Stadt Schönsee erinnerte an Verleihung des Marktprivilegs durch Kaiser Karl IV.
Marktrechte "auf ewige Zeit"

Kaiser Karl IV. (Rudolf Schwarz, Zweiter von rechts) gab sich die Ehre und besuchte Schönsee, um dem Ort die Marktrechte zu übergeben. Mit einem Szenenspiel brachten Mitglieder des Paschervereins diese historische Episode, die sich vor über 660 Jahren ereignet hatte, dem Publikum näher. Bilder: weu (2)
Vermischtes
Schönsee
23.05.2016
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Viele Kunsthandwerker aus der Heimat und dem benachbarten Tschechien boten selbstgemachte Artikel an. Auf großes Interesse stießen die Vorführungen dieses tschechischen Schmieds.

Ein spannendes Kapitel der Stadtgeschichte wurde nacherzählt: In einer inszenierten Darbietung verlieh Kaiser Karl IV., der mit seinem Gefolge am Sonntag Schönsee besuchte, der Stadt offiziell die Marktrechte. Die Hauptstraße bildete die Kulisse für einen bayrisch-böhmischen Kunsthandwerkermarkt.

Hoch zu Ross hielt der Herrscher in der Grenzstadt Einzug. Jagdhornbläser kündeten den Tross von Kaiser Karl IV. (Rudolf Schwarz) mit Büttel, Landrichter und Pfleger an. In einem Szenen-Spiel, dargestellt durch Mitglieder des Paschervereins, wurde die Verleihung der Marktrechte vor Publikum gebracht. Die Darbietung stammt aus der Feder von Autor und Regisseur Martin Winklbauer, der auch das Pascherspiel und die "Irrlichter" geschrieben hat.

Mit Wappen besiegelt


"Würscht' für einen halben Kreuzer, Leute, kauft's Würscht'!", rief der Händler (Andreas Ebnet), wurde jedoch von seiner Frau (Renate Wild) darauf hingewiesen, dass erst das Marktrecht ausgerufen werden müsse. Dies tat Karl IV., der die "demütige Bitte anerkannt hat" und dem "besagten Ort Schönsee auf ewige Zeit zuerkennt, die Gnad' und Freiheit zu haben, zu oben genannten Tagen Markt zu halten". Mit dem Wappen des Kaisers wurde die Urkunde vom 22. Mai 1354 besiegelt.

Die beiden Händler hatten sich jedoch zu früh gefreut, denn zunächst mussten Maße und Gewichte durch die Marktbüttel überprüft werden: "Maße und Gewichte kommen vor Gottes Gerichte". Zu allem Unglück war der "Scheffel" zu klein, er hatte einen doppelten Boden. "Ab an den Pranger", lautete daher das strenge Urteil des Büttels. Doch nach heftigsten Bitten der Marktfrau ließ sich Kaiser Karl erweichen und Gnade vor Recht ergehen, allerdings musste das Paar zur Sühne alle Würste selber essen. "Friss und halt's Maul!", war die klare Anweisung der Marktfrau an ihren Gatten.

Dieses Szenario, das von den vielen Gästen mit Applaus gewürdigt wurde, bildete den Auftakt für den Kunsthandwerkermarkt, den Bürgermeisterin Birgit Höcherl eröffnete. Das Angebot war vielfältig: Einen Blick auf alte Handwerksberufe und in Handarbeit hergestellte Waren verschafften die Marktstände entlang der Hauptstraße. Mit handgetöpferten Waren, Keramik, Schmuck, Fotografien von Pilsen, Honig, Met und Produkten aus Bienenwachs sowie handgeschmiedeten Blumen beteiligten sich tschechische Künstler an dem bunten Treiben. Schüler der sechsten Klasse aus der Partnerstadt Pobežovice (Ronsberg) stellten gezeichnete Porträts von Karl IV. aus.

Von Filz bis Seife


Die Schönseer Ministranten boten Muffins, Cookies und Backmischungen an. Die Besucher konnten beim Filzen von Wolle oder beim Drechseln von Pilzen aus Holz zusehen, auch ein Schmied demonstrierte sein Handwerk. Kinder durften ihren eigenen Speckstein schleifen. Ob Löwenzahn- oder Rhabarber- und Ingwer-Sirup, Fichtenspitzengelee, Holzspielzeug, Einkaufstaschen aus Stoff, Baldrian-Kissen, Filzhüte, Holzschalen, Kissen mit Zirbelkieferspänen gefüllt oder handgemachte Ringelblumenseife und Badesalz - die Besucher konnten sich an den hölzernen Ständen mit nicht alltäglichen Waren eindecken und sich in frühere Zeiten zurückversetzt fühlen.

Auf dem Festplatz gab es beim Flohmarkt so manches Schnäppchen. Rund um das Raiffeisenlagerhaus boten Selbstvermarkter von "land&gut" ein Programm an. Der Traditionshandarbeit Klöppeln waren im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) Ausstellungen gewidmet.

HintergrundVor 700 Jahren wurde Kaiser Karl IV. (1316 bis 1378) in Prag geboren. Zu diesem Geburtstag veranstalten der Freistaat Bayern und Tschechien eine gemeinsame Landesausstellung: In Prag und in Nürnberg werden Leben und Wirken des bedeutendsten Herrschers des ausgehenden Mittelalters gezeigt. Das Haus der Bayrischen Geschichte in Nürnberg hat das Schönseer CeBB mit der Koordinierung des Begleitprogramms beauftragt, das einen Katalog von über 300 Veranstaltungen zusammengestellt hat. Ein Programmpunkt war das Projekt "Karl IV. zieht beim Kunsthandwerkermarkt ein". (weu)

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Weitere Informationen:

www.bbkult.net
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