Aufnahme in das Landesverzeichnis geschafft
Klöppeln ist Kult

Klöppeln ist mehr als weiße Spitzendeckchen: Im Vorgriff auf den 31. Deutschen Klöppelspitzen-Kongress in Schönsee präsentierte die Textilschule Prag im November 2012 eine Modenschau im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB). Dabei wurde klar: Klöppelspitze auf schwarzem Etuikleid präsentiert die ganze Schönheit des Handwerks. Bild: Portner
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Schönsee
29.07.2016
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Vom Reinheitsgebot bis zu den Passionsspielen Oberammergau: Traditionen und Werte werden in Bayern hochgehalten. Zu den bisher 13 Eintragungen in das Landesverzeichnis kommt im November 2016 eine alte Handwerkskunst aus dem Schönseer Land.

Unter dem Punkt "Informationen" wartete Bürgermeisterin Birgit Höcherl in der Stadtratssitzung mit einer kleinen Sensation auf: "Es ist uns gelungen, dass das Klöppeln Eingang in das Bayerische Landesverzeichnis findet." Dies habe Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle mit Schreiben vom 19. Juli 2016 angekündigt. Dass die Handwerkskunst in der Oberpfalz eine Renaissance erlebt, sei ein Verdienst des Klöppelkreises Schönsee-Stadlern-Tiefenbach. Wie Höcherl betonte, erhielt deshalb auch der Tiefenbacher Bürgermeister Ludwig Prögler diese Nachricht aus dem Ministerium. Beide Kommunen hatten dort eine Bewerbung eingereicht - im Rahmen des Verfahrens zur Umsetzung des Unesco-Übereinkommens zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes.

Festakt im November


Das Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes dokumentiert die Traditionspflege in Bayern. Die ersten 13 Bräuche, Feste und Handwerkstechniken wurden 2015 in einem feierlichen Festakt aufgenommen (siehe Kasten). Darauf können sich nun auch die Schönseer freuen: Am Donnerstag, 10. November 2016 wird das "Spitzenklöppeln im Oberpfälzer Wald" bei einem abendlichen Festakt im Kaisersaal der Münchner Residenz in das Landesverzeichnis Eingang finden. "Hierzu darf ich die Vertreter aller Aufnahmekandidaten schon jetzt einladen", schreibt Spaenle, der auch im Namen von Staatssekretär Bernd Sibler gratuliert. Die Veranstaltung bietet Gelegenheit, dem anwesenden Publikum die Tradition und deren Besonderheiten vorzustellen. "Verstehen Sie die Aufnahme als Wertschätzung und Anerkennung für den persönlichen Einsatz im Zusammenhang mit dem Erhalt und der Weitergabe bayerischer Traditionen und Werte", schreibt Spaenle und betont weiter "diese Bemühungen sind Ausdruck gelebter Heimatliebe und Heimatverbundenheit und stellen sicher, dass die einzigartige kulturelle Vielfalt im Freistaat Bayern bewahrt wird."

Lange Tradition


Das Landesverzeichnis sei ein wichtiges Instrument, um die Bedeutung lebendiger regionaler Traditionen und Ausdrucksformen noch stärker in den öffentlichen Fokus zu rücken. "Es macht uns auf beeindruckende Art und Weise bewusst, dass unser Reichtum gerade auch in der Vielfalt unserer Kultur begründet liegt, welche unsere bayerische Heimat und Lebensart im Kern ausmacht", heißt es im Anschreiben an die Bürgermeisterin, welches der Minister mit den Worten beendet: "Ihnen und allen aktiven Mitgliedern der Trägergruppe danke ich nochmals für Ihr Engagement."

Bei der Auswahl der Beiträge orientiert sich die Jury an den Kriterien des Unesco-Übereinkommens, wie Alter, Wandel und Tradierung, Inhalt, Trägergruppe, Bedeutung, Erhalt, Gefährdung sowie Kommerzialisierung. Im Schönseer Land hat das Klöppeln eine lange Tradition. Es kam aus dem sächsischen Erzgebirge in die Oberpfalz. Der Bayerische Staat richtete 1901 in Stadlern, 1906 in Schönsee und 1907 in Tiefenbach eine staatliche Klöppelschule ein. Ziel war es, durch Direktvermarktung einen höheren Verdienst zu verschaffen. Die Textildesignerin Suse Bernuth übernahm 1950 die künstlerische Leitung der drei Schulen, was einen enormen Aufschwung bedeutete. Nach der Auflösung im Jahr 1972 wurde die Handarbeitskunst als Wahlfach an der Volksschule Schönsee angeboten - heute ist es die einzige Schule in ganz Bayern, die Klöppeln im Stundenplan hat. Statt Deckchen entstehen am Klöppelsack Freundschaftsbänder, Verzierungen für Handytaschen oder CD-Hüllen.

Auch der Tourismus profitiert: Die Klöppel durch die Finger gleiten zu lassen, fasziniert viele Urlauber. Regelmäßig werden Ausstellungen mit internationaler Spitzenklöppelkunst präsentiert; 2013 fand sogar der Deutsche Klöppelkongress im kleinen Grenzstädtchen statt. "Klöppeln Aktiv im Schönseer Land" hieß es eine Woche lang im Mai 2016 und übers Jahr finden Kurse statt.

LandesverzeichnisDas Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes weist bisher 13 Eintragungen auf: Bayerische Brautradition nach dem Reinheitsgebot; Goldhaubentradition im Passauer Land; handwerkliche Fertigung von Flachglas in der traditionellen Technik des Mundblasverfahrens. Auf Platz 4 bis 7 in der Liste stehen die historischen Dokumentarspiele "Landshuter Hochzeit 1475", "Drachenstich zu Furth im Wald", "Der Meistertrunk zu Rothenburg ob der Tauber" und "Kinderzeche zu Dinkelsbühl". Weiter mit Platz 8: Innerstädtischer Erwerbsgartenbau in Bamberg; Limmersdorfer Lindenkirchweih; Kötztinger Pfingstritt; Tradition des Münchner Viktualienmarktes; Passionsspiele Oberammergau; Tradition der hochalpinen Alpwirtschaft im Allgäu. (ptr)
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