Bürgermeister tauschen Erfahrungen aus
Noch Lust oder schon Frust?

Die Bürgermeister Jan Bozdech, Thomas Gesche, Stephan Oetzinger und Petr Tresnák (von links) gaben interessante Einblicke. Annette Kraus und CeBB-Leiter Hans Eibauer moderierten die Veranstaltung. Bild: eib
Politik
Schönsee
15.12.2015
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Junge Bürgermeister aus der Oberpfalz und Tschechien diskutierten im CeBB über die Erfahrungen ihres ersten Amtsjahres. Die Diskussion stand unter dem Motto "Noch Lust oder schon Frust?"

Junge Bürgermeister in der Oberpfalz und im Nachbarland Tschechien sind mit ähnlichen Problemen konfrontiert und müssen schon mal (Graben-) Kämpfe mit abgewählten Mandatsträgern ausfechten. Was sie eint, ist der offene Umgang mit modernen Kommunikationsmedien, die ihren Politikstil prägen.

Jung und kurz im Amt


Das Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) hatte sich für Diskussionsrunde ein interessantes kommunalpolitisches Thema ausgewählt. Auf dem Podium diskutieren die Bürgermeister Thomas Gesche (Burglengenfeld), Stephan Oetzinger (Mantel), Petr Tresnák (Marienbad/Mariánské Lázne) und Jan Bozdech (Klentsch/Klencí pod Cerchovem) über ihre erste Zeit als Rathauschef. Alle vier Bürgermeister sind jung, um die 30 Jahre und seit kurzer Zeit ins Amt gewählt. Moderatorin Annette Kraus, Redakteurin des Tschechischen Rundfunks in Prag, sprach mit den vier Kommunalpolitikern über ihre Eindrücke und Erfahrungen. Für die Gäste des Diskussionsabends war es höchst spannend zu erfahren, ob in Bayern und Tschechien die Arbeit in den Gemeinden ähnlich oder sehr verschieden ist. Der Bürgermeister aus Marienbad ist übrigens das einzige tschechische Stadtoberhaupt, das der Partei der Piraten angehört.

Was muss es in Marienbad - man möchte meinen, eine durch und durch konservative Stadt - für Verwerfungen gegeben haben, wenn die Piraten zur stärksten Fraktion im Stadtrat werden, eine Koalition mit zehn kleinen Gruppen gegen die bisher vorherrschenden Sozialdemokraten schmieden und den Bürgermeister stellen. Die Antwort von Petr Tresnák war Korruption in der Vorgängeramtszeit, intensive Kommunikation und Beachtung der Themen, die für die Bürger Marienbads neben der Bädertradition wichtig sind.

In der Stadt Burglengenfeld apostrophierten Beobachter die Wahl von Thomas Gesche, der als Auszubildender in der Stadtverwaltung anfing und dort viele Stationen durchlaufen hat, als Wahlsieg eines lachenden Dritten. Die 24 Jahre in der zweitgrößten Stadt des Landkreises Schwandorf dominierende SPD ging zerstritten in den Wahlkampf 2014 und Thomas Gesche eroberte als CSU-Kandidat in der Stichwahl den Rathausstuhl.

Er setzte von Beginn an auf Zusammenarbeit, Transparenz und umfassende Information, um die sehr aufgeheizte Atmosphäre in Burglengenfeld zu beruhigen. Mit der Live-Übertragung der Stadtratssitzungen im Internet, einem Youtube-Kanal mit regelmäßigen Videobotschaften des Bürgermeister, mit jährlichen Bürgerversammlungen in der Kernstadt und in den fünf wichtigsten Ortsteilen und einem diskussionsoffenen Herangehen an schwierige Themen hat sich Burglengenfeld binnen eines Jahres zu einer Stadt mit beispielhafter Bürgerinformation und Kommunikation gewandelt.

Bürger ernst nehmen


Mit schwierigen Mehrheitsverhältnisse muss Stephan Oetzinger in der 3 000-Einwohnergemeinde Mantel zwischen Truppenübungsplatz Grafenwöhr und der Stadt Weiden nicht kämpfen. Seine CSU-Fraktion hat die Mehrheit im Marktrat und er ist auch nicht von heute auf morgen Rathauschef geworden. Durch die Krankheit seines Vorgängers hat er als 2. Bürgermeister, noch als Student in Regensburg, in der vorgehenden Periode die Verantwortung in Mantel übernehmen müssen. Seit 2014 ist auch noch der Fraktionsvorsitz der CSU im Kreistag Neustadt/Waldnaab dazu gekommen. Freizeit bleibt kaum, besser wird es vielleicht, wenn er im Dezember seine Doktorarbeit abgegeben hat.

Die Bürger müssen ernst genommen werden, Straßendiskussionen zur Klärung vor Ort sind an der Tagesordnung und wie bei allen anderen vier Kollegen sind Veröffentlichungen auf dem Facebook-Account selbstverständlich. Jan Bozdech aus Klentsch (Klencí) folgte Karel Smutný, einem der grenzüberschreitend aktivsten Bürgermeister auf tschechischer Seite. Er lässt keinen Zweifel, dass ihm die intensive Zusammenarbeit mit der Partnerstadt Waldmünchen, aber auch mit dem CeBB, am Herzen liegt. Der mit zweifachem Hochschulabschluss glänzende und hervorragend Deutsch sprechende junge Bürgermeister arbeitet derzeit intensiv an der Verwirklichung eines Naturinformationszentrums für den Böhmerwald (Cesky les) in der historischen Posthalterei in Klentsch. Auch bei ihm spielt Kommunikation mit den Bürgern eine große Rolle.

WortmeldungenDie Wortmeldungen aus dem Publikum drehten sich vor allem um die Vor- und Nachteile der Bürgermeisterwahl direkt vom Volk oder indirekt durch den Gemeinderat, die Hinterleuchtung der Situation in Marienbad und den Umgang mit dem Thema Flüchtlinge. Hans Eibauer bedankte sich für den hochinteressanten Abend und für die Förderung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds. Als Lehre aus der Kommunikationsoffensive aller vier Bürgermeister versprach er, den nächsten bb-talk als Video in Youtube zu veröffentlichen. (eib)
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