"Bauvoranfrage für das Hotel ""St. Hubertus"" in Schönsee: Nutzungsänderung der ""Nature Community"" sorgt für Diskussion"
"Community" siedelt sich an

Hotel und Feriendorf St. Hubertus liegen auf einer Anhöhe am Ortsrand von Schönsee. Josef Utz hat nun einen Käufer gefunden, dessen Bauvoranfrage zur Nutzungsänderung den Stadtrat beschäftigte. Bild: mmj
Politik
Schönsee
28.01.2015
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Eine autarke Lebensgemeinschaft mit eigener Schule, einer veganen Ernährung und offenen Partnerschaften: Eine Bauvoranfrage der "Nature Community" zur Nutzungsänderung für das Hotel "St. Hubertus" sorgte im Stadtrat für eine lebhafte Diskussion.

Die Bauvoranfrage stand schon am 16. Dezember auf der Tagesordnung, wurde aber vertagt. Nach vielen Wortmeldungen erteilten die Stadträte - mit drei Gegenstimmen der Freien Wählergemeinschaft Schönsee - am Dienstag das gemeindliche Einvernehmen. "Wir haben keine andere Möglichkeit, als zuzustimmen, denn es gibt keine Hindernisgründe, welche dem Vorhaben entgegenstehen", erklärte Bürgermeisterin Birgit Höcherl.

Gutes Gefühl

"Hintergrund der Nutzungsänderung ist, dass ein Teil der Ferienanlage zur Dauerbewohnung genutzt werden soll", erklärte der künftige VG-Geschäftsstellenleiter Mattias Jeitner, der, ebenso wie sein Vorgänger Josef Spachtholz, bei der Sitzung anwesend war. Laut Jeitner gibt es keinen Bebauungsplan, sondern nur einen Flächennutzungsplan für Hotel und Feriendorf "St. Hubertus". Deshalb sei vom Stadtrat auch nur zu prüfen, ob sich das Projekt baulich in die Umgebung einfügt oder Auswirkungen darauf hat. "Das ist nicht der Fall, da die Gebäude schon zu Wohnzwecken angelegt sind", erklärte der Volljurist. Da keine Hindernisgründe vorliegen, stehe dem Vorhaben nichts entgegen und die Stadt müsse das Einvernehmen erteilen. Andernfalls könne die Kommune sogar schadenersatzpflichtig werden.

Gegenstimmen

Vor der Abstimmung verlas Bürgermeisterin Birgit Höcherl die Stellungnahme mit ausführlicher Vorstellung der "Nature Community eG", worin sich die Genossenschaft sehr positiv ins Licht setzt (siehe Kasten). Dieses gute Gefühl sei auch bei einem Treffen der Stadträte am Dienstag, 20. Januar mit vier Vertretern der "Community", darunter Andreas Materne aus München (Inhaber und Seniortrainer für Top-Management im Bereich Führung und Präsenzcoaching) der Fall gewesen. "Ich war am Anfang auch dafür. Materne coacht die besten Leute von großen Firmen. Aber nachdem ich die Internetseite angeschaut habe, bin ich anderer Meinung", führte Peter Pfaffl an. Er denke, dass die Leute nicht in die Region passen und verwies darauf, dass andere Gemeinden eine Ansiedlung der Community verhindert hätten.

"Kompetenter Investor"

"Lebensentwürfe sind nicht relevant. In den anderen Fällen lag ein Bebauungsplan vor und damit hatten die Gemeinden eine Handhabe gegen die Bauvoranfrage", erklärte Amtsrat Josef Spachtholz. "Wir haben Herrn Materne letzte Woche zwei Stunden lang weichgeklopft. Ich hatte den Eindruck, das Vorhaben ist wohlüberlegt und finanziell gut untermauert", führte Josef Eibauer an und betonte: "Wir können froh sein, so einen kompetenten Investor zu haben. Es ist eine Chance für das Hubertus." "Wir diskutieren heute Sachen, die nicht auf den Ratstisch gehören. Jeder hat eine andere Meinung dazu, ob die Leute zu uns passen. Aber nur rechtliche Fakten sind ausschlaggebend!", gab Michael Präßl zu bedenken. Thomas Schiller wollte das nicht so stehen lassen: "Ich hatte am Dienstag noch ein gutes Gefühl. Aber seit ich genauer im Internet recherchiert habe, bin ich dagegen."

Einwände verwundern

"Ich wundere mich schon stark über die heutigen Einwände. Während ich zurückhaltend in die Gespräche gegangen bin, wart ihr sehr euphorisch und habt noch zu dieser tollen Idee gratuliert", konterte Birgit Höcherl in Richtung Freie Wählergemeinschaft Schönsee. Sie betonte, dass das Restaurant mit veganer Küche weitergeführt werden soll, wobei auch ihr ein normaler Hotelbetrieb lieber wäre.

Vor der Abstimmung brachte noch Stadtrat Andreas Hopfner von der FWG seine Bedenken vor ("Das Projekt ist für Schönsee nicht gut") und ärgerte sich, dass er es im Vorfeld so positiv gesehen hatte. "Unsere Aufgabe ist es nicht, Lebensentwürfe in Frage zu stellen", betonte die Bürgermeisterin nochmals. Weiterer Bericht zur Sitzung folgt.
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