Zeugnisse des Niedergangs

Bei der nach einem Holzeinschlag sichtbar gewordenen Ruine handelt es sich um eine der früheren vier Schleif- und Polierwerke am Mehrenbach (Mierbachl) im Annathal bei Lindau. Bild: gl
Lokales
Schönsee
08.09.2015
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Der Abbruch der ehemaligen Glasschleife sowie des Verwaltungs- und eines weiteren Gebäudes im Rosenthal ist eine Fortsetzung des Unterganges der früher bedeutenden Glasschleifen und Polierwerke. Auch am Mehrenbach (Mierbachl) im Annathal bei Lindau war dies der Fall.

Der frühere Schönseer Stadtpfarrer Franz-Xaver Lehner hat dies unter dem Titel "Aus dem Leben an der Grenze", veröffentlicht im Bayernheft 32 des Oldenbourg-Verlages, dargestellt. Lehner bezieht sich darauf wohl auf fiktive Namen, aber auf eine damals typische Situation. Tatsächlich befanden sich früher im Annathal vier Glasschleifen. Zwei wurden abgebrochen und beim Ausbau der Gemeindestraße verwendet.

Ruinen sichtbar

Die Ruinen einer weiteren wurden beim Holzeinschlag in Frühjahr sichtbar, während sich eine im Anwesen Höllerl befand, wo früher auch eine Mühle betrieben wurde. Dafür gibt es noch Zeitzeugen. Wie Teresa Guggenmoos in der Schönseer Chronik festgehalten hat, ist dort im Jahre 1892 eine Glasschleife abgebrannt.

In der Geschichte von Pfarrer Lehner wird der Weiler Lindau als "ein vertrautes Vogelnest" bezeichnet, in dem es, eingebettet in Obstbaumgruppen "um einen Rock wärmer als in den höher liegenden Dörfern ist". In der "einen Büchsenschuss" entfernten stattlichen Glasschleife, der der Mehrenbach seinen Namen gab, richtete der Schleifwerksbesitzer Schlohbacher sein Werk völlig neu mit einer Wasserstaueinrichtung ein. Gleichzeitig trat in der Glasindustrie eine Stockung ein. "Die meisten Werke der Oberpfalz blieben stehen, was ein furchtbarer Schlag für den Schlohbacher war: Er war ruiniert".

Versteigerung

Später sah man öfters das Wägelchen "des Fuchsensteiners, dessen Geld in die Dörfer rollte" vor seinem Haus stehen. Eines Tages war der Schlohbacher "mit Weib, Kind und Kegel verzogen". Niemand wusste wohin, bis ein Schreiben aus Amerika an den Armenpflegschaftsrat kam: das Anwesen kam unter den Hammer.

Am Versteigerungstag blieb dem Kaufmann Fuchsensteiner das Schleifwerk trotz moderner Einrichtung spottbillig. "Er mogs hob'n" sagte der Lindauer Ortsvorsteher, während eine Verwandte des Schlohbachers einwarf: "Auf dera Schleif nimmt's Wasser jeden Tag an Stoi mit". Worauf vom Ortsvorsteher der Hinweis kam: "Wahr is, auf der Schleif hat ein Vorfahr des Schlohbacher einen Meineid g'schworn". Und der Pfarrer fügte hinzu: "Drum is kein Segen auf diesem Haus, der Meineid ruht nicht und frisst Stein um Stein, Dach und Balken, Brett und Nagel". "So ist es, alle Tag nimmt's Wasser an Stoi mit, 's geht langsam, aber der Schneck kummt a an sei Ziel", war zu hören.

Bei den bei der Versteigerung in "halbfeiertägigen Muntur" anwesenden Dorfbewohnern - so der Verfasser der Geschichte - war auch die Zunge gelöst. Ein Schleifgeselle erzählte von einem Geist mit "ana fuchsroutn Zipflkapp'n", den die "Schoustahannesn Nandl g'seh'gn hot" und der so "daschrockn is", dass er in das Wasser gefallen und ertrunken ist. Das bewegte auch den Versteigerungsbeamten, der wie damals alle vornehmen Leute, nicht laut lachen durfte, nach einem "das gehört sich nicht" zu einem Schmunzeln.

Für viele folgte eine "feuchte Unterhaltung" im Wirtshaus. Mit seiner Geschichte verband der "schreibende Seelsorger" Franz-Xaver Lehner, die damalige Situation mit den möglichen Folgen eines Meineids.
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