Eva Forti, die Hauptdarstellerin aus dem Pascher-Spiel, erliegt schwerer Krankheit
Trauer um eine Brückenbauerin

Vermischtes
Schönsee
07.01.2016
9
0

Acht Jahre stand Eva Forti als "Wanka" beim Freilichtspiel "Pascher - die Nacht der langen Schatten" auf der Naturbühne am Eulenberg und zog in den Spielzeiten 2007 bis 2014 Tausende von Zuschauern in ihren Bann. Gesundheitliche Gründe verwehrten ihr im vergangenen Jahr die Rolle - einer heimtückischen Krankheit erlag sie am Neujahrstag.

Anlässlich einer Kuratoriumssitzung im Centrum Bavaria Bohemia lernten vor fast zehn Jahren Pascher-Vorsitzende Birgit Höcherl und Regisseur Martin Winklbauer Eva Forti als Dolmetscherin kennen. Zu dieser Zeit gab es bereits die Idee zu einem Freilichtspiel am Eulenberg. Mit Eva Forti schien die Idealbesetzung der "Wanka" gefunden zu sein. Zusammen mit Winklbauer verabredete sich Höcherl mit Eva Forti in deren Wohnort Pilsen und brachten ihr die Idee nahe. Obwohl Forti bis dahin noch nie auf einer Bühne gestanden hatte, überzeugte sie der Gedanke des Stücks, in dem es um die Aufarbeitung der Geschichte Bayerns und Böhmens, um Versöhnung mit sich selbst und der Vergangenheit beider Völker geht. Da auch in ihrer eigenen Familie das Thema "Vertreibung" präsent war, sagte sie sofort zu. Einzigartig verkörperte Eva Forti in acht Jahren bei 32 Vorstellungen mit fast 20 000 Besuchern die Person der Baldowerin (Auskundschafterin), die sich als Tschechin "Wanka" in den bayerischen Pascher "Adam" verliebt. Mit ihrer Ausstrahlung und ihrem Talent trug sie wesentlich zum Gelingen des Spiels und zu dessen Bekanntheitsgrad bei. Sie freute sich immer wieder, trotz ihrer vielen Verpflichtungen als Dolmetscherin, in der großen "Pascherfamilie" dabei sein zu können.

Als Anfang letzten Jahres in Pascherkreisen ihre schwere Krankheit bekannt wurde, stand für die Organisatoren fest, die Pascherspiel-Aufführungen auszusetzen. Nach Rücksprache mit ihren Familienangehörigen anlässlich eines Besuchs bei Eva Forti im Mai stand das Spiel aber dann dennoch auf dem Terminplan. Mit Magdalena Höcherl wurde eine Darstellerin aus eigenen Reihen gefunden, die kurzfristig in die Rolle schlüpfte. Für sie und alle Mitwirkenden stand aber fest, dass nach einer erhofften Genesung von Eva die langjährige Hauptdarstellerin wieder auf der Bühne stehen sollte. Das Schicksal wollte es aber anders. Die "Schatten der Erkrankung" ließen sie nicht mehr los.

Wenn die Pascher am heutigen Freitag in Pilsen von Eva Forti Abschied nehmen, trennen sie sich von einer echten Freundin, deren Leben ein Mosaikstein im Gebilde des Zusammenwachsens zwischen den Völkern war.
Weitere Beiträge zu den Themen: Eva Forti (2)Naturbühne am Eulenberg (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.