Verein übernimmt kleine Dienste, wenn Verwandte und Fraunde weit weg sind
Ein Nachbar für alle Fälle

Hermann Wallisch gehört zu dem 20-köpfigen Helferkreis, der im Verein "Nachbarschaftshilfe Schönseer Land" für Menschen da ist, die nicht auf Verwandte oder Freunde um die Ecke bauen können. In dem kleinen Büro im Hutscherhaus laufen die Fäden für die Hilfsangebote zusammen, der große Wandkalender zeigt auf, wer zuständig ist. Bild: Bugl
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Schönsee
22.02.2016
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Eigentlich wollte die ältere Dame mit dem Rad zum Arzt fahren. Doch an diesem Morgen liegt Schnee, die Straßen sind glatt, Verwandte und Kinder weit weg. Ein Nachbar, der ihr jetzt helfen könnte, muss nicht immer direkt nebenan wohnen.

Gerade mal eine Stunde Vorlauf hatte Hermann Wallisch, um für die betagte Patientin in letzter Minute noch ein Taxi aufzutreiben. Der Polizist im Ruhestand engagiert sich im Verein "Nachbarschaftshilfe Schönseer Land". "So kurzfristig ist das schon manchmal schwierig", räumt er ein - und freut sich doch über jeden Fall, in dem er helfen kann.

Wallisch ist einer von mehreren Helfern, die in dem vor zwei Jahren ins Leben gerufenen Verein kleine Dienstleistungen koordinieren. "Von Mensch zu Mensch, von Ort zu Ort", so das Motto der Nachbarschaftshilfe, die jeden Mittwoch von 16 bis 17 Uhr auch eine Sprechstunde im Hutscherhaus (Kirchstraße 14) anbietet.

Mit Spezialisten


Einfache Gartenarbeiten, Schneeräumen, kleine Reparaturen, vor allem aber Fahrdienste erledigen die Mitglieder - oder sie helfen beim Umgang mit Behörden. "Einer hat Ärger mit einem Mieter, ein anderer will eine Rechtssache abklären oder hat Probleme mit einem Amt", berichtet Wallisch, der zusammen mit Andreas und Betty Wirnshofer die Hilfe in Schönsee koordiniert. Etwa 20 Personen gehören zum Helferteam mit Spezialgebieten bis hin zu Computerwissen.

"In der Regel sind es ältere Leute, die niemand haben, der ihnen sonst helfen könnte", erzählt der Helfer, der auch selbst schon manche Einkaufsfahrt mit dankbaren Bürgern hinter sich hat. "Da langt man schon mal mit hin und schleppt selbst einen Kasten Bier", sagt der 74-Jährige. Und wenn er selbst überfordert ist? "Dann versucht man eben, einen Weg zu finden zu den richtigen Anlaufstellen."

Nur für Notfälle


Vor allem wenn der Aufwand größer ist, beispielsweise bei einer Fahrt ins Krankenhaus mit längerer Wartezeit, ist ein Spende gerngesehen. "Die Leute sind selber so vernünftig und geben in solchen Fällen schon mal 20 Euro", berichtet Wallisch. Die Helfer achten aber auch darauf, nur in Notfällen aktiv zu werden. "Für Gartenarbeit gibt es ja auch Unternehmen, denen wollen wir nicht die Arbeit wegnehmen."

Und der Lohn für die Helfer? "Null", verkündet der 74-Jährige und lacht dabei, "alles ehrenamtlich, da ist nichts zu holen". Lediglich in reicheren Gemeinden gebe es für solche Dienste schon mal eine Pauschale zur Vergütung. Was motiviert ihn dann, seine Freizeit zu opfern? Als Polizist habe er sich immer besonders wohl gefühlt in der Rolle des "Freund und Helfers", überlegt Wallisch und fügt hinzu: "Ich halte es da mit den Pfadfindern: jeden Tag eine gute Tat."

Hilfsangebote"Wir sind für Sie da", heißt es in der Broschüre, die das Angebot der Nachbarschaftshilfe auflistet: für Gespräche, beim Spazierengehen, zum Vorlesen oder als Begleitung zu Kirche, Friedhof, Treffen oder Einkaufen.

Der Verein bietet Hilfe bei einfachen Gartenarbeiten, Schneeräumen, Müllabfuhr, Reparaturen oder Behördengängen. Er vermittelt einen Hausmeisterservice, Haushaltshilfen oder Adressen für Beratungsstellen. Vorsitzende des Vereins ist Sonja Toleikis. Wer Hilfe braucht, kann sich an die Koordinatoren wenden. Für Schönsee sind das Andreas und Betty Wirnshofer (Telefon 09674/1382) und Hermann Wallisch (09674/426). Den Raum Stadlern betreut Elisabeth Eberhardt (Telefon 09674/9258630), für Weiding ist Manfred Dirscherl (Telefon 09674/468 oder 9240045) zuständig. (bl)
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