Diskussionsabend mit Landwirten im CeBB
Grenznähe durchaus ein Vorteil

Podiumsgäste waren (von links) Josef Irlbacher, Peter Hetzenecker, Václav Kocek und Jaroslav Uher. Hier im Bild mit Moderatorin Annette Kraus vom Tschechischen Rundfunk und der fairen Milchkuh als Symbolfigur für auskömmliche Milchpreise. Bilder: eib (2)
Politik
Schönsee
02.11.2016
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Groß war das Interesse beim bb-talk. Die Moderatorin fragte eingangs, wer von den Gästen aus der Landwirtschaft kommt und viele Hände gingen nach oben.

Mit "problembewusst und verhalten optimistisch" lassen sich die Diskussionsbeiträge der Podiumsgäste, zwei Landwirte aus dem Landkreis Schwandorf und zwei aus der Nachbarregion Pilsen, beim Diskussionsabend im CeBB auf einen kurzen Nenner bringen. Dabei war viel über Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Landwirtschaft auf beiden Seiten der Grenze zu erfahren.

CeBB-Leiter Hans Eibauer freute sich über das große Interesse bei Landwirten, Kommunalpolitikern und Verbrauchern. Moderatorin Annette Kraus, die aus dem Landkreis Tirschenreuth kommt und schon seit einiger Zeit beim Tschechischen Rundfunk in Prag tätig ist, suchte in der ersten Fragerunde nach den Unterschieden auf bayerischer und tschechischer Seite.

Interessierte Gäste


Im Publikum verfolgten Kreisbäuerin Barbara Hanauer und annähernd 50 Gäste interessiert die Debatte. Es kristallisierte sich schnell heraus, dass die Landwirtschaft auf bayerischer Seite mit ihren kleinen und mittleren Betrieben ähnliche Marktbedingungen vorfindet und mit der gleichen Förderbürokratie geplagt ist, wie die weitaus größeren Betriebe in Tschechien, bei denen mehr als 3 000 Hektar keine Seltenheit sind.

Ein Teil der Diskussion drehte sich um die Einkommenssituation der Milcherzeuger. Peter Hetzenecker schilderte drastisch, wie seine Eltern über Jahre Milchquoten mit erheblichem Mitteleinsatz dazukauften und dieses investierte Vermögen mit dem Ende der Quotenregelung mit einem Schlag vernichtet war. Auf bayerischer Seite nehmen die Biomilchbetriebe zu, denn die Verbrauchernachfrage wächst und die Erzeugerpreise sind besser. Überraschend war, dass die überschüssige Milch der 600 Kühe der Agrargesellschaft täglich nach Cham in die Molkerei Goldsteig geht. Milch über die Grenze exportieren zu können, war fast die Rettung für den Betrieb in Draženov. Der Preisverfall, verschärft durch das Russlandembargo, brachte jährliche Verluste von 300 000 Tausend Euro. "In so schwierigen Zeiten ist die Grenznähe für uns ein Vorteil", sagte Václav Kocek.

Am Milchpreis hängt viel für die Landwirte auf beiden Seiten: Akzeptables Einkommen, Abbau von Belastungen und Spielraum für Investitionen. So wie der tschechische Gast vom Großbetrieb, der die auf zwei Ställe verteilten 600 Kühe aus betriebswirtschaftlichen Gründen in einem Stall zusammenfassen will, stehen die bayerischen Bauern unter dem Druck, zu modernisieren, wirtschaftlicher zu werden und Nischen zu finden. Dies wird nur möglich sein, wenn der Milchpreis besser wird, war die grenzüberschreitend einhellige Antwort.

Gibt es weitere Aspekte, von denen die Landwirte in Grenznähe profitieren?, fragte die Moderatorin in die Runde. Bioproduktion, Agro- und Ökotourismus sind bestimmt noch ausbaufähig, meinte Jaroslav Uher. Nicht wenige Oberpfälzer Bauern sind inzwischen Pächter und Eigentümer landwirtschaftlicher Grundstücke in Tschechien. Biogasbetriebe in der Region sichern sich auf diesem Weg ihren Maisbedarf. Sogar Ackerbaubetriebe aus dem Schwandorfer Raum bewirtschaften Flächen in der Nähe von Pilsen. "Besteht da nicht die Angst vom Ausverkauf der landwirtschaftlichen Flächen in Grenznähe in Tschechien?"

Nachwuchs begeistern


"Ja, es sind immer mehr Agrarfahrzeuge mit deutschem Kennzeichen in der Erntezeit zu sehen und ich bin zuständig für die Kontakte mit unseren Miteigentümern. Nur wenn wir mit ihnen ein gutes Verhältnis pflegen, können wir sie vielleicht davon abhalten, lukrativen Kaufangeboten aus Deutschland nachzugeben" sagte der erfahrene Agronom Václav Kocek. Kritische Fragen nach dem Chemieeinsatz in der Landwirtschaft auf beiden Seiten, dem Bild der Bauern in der Öffentlichkeit und was passieren muss, um die junge Generation für den Beruf des Landwirts zu begeistern, bestimmten die Wortmeldungen aus dem Publikum.

Auf dem PodiumJaroslav Uher bewirtschaftet mit seiner Familie die Ökofarm in Rybník (Weiher) ganz nah an der Grenze bei Stadlern/Schwarzach. Der 420 Hektar große Grünlandbetrieb mit vielen Weideflächen war vor der Wende eine Kolchose und ist inzwischen in seinem Besitz. Die Weiderinder und Schafe werden auf Biomärkten, vor allem in Prag, selbst vermarktet. Weitere Standbeine sind der Agrotourismus mit Ferienwohnungen und ein kleines Sägewerk. Der zweite tschechische Gast, Václav Kocek ist studierter Agronom und in leitender Funktion in einem landwirtschaftlichen Großbetrieb in der Nähe von Domazlice mit ca. 1 600 Hektar und 600 Milchkühen als einer von 23 Mitarbeitern tätig.

Haupteigentümer des Betriebs sind 65 Aktionäre, die nicht von Außen kommen, sondern ihre Flächen in das Agrarunternehmen eingebracht haben. Aus der jungen Generation der Landwirte diskutierte auf dem Podium Peter Hetzenecker aus Neuried bei Schwandorf, der mit seinen Eltern einen 85 Hektar großen Milchviehbetrieb mit 80 Kühen bewirtschaft und ehrenamtlich Vorsitzender des Rings junger Landwirte im Landkreis Schwandorf ist.

Josef Irlbacher repräsentierte als stellvertretender Kreisobmann den Bayerischen Bauernverbands Schwandorf und die Nebenerwerbslandwirte. Seit Anfang der 90er Jahre betreibt er seinen Betrieb mit 16 Milchkühen auf 30 Hektar, hauptberuflich ist er landwirtschaftsnah beim Kartoffelerzeugerring Oberpfalz tätig. (eib)
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