Tierische Störfaktoren
"Königlich Bayerisches Amtsgericht" tagt im CeBB

Eine zertrümmerte Drehorgel war Gegenstand einer Gerichtsverhandlung nach dem Schema der Fernsehserie "Königlich Bayerisches Amtsgericht". Den Schauspielern gelang es, die originellen Charaktere in der Episode "Das Bienenhaus" glaubwürdig zu verkörpern. Bilder: mmj (2)
Vermischtes
Schönsee
12.02.2016
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Ganz nah an die Reihen der Zuschauer wagte sich Professor Radlinger (Herbert Spichtinger).

"Mein Herz, das ist ein Bienenhaus": ein gerne gesunges Lied, - aber Schmiedemeister Thomas Huber reagiert darauf äußerst ungehalten. Die Angelegenheit muss sogar vor dem "Königlich Bayerischen Amtsgericht" geklärt werden.

Dass Mitwirkende bei den Freilichtspielen am Eulenberg nicht nur dort ihre schauspielerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen können, bewiesen sie in der Gewölbehalle des Centrums Bavaria Bohemia. Dort hatte der Pascherverein Schönseer Land zu einem Stück aus der Reihe des "Königlich Bayerischen Amtsgerichts" eingeladen.

Zusatz-Vorstellung


Geplant war zunächst nur eine Aufführung, aber aufgrund der großen Nachfrage traten die Spieler ein zweites Mal vor das Publikum. Das Stück aus der Fernseh-Kultserie der 70er Jahre ergänzten die Altmusikanten aus Dietersdorf, die die dazugehörende Erkennungsmelodie kurzfristig in ihr Repertoire aufnahmen.

Ein überdimensionales Bild von Prinzregent Luitpold an der Wand, der Tisch des Amtsrichters und die Zeugenbank aus dem ehemaligen Gerichtssaal des Amtsgerichts Oberviechtach, eine Kläger- und Beklagtenbank gehörten zum Bühnenbild. Die stattliche Gewölbehalle war geradezu ein idealer Ort für eine Gerichtsverhandlung, die an die oft erwähnte gute alte Zeit erinnerte. "Ob Freispruch oder Zuchthaus - auf die Guilottin' hat der Herr Rat eh niemand geschickt" - und so war es auch bei dieser Verhandlung, in der es um die Folgen des mit der Drehorgel intonierten Liedes "Mein Herz, das ist ein Bienenhaus" ging.

Diagnose gefragt


Geklagt hatte Ludwig Ingerl (Sebastian Betz): Der Schmiedemeister Thomas Huber (Josef Wirnshofer) habe seinen Leierkasten demoliert. Damit hatte sich nun der "Herr Rat" (Ludwig Zwick) bei diesem Termin zu befassen. Treuherzig beschwor Ingerl immer wieder, wie wertvoll ihm dieses Stück gewesen sei und forderte Schadenersatz. Der Angeklagte wollte aber die Sache anderweitig aus der Welt schaffen und eine öffentliche Verhandlung vermeiden. Aufmerksam verfolgte Gerichtsschreiber (Gerhard Treiber) die Äußerungen von Irrenanstaltsleiter Professor Radlinger (Herbert Spichtinger), den der Wachtmeister (Andreas Ebnet) als ersten Zeugen in den Saal holte. Wort- und gestenreich hatte der Professor aus seinem Lehrbuch Gründe für das Verhalten des Angeklagten parat. Immer wieder hinterfragte der Amtsgerichtsrat, warum ausgerechnet das Lied vom Bienenhaus Anlass für die Demolierung des Leierkastens war. Dazu gab es auch vom Dürrlinger Bürgermeister Kottmaier (Johannes Gillitzer) nur wenige, aber hintergründige Anmerkungen.

Die Baderin (Sabine Meindl), eine Witwe, wollte zur Aufklärung des Falles beitragen, war aber als Zeugin nicht geladen und wurde deshalb vom Richter mit Androhung einer Ordnungsstrafe mehrmals aus dem Gerichtssaal verwiesen. Licht ins Dunkel brachte als Zeugin Pfarrhaushälterin Ursula Attenberger (Maria Hammerer), die sehr "bildlich" dem hohen Gericht die Sache darlegte.

Der Schmiedemeister hatte demnach mit der jungen Magd Monika Gruber (Magdalena Höcherl) eine außereheliche Affäre. Gestört wurden sie dabei von den über 100 000 Bienen des Herrn Pfarrer: Die Bienen setzten beiden recht schmerzhaft zu. Hubers Ehefrau (Birgit Höcherl) verzieh ihrem Mann diesen Fehltritt, und die junge Magd versprach dem Gericht, dass so etwas nicht mehr passiert.

Hintermänner erkannt


Nachdem sich bei der Verhandlung herausstellte, dass den Dürrlinger Schlitzohren dieses Vorkommnis bekannt war und sie den Musikanten Ingerl aufgefordert hatten, dem Schmied besagtes Bienenhaus-Lied vorzuspielen, fiel das salomonische Urteil dahingehend aus, dass Ingerl Schadenersatz von Bürgermeister Kottmaier und seinen Stammtischfreunden bekommen sollte.
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