Erinnerung an die Heimat

Herbstzeit über dem Friedhof von Ples (Plöß). Auch in diesen Tagen stehen Lichter an den Gräbern. Bild: mmj
Vermischtes
Schönsee
07.11.2016
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Gräbersegnung und Friedhofgang gehören zu Allerheiligen. An den letzten Ruhestätten brennen Kerzen, die Gräber sind mit Blumen und Grabgestecken geschmückt. Jahrzehnte nach der Vertreibung war es für die ehemaligen Bewohner von Plöß, ihre Kinder und Enkel nicht möglich, in einem stillen Gebet der Angehörigen an ihrem Grab zu gedenken.

/Ples. Wenn auch der Friedhof, auf dem Vater und Mutter, Oma oder Opa beerdigt waren, nur 20 Gehminuten von Friedrichshäng entfernt liegt, hinderte sie die Grenze daran. Der Eiserne Vorhang war dazwischen!

Der Verein "Heimatgemeinde Plöß e.V.", gegründet im September 1989, befasste sich schon bald nach seinem Entstehen mit der Instandsetzung des Friedhofs in Ples (Plöß). Auf vielen Seiten ist im "Heimatbuch der Gemeinde Plöß mit Wenzelsdorf, Rappauf und Straßhütte" in Bildern die umfangreiche Maßnahme dokumentiert. Demnach wurde vom Landratsamt Domažlice (Taus) 1991 die Genehmigung zur Ausführung der Restaurierungsarbeiten erteilt. Vereinsmitglieder und Bürger aus Tschechien beteiligten sich an der Instandsetzung, die sofort nach Behördenerlaubnis begann.

Grabsteine entdeckt


So sind bereits im selben Jahr 870 Arbeitsstunden von Vereinsmitgliedern und 738 Arbeitsstunden von Tschechen geleistet worden. Dabei wurden nach Beseitigung von Unrat immer wieder Grabsteine gefunden und diese in unmittelbarer Nähe des Fundorts aufgestellt. Die Grundmauern der Kirche wurden freigelegt, und die Friedhofsmauer wurde errichtet. Exakt, so der Chronist, wurde über die Arbeitseinsätze und die Helfer Buch geführt.

5148 Stunden


Bis in die Sommermonate 1993, nach der Beendigung der Maßnahme, waren 5148 Stunden gezählt. "Die dreijährige Arbeit fand ihre Krönung" - unter dieser Überschrift berichtete unsere Zeitung am Dienstag, 17. August 1993, über einen Gedenkgottesdienst zum Abschluss der Arbeiten am Friedhof. Zelebriert wurde dieser von Pater Johannes Preßl, selbst in Plöß geboren, mit dem damaligen Pfarrer aus Belá nad Radbuzou (Weißensulz) und dem Pastoralassistenten aus Chodský Újezd (Heiligenkreuz). Der Geistliche bezeichnete in seiner Ansprache den Gottesdienst als historische Stunde. Ein Friedhof sei für ihn ein Aushängeschild einer Gemeinde und Zeichen der Versöhnung über die Gräber und Grenzen hinaus.

Wöchentliche Wanderung


Ein Zeichen des Miteinanders setzten die Mitglieder des Heimatvereins in all den Jahren. Die Pflege des Friedhofs zählen sie mit zu ihren ureigensten Aufgaben. Und egal wo die ehemaligen Bewohner von Plöß ein neues Zuhause gefunden haben, der Gottesacker ist für sie mit ein Ort der Erinnerung an ihre Heimat. Immer wieder stehen im Nachbarland Verwandte an den Gräbern ihrer verstorbenen Angehörigen. In der wöchentlich stattfindenden Wanderung von Friedrichshäng nach Plöß wird auch der dortige Friedhof besucht.
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