, Begegnungen und Aussöhnung suchten. Altbürgermeister Egid Hofmann hatte ein einfaches Rezept, damit es voranging: "Miteinander reden, reden, reden".

Zum Reden gesellten sich die gemeinsamen Feiern und Partnerschaften, die die Nachbarn zu Freunden werden ließen. Dazu kamen die vielen gemeinsamen Projekte, die dank hoher Förderung in den bayerisch-tschechischen Nachbarregionen zum Tragen kamen. Haymo Richter war als Kötztinger immer nah dran an der Grenze. Zuerst als Fotograf, dann als Journalist, zeitweilig verantwortlich für ein unabhängiges Blatt in tschechischer Sprache. Das Allerwichtigste ist für ihn die Kommunikation: "Heute können wir uns auch über brisante Themen unterhalten, das macht die Freundschaft möglich".

Beim Blick nach vorne wollte Moderatorin Sonja Ettengruber wissen, was Pilsen als Kulturhauptstadt bringen wird. Das werde einen Schub in der Aufmerksamkeit bringen, ohne Zweifel, doch wichtiger sei ihm die ständige Arbeit, die Menschen zum grenzüberschreitenden Miteinander zu bringen, wie hier im CeBB oder in den Partnerschaften über die Grenze hinweg, meinte Hofmann, der Motor für den Zusammenschluss von elf tschechischen und bayerischen Gemeinden im Künischen Gebirge war.
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