Wechselvolle Geschichte

Auf ihrem erhöhtem Standort ragt die Pfarrkirche Sankt Wenzeslaus über die Häuser der Grenzstadt hinaus. Die festlichen Prozessionen starten über die steile Kirchentreppe hinunter zur Hauptstraße. Bild: gl
Lokales
Schönsee
27.09.2015
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Die Pfarrei Sankt Wenzeslaus feiert heute ihr Kirchenpatrozinium. Die Pfarrkirche kann dabei auch mit der Geschichte der Grenzstadt in Verbindung gebracht werden. Historiker vermuten sogar eine heidnische Opferstätte auf dem erhöhen Standort inmitten der Stadt.

Das dem böhmischen Heiligen geweihte Gotteshaus existierte mit Sicherheit schon bei der ersten urkundlichen Erwähnung der Herrschaft Reichenstein-Schönsee - im Kaufvertrag zwischen den böhmischen Herren von Hostau und Muttersdorf an den Landgrafen Ulrich von Leuchtenberg in den Jahren 1333/34. Es passt auch gut zur Geschichte von Herzog Wenzeslaus, der von seinem Bruder Boleslaw am 28. September 929 ermordet und bald danach heiliggesprochen wurde.

Kaplan zugeteilt

Der Historiker Franz Xaver Wellnhofer vertritt in seiner Chronik von Schönsee sogar die Ansicht, dass sich früher auf dem erhöhen Standort bereits eine heidnische Opferstätte befunden haben könnte. Im Pfarreienverzeichnis von 1355 wird Schönsee als zum Dekanat "Viechtach vel Luhe" gehörend erwähnt in einer Kirchenbeschreibung von 1390 ein Pfarrer unter dem Landgrafen von Leuchtenberg, dem die sogenannte Libertät, die Freistellung von Fron und Abgaben, bestätigt war.

Auf Antrag wurde im Jahre 1716 ein Kaplan zugeteilt. Die Dekanatszugehörigkeit wechselte wiederholt von Schwarzenfeld, Altendorf und Floß sowie nach der Reformation zu Nabburg und 1837 Neunburg vorm Wald; seit 1915 war Schönsee dem Dekanat Oberviechtach zugehörig und seit 2001 dem Dekanat Neunburg-Oberviechtach. Im 16. und 17. Jahrhundert war eine Reihe von Pfarreien als Filialen angeschlossen. Darunter Pullenried (1578), Winklarn (1636 bis 1644) und um die gleiche Zeit Tiefenbach, Stadlern und Weiding.

Durch Brand verwüstet

Die Schönseer Kirche wurde immer wieder Opfer von Zerstörungen und Verwüstungen; 1431 durch die Hussiten, im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) und zuletzt 1867 durch eine Brandkatastrophe. Der damalige Stadtpfarrer Michael Striegl verstarb kurz nach dem Wiederaufbau zwischen 1868 und 1874, im Alter von 66 Jahren als Ehrenbürger. Auch seine Nachfolger haben sich besonders für Schönsee eingesetzt. So war Matthias Weichselgärtner ein Vorkämpfer für den Bau der Eisenbahn und Franz Xaver Lehner für die staatlichen Klöppelschulen.

Die Kirche in ihrer schlichten Art ist mit einer flachen Holzdecke (früher bemalte Kassettendecke) versehen und enthält keine besonderen Kunstwerke, was aus den Zerstörungen resultiert. Den Altar schmückt ein Bild des Kirchenpatrons, das von dem taubstummen Maler Horchler aus Amberg gefertigt wurde. In den Renovierungen von 1908 unter Franz Xaver Lehner, 1936 unter Alois Treml, sowie 1970/71 unter Josef Wutz erfuhr die Kirche weitere zeitgemäße Veränderungen. So wurde die Kanzel entfernt und anstatt der Kommunionbänke ziert ein Volksaltar und Ambo den Altarraum. Am 7. Oktober 2007 wurde eine wertvolle Orgel durch den damaligen Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller eingeweiht.

Seit September 2006 fungiert Pfarrer Wolfgang Dietz als Seelsorger; der letzte Kaplan wurde 2003 mit Johann Wutz (jetzt Altendorf) abgezogen.
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