Vom Bösen zum Guten gelenkt

Bei der Begrüßung: Filmautorin Dr. Lenka Ovcácková (links) und Magdalena Becher vom CeBB. Bild: eib
Lokales
Schönsee
05.06.2015
11
0

"Alles Böse wird zum Guten", sagt im Film ein junger tschechischer Lehrer, der im Böhmerwald sein neues Zuhause gefunden hat. Vom Bösen zum Guten an der bayerisch-österreichisch-tschechischen Grenze ist ein langer, steiniger, aber von vielen hoffnungsvollen Menschen begleiteter Weg.

Diese Ambivalenz ist das Thema des Dokumentarfilms "Tiefe Kontraste/Hluboké kontrasty" der Tschechin Lenka Ovcácková, der Deutschlandpremiere im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) in Schönsee hatte. Dicht drängten sich im Medienraum die Gäste der Filmpremiere, die Magdalena Becher vom CeBB und die Filmautorin Dr. Lenka Ovcácková begrüßten. Die Prager Kulturwissenschaftlerin und Regisseurin produziert seit zehn Jahren Dokumentarfilme, die von ihr immer unter dem Anspruch gedreht werden, die Themen in einen ganzheitlichen Kontext zu stellen.

Lenka Ovcácková beschrieb in ihren einführenden Worten kurz die Vorarbeit für den Film: "Ich habe die Böhmerwaldautoren gelesen, mehr als 30 Werke von Adalbert Stifter, Karel Klosterman und anderen, bin auf Recherchereise gegangen, habe die Natur in mich aufgesaugt und die historischen Dimensionen versucht zu begreifen." Das Zusammenleben von Deutschen und Tschechen über Jahrhunderte, die Verwundungen vor, während und nach dem 2. Weltkrieg, die Zäsur des Eisernen Vorhangs und die Vielfalt der Lebensbilder in der deutsch-tschechisch-österreichischen Böhmerwald-Region bestimmen den 75-minütigen Film, der von Einstellung zu Einstellung die tiefen Kontraste in den Köpfen der Menschen sichtbar macht.

Mit den thematisch geschickt zugeordneten Äußerungen der überlegt ausgewählten 36 Interviewpartner schafft es der Autorin, die Spannung im Film vom Beginn bis zum Schluss aufrechtzuerhalten. Lenka Ovcácková entlockte beim Drehen den interviewten Menschen diesseits und jenseits der Grenze Sätze, die nach Meinung einer Besucherin aufgeschrieben gehören, statt sie im Film verfliegen zu lassen. Der Wald, die Höhen, die Täler, die Bäche und die Dörfer, die Bayern, Österreich und Tschechien in einem Nachbarraum verbinden, zeigt die Prager Filmemacherin als Landschaftsbilder von beeindruckender Kraft und als Zitate aus Werken von Adalbert Stifter, Johannes Urzidil und Karel Klostermann, die von einem Kapitel zum anderen überleiten.

Wie soll, wie wird es weitergehen? Diese Frage stellte die Autorin auch vier Menschen aus unserer Region: Dem Schriftsteller und Wahlwaldmünchner Bernhard Setzwein, dem Journalisten Karl Reitmeier, dem Schönseer Altbürgermeister Hans Eibauer und Marek Hrusa, dem Wirt vom Wirtshaus in Plöß. Den Eisernen Vorhang aus den Köpfen verbannen, die Begegnung suchen oder auch selbst Hand anlegen, wie es Marek bei der Pflege des Plößer Friedhofs macht. Mit viel Beifall bedankten sich die Premierengäste bei der Regisseurin, die sich vor dem folgenden Stehempfang noch den Fragen der Gäste stellte.

In der Forderung "dieser Film sollte unbedingt im Fernsehen laufen" und damit ein größeres Publikum erreichen, sprach ein Diskussionsredner vielen Besuchern aus dem Herzen. Weitere Anregung war, den Film mit seiner auch für die junge Generation aktuellen Thematik für die Projektarbeit von 10., 11. und 12. Klassen zu empfehlen. In diesen Wochen tourt der Film durch die Böhmerwaldregion. Die nächste Aufführung in der Nähe ist am 6. Juni um 19 Uhr in Pobežovice (Ronsperg) im Infozentrum.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juni 2015 (7772)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.