Nature Community erwirbt Hotel und Feriendorf "Hubertus" in Schönsee
Neues Leben im „Hubertus“

Das Hotel und Feriendorf "St. Hubertus" verfügt am Ortsrand von Schönsee über fünf große Gebäude und 22 Bungalows mit einer gesamten Wohn- und Nutzfläche von rund 10 000 Quadratmeter. Der Kaufvertrag mit der "Nature Community" ist unter Dach und Fach und der Einzug läuft. Ab Februar wollen die Schönseer Neubürger hier arbeiten und leben, Visionen verwirklichen und Seminare anbieten. Das Restaurant (Bild) soll mit veganer Küche weiterhin zur Verfügung stehen. Bild: mmj
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Schönsee
19.01.2016
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Die Verhandlungen dauerten über ein Jahr; nun ist der Kaufvertrag für das Kur- und Sporthotel "Hubertus" unterschrieben. Die Nature Community will schon ab Februar ihre Visionen im Feriendorf angehen: autarke Lebensgemeinschaft mit eigener Schule, vegane Ernährung und offene Partnerschaften.

Der Stadtrat hatte am 27. Januar 2015 mit drei Gegenstimmen das gemeindliche Einvernehmen zur Bauvoranfrage der Nature Community (Nutzungsänderung für das Hotel "St. Hubertus") ausgesprochen. "Wir haben keine andere Möglichkeit, als zuzustimmen, denn es gibt keine Hindernisgründe, welche dem Vorhaben entgegenstehen", erklärte Bürgermeisterin Birgit Höcherl damals. Einige Details zum Lebensmodell sorgten im Stadtrat und in der Bevölkerung für lebhafte Diskussionen über die Zukunft des Gastronomiebetriebs.

Eigene Anbauflächen


Auf dem 4,5 Hektar großen Grundstück am Lauber Berg stehen 22 Ferienhäuser und fünf große Gebäude, inklusive einem Seminarhaus, mit einer gesamten Wohn- und Nutzfläche von rund 10 000 Quadratmetern zur Verfügung. "Die Gebäude bieten ausreichend Raum für die Verwirklichung unserer Vision", schreibt die Nature Community auf ihrer Homepage und bekräftigt: "Wir wünschen uns einen guten Kontakt zu den Menschen im Schönseer Land und freuen uns auf den Austausch!"

Der Investor will das Hotel weiterführen und Seminare anbieten, "die uns und unseren Zielen entsprechen". Außerdem ist geplant, noch einen Hektar Wald und zwei Hektar landwirtschaftliche Flächen zu kaufen. Das Restaurant wird vegan weiter betrieben und dazu auf den Ackerflächen so viel wie möglich selbst angebaut.

Das Kur- und Sporthotel wurde 1968 erbaut und mit dem "Fassl" (Saal mit 350 Sitzplätzen) zu einem Aushängeschild im Schönseer Land. Trotz Hallenbad, Sauna, Dampfbad und Whirl-Pool hatte auch das "Hubertus" mit dem Tourismuswandel zu kämpfen. Besitzer Josef Utz griff das Interesse der Nature Community auf und so wurde - nach monatelangen Verhandlungen - der Kaufvertrag am 15. Dezember 2015 unterschrieben. "Die Nature Community hat ein Zuhause!", titelt diese nun auf ihrer Homepage wo es weiter heißt: "Wir freuen uns sehr und bedanken uns an dieser Stelle für die Geduld und das Vertrauen der Inhaber und aller Beteiligten!" Die Gemeinschaft startete im November 2013 mit einem ersten Infoabend, dem monatliche Treffen folgten.

Ein Jahr später tagte die im Oktober 2014 gegründete Genossenschaft "Nature Community" in der Oberpfalz und beschloss, das Objekt in Schönsee kaufen zu wollen. Gleichzeitig wurde entschieden, eine demokratische Schule zu gründen, um dazu beizutragen, den sozial-kulturellen Wandel zu unterstützen und den Kindern ein selbstbestimmtes Lernen zu ermöglichen.

Das 14. Treffen fand im Januar 2015 im "Hotel Hubertus" statt, begleitet von Verhandlungen mit Banken, Besitzer und Stadt. Diese führte Community-Vorstand Andreas Materne, Inhaber und Seniortrainer für Top-Management im Bereich Führung und Präsenzcoaching in München. Im April 2015 "schnupperte" die Community in der Montessori-Schule in Schönthal. Hier sollen die schulpflichtigen Kinder unterrichtet werden, bis die eigene Schule startet. Beim 17. Treffen der Genossenschaft waren dann im Juni bereits interessierte Leute dabei, die ins Feriendorf einziehen wollen und dazu die Bungalows besichtigten. Details im Kaufvertrag waren das Thema im September 2015, wovon dann beim 21. Treffen in Pullach berichtet wurde.

Die Gemeinschaft bezeichnet den Kauf als Startschuss für den Neubeginn. Ab Februar 2016 will man dort gemeinsam leben, arbeiten und wirken: "Schritt für Schritt werden wir unsere Visionen in Taten umsetzen und das Feriendorf St. Hubertus mit neuem Leben und Inhalten füllen. Und das darf nun auf richtig viel Platz in der Oberpfalz wurzeln und wachsen!" Im Anbetracht der politischen und sozialen Lage gäbe dafür keinen besseren Zeitpunkt.

Workshops starten


Um Interessierte und eventuell zukünftige Genossenschaftsmitglieder anzusprechen, starten ab März Kennenlern-Wochenenden im Feriendorf, quasi als "Testwoche in der Wunschökonomie" mit Workshops (Kommunikation, Improtheater, Gemeinschaftsbildung, Meditation, Coaching) sowie Massage, Körper- und Energiearbeit und Tanzabend.

Visionen und InspirationDer Vorstand der Nature Community, Andreas Materne aus München, erklärt auf der Homepage, was für ihn das Wichtigste an der Gemeinschaft ist:

"Spaß und Leichtigkeit im Zusammenleben, Vertrauen von uns allen, dass alles, was kommt, gut ist, und der Glaube daran, dass wir das umsetzen werden, was wir uns wünschen. Der Blick auf das Positive, auf das, was funktioniert. Ehrlichkeit, Klarheit und Transparenz. Die Freude daran, etwas zu bewirken, zu verändern und dabei groß zu denken. Liebevolle Beziehungen und liebevoller Umgang miteinander."

Inspiriert wird die Community unter anderem von Tamera, einer Lebensgemeinschaft in Portugal. Hier leben und arbeiten rund 170 Menschen auf 130 Hektar. Der erste Gründungsgedanke war die Entwicklung eines gewaltfreien Lebensmodells für Mensch, Tier und Natur. Bald wurde klar, dass im Mittelpunkt dieser Arbeit die Heilung der Liebe und der menschlichen Gemeinschaft stehen müsse. Sexualität, Liebe und Partnerschaft sollen befreit werden von Lüge und Angst, denn es könne auf der Welt keinen Frieden geben, solange in der Liebe Krieg ist. Zu den ökologischen und technologischen Forschungsthemen Tameras gehört der Aufbau einer Retentionslandschaft für die Heilung des Wassers und der Natur sowie eines Modells für regionale Energie- und Lebensmittelautarkie.

Die Community arbeitet mit der "Be the Change Stiftung" für kulturellen Wandel zusammen, mit Sitz im Höllbachhof, einem Einödhof im bayerischen Wald. (ptr)
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Thomas Schiller aus Schönsee | 20.01.2016 | 08:57  
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