Zukunft ohne finanzielle Schatten

Ein Besucher-Magnet ist das jährliche Seefest (hier mit dem Centrum Bavaria Bohemia im Vordergrund). Als nächster Termin mit überregionaler Ausstrahlungskraft steht am 7. und 8. August das Freilichtschauspiel "Nacht der langen Schatten" auf dem Programm. Bilder: ggö/cf (2)
Lokales
Schönsee
01.08.2015
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"Null-Verschuldung" weist der Haushalt der kleinen Stadt Schönsee für 2015 aus. Wie bekommt eine Kommune im östlichen Landkreis Schwandorf das Kunststück fertig, trotz rückläufiger Bevölkerung schuldenfrei zu sein?

Bürgermeisterin Birgit Höcherl lächelt und sagt: "Indem wir tolle Firmen in der Gemeinde haben." Damit sind die international tätigen Unternehmen Irlbacher ("Spezialgläser in höchster Präzision") und die Münchener Medizinmechanik MMM in Stadlern (Aufbereitung von Sterilgut) sowie weitere "gute Mittelständler" und Handwerksbetriebe gemeint. Deshalb ist nicht nur die Stadt selber, sondern die komplette Verwaltungsgemeinschaft "Schönseer Land" mit den Orten Stadlern und Weiding nahezu schuldenfrei. Im Haushalt von Schönsee stehen das dritte Jahr in Folge Gewerbesteuer-Einnahmen von einer Million Euro. Höcherl: "Da sind wir ganz gut aufgestellt."

Gut 2500 Einwohner zählt die Stadt Schönsee, 1991 waren es knapp 3000. Somit brach innerhalb von 25 Jahren nahezu ein Sechstel der Bevölkerung weg. Der Verlust hinterlässt Narben im Stadtbild. Vor allem wenn der Besucher aus Richtung Eslarn kommt, fallen die blinden Fenster der verwaisten Häuser auf. "Es ist nicht so schlimm, wie's ausschaut", meint die Bürgermeisterin. Neun Leerstände zählt die Stadt Schönsee innerorts. In der Revitalisierung des Zentrums sieht Höcherl einen kommunalpolitischen Schwerpunkt. Dafür legte die Stadt ein eigenes Förderprogramm auf: Mit bis zu 30 000 Euro kann eine Modernisierung und Instandsetzung bezuschusst wurden. Zudem sind Eigenleistungen mit 9 Euro je Stunde förderfähig. "Drei Maßnahmen sind am Laufen."

Die Statistik weist mehr als 850 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte aus; etwa 600 davon arbeiten im produzierenden Gewerbe. Das Saldo von Ein- und Auspendlern ist weitgehend ausgeglichen: trotz der peripheren Lage nahe an der Grenze.

Abbruch der alten Schule

Die Bürgermeisterin freut sich über 25 Geburten im vergangenen Jahr. "Wir hatten schon mal nur 15 ...". Vor wenigen Jahren verlor Schönsee die Mittelschule, die älteren Kindern pendeln nach Oberviechtach. Birgit Höcherl ist zuversichtlich, zumindest die Grundschule mit derzeit 97 Schülern erhalten zu können. 1971 besuchten noch 550 Kinder die Grund- und Hauptschule Schönsee.

Die Verantwortlichen schauen nach vorn. Höcherl bemüht sich, in der ehemaligen Hauptschule ein Forschungszentrum für naturnahe Dämmstoffe anzusiedeln. Sie spricht von ermutigenden, interessanten Kontakten. Das schon damals "überdimensionierte" (ganz) alte Schulgebäude wird bald rückgebaut. Ob ihr das Bürgermeisteramt Freude bereite, fragen wir. "Meistens schon, manchmal nicht." Die gelernte Industriekauffrau und Mutter dreier Töchter trat 2008 die Nachfolge des umtriebigen Hans Eibauer an, der maßgeblich das Centrum Bavaria Bohemia (CBB) initiiert hat. Viele Tausende Gäste - darunter Busse aus dem nahen Tschechien - zog jüngst das Seefest in die großzügige Promenade auf der Südseite des Stadtkerns. Am 7./8. August steht das Freilichtschauspiel "Nacht der langen Schatten" an. Es beleuchtet das Pascher-Unwesen und zielt auf die Verständigung beider Nachbarvölker. Die Bürgermeisterin ist Vorsitzende des Pascher-Vereins und spielt selbst mit. Sie ist voll des Lobes über das ehrenamtliche Engagement der Menschen in zahlreichen Vereinen: ob bei der "Nacht der langen Schatten", beim Laienspiel "Irrlichter", bei den Klöppeltagen oder der Kult-Veranstaltung "Advent im Wald". "Irgendwelche finanziellen Defizite, für die die Stadt einstehen müsste, sind undenkbar."

Mühsamer Prozess

Okay, der Tourismus floriert nur mäßig und die Gastronomie in Schönsee hat so ihre Nachfolge-Probleme. Die 50-Jährige ist aber optimistisch. So möchte Birgit Höcherl das Naturbad zum modernen Freizeitzentrum ausbauen - "und 2016 für zukunftsweisende Projekte auch Geld in die Hand nehmen". In der unverbrauchten Natur und in der Nähe zu Tschechien sieht sie Alleinstellungsmerkmale. Wenn die Bürgermeisterin einen Wunsch frei hätte? Sie überlegt keine Sekunde: "Noch mehr Kinder in unserer Stadt." Doch es sei ein mühsamer Prozess, der demografischen Entwicklung entgegen zu steuern. "Die Jugend darf ihre Wurzeln in der Heimat nicht vergessen."
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