Zu Fuß in die Ewige Stadt

Unterhalb der Sankt Beatus-Tropfsteinhöhlen im Schweizer Kanton Bern verläuft ein Teil der Pilgerroute. Das nächste große Ziel ist Lausanne, wo der Jakobsweg auf die "Via Francigena" nach Rom trifft.
Lokales
Schönsee
05.09.2015
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Schnee in den Alpen, strahlender Sonnenschein am Mittelmeer - auf seinem Weg nach Rom hat Alois Fuchs nicht nur sämtliche Wetterlagen erlebt. Ende April ist er gestartet, seit Mitte August hat ihn sein Heimatort Schönsee wieder. Zu Fuß hat er in 101 Tagen mehr als 2000 Kilometer zurückgelegt. Die Erlebnisse seiner Pilgerreise nach Rom sind beeindruckend.

(mhö) "Die beiden ersten Stempel habe ich von Pfarrer Wolfgang Dietz und Bürgermeisterin Birgit Höcherl bekommen", erklärt Alois Fuchs, als er den ersten seiner vier Pilger-Pässe öffnet. Diese Dokumente dienen als Nachweis, an welchen Stationen ein Pilger jeweils Halt gemacht hat. Um im Vatikan die Pilgerurkunde zu erhalten, muss man zwar nur die letzten 100 Kilometer bis Rom zu Fuß gegangen sein, aber der gebürtige Weidinger "habe schon den ganzen Weg gehen wollen." Damit erfüllte er sich einen langgehegten Traum. Nach der Pilgersegnung ging er mit 13 Kilo Gepäck am 25. April in Schönsee weg. Die erste Etappe führte ihn dabei auf dem Jakobsweg, der von Pilsen her kommt und sich durch die Oberpfalz nach Spanien zieht, nach Altendorf. Weiter ging es über Nürnberg und Ulm an den Bodensee. Am Anfang habe er bei Begegnungen sein großes Ziel nicht verraten. "Ich wollte schon sicher sein, dass ich es schaffe, und nicht belächelt werden nach dem Motto 'Jaja, der geht bestimmt bis nach Rom!'", meint der 57-Jährige. Aber bald war er "im Gehen richtig drin", der Körper habe sich umgestellt.

Durch Schweiz und Italien

Die Autofähre brachte ihn nach Konstanz, von dort ist es nicht mehr weit bis in die Schweiz. Nach dem Aufenthalt in Einsiedeln, dem wichtigsten Pilgerzentrum dort, schlief Alois Fuchs die nächsten beiden Nächte in Heu und Stroh. Nach insgesamt gut 40 Tagen erreichte er Anfang Juni das große Zwischenziel Lausanne - hier trifft der Jakobsweg auf die "Via Francigena", den Pilgerweg nach Rom. Bald darauf begann der Aufstieg zum Großen Sankt-Bernhard-Pass, auf dem die Pilger die Alpen überqueren. Der richtige Weg war jedoch nicht immer leicht zu finden, "ein paar Mal habe ich mich schon verlaufen, einmal waren es zehn Kilometer Umweg am Stück", gibt der gelernte Elektrotechniker zu.

Das Sprichwort "Alle Wege führen nach Rom" beruhigte ihn allerdings in diesen Situationen. Trotzdem gibt es während einer solchen Reise auch Phasen, in denen man an seine Grenzen stößt. Der Schönseer erreichte diese vor allem, während er die Reisfelder der Po-Ebene durchwanderte. "Die Hitze, die Einsamkeit und unzählige Mücken - das zehrt an den Kräften", erzählt er. "Aber dann nimmt man den Rosenkranz wieder in die Hand und geht einfach weiter." Ein ebenfalls wichtiger Begleiter war der Pilgerstab, für jeden geschafften Tag bekam er eine Kerbe eingeritzt.

Der wichtigste praktische Gegenstand sei eindeutig der Sonnenhut gewesen: Etwa die Hälfte der fast vier Monate wanderte der Hobby-Musikant durch das meist sonnige Italien, acht Tage Auszeit gönnte er sich unterwegs. Pro Tag ging er so im Schnitt knapp 23 Kilometer, den Großteil der Strecke allein. Vor allem zum Schluss bestritt er den Weg zusammen mit einem Arzt aus dem Allgäu.

Erleichterung und Freude

Kurz vorm Ziel verdichtete sich die Pilgerzahl, zu viert kamen sie am 3. August schließlich in der Ewigen Stadt an. "Es war ein unbeschreibliches Gefühl, nach den vielen Wochen voller Strapazen auf dem Petersplatz zu stehen", sagt der Pilger. Nachdem sie sich im Petersdom ihre Urkunde abgeholt hatten, wollte Alois Fuchs am Fluss Tiber noch etwas erledigen: Von zu Hause hatte er einen Stein mitgenommen, in Rom warf er damit symbolisch die mitgetragenen Sorgen weg. Nach der Papstaudienz für alle Rompilger war die Wallfahrt offiziell beendet. Vor seiner Heimreise mit dem Zug gönnte sich der Schönseer aber noch zehn Tage Urlaub in der Metropole. Pünktlich zum Frauentag am 15. August kehrte der Pilger nach Hause zurück. "Nach der langen Zeit am meisten vermisst habe ich das Ripperl-Essen im Stammlokal in Weiding", schmunzelt er.

Mit dem Jakobsweg und der "Via Francigena" ist Alois Fuchs schon zwei große Pilgerrouten gegangen. "Der Weg nach Jerusalem wäre natürlich noch sehr reizvoll", überlegt der Schönseer. Die nächsten paar Jahre pausiere er zwar, aber dann macht er sich sicher wieder auf den nächsten Weg.
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