Verwaltung warnt vor dubiosen "Gewerbemeldungen"
Dreiste Masche auf edlem Papier

Name, Adresse und Telefonnummer waren schon ausgefüllt in dem Schreiben, das der Schönseer Stadtrat Andreas Kulzer vor kurzem erhalten hat. Als Frist stand dort der 24. Juni, und der Briefkopf enthielt neben einem Adler-Logo auch den Hinweis auf die Stadt. Die Krux enthüllte erst das Kleingedruckte. Bild: Bugl
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Schönsee
18.06.2016
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Name, Adresse und Telefonnummer waren schon ausgefüllt in dem Schreiben, das der Schönseer Stadtrat Andreas Kulzer vor kurzem erhalten hat. Als Frist stand dort der 24. Juni, und der Briefkopf enthielt neben einem Adler-Logo auch den Hinweis auf die Stadt. Die Krux enthüllte erst das Kleingedruckte. Bild: Bugl

Das Schreiben mit dem Adler im Briefkopf kam per Post, Formular-Vordruck inklusive. "Schoensee" und "Gewerbemeldung" las der Schönseer Stadtrat Andreas Kulzer. Trotzdem schöpfte er Verdacht.

/Neunburg. "Ich bin doch Landwirt und hab eigentlich nur durch meine PV-Anlage ein Gewerbe", wunderte sich der Schönseer Stadtrat und machte Verwaltungsleiter Matthias Jeitner auf das Schreiben aufmerksam. Immerhin stand da ganz groß "Schoensee" auf dem Briefbogen. "Die Aufmachung erweckt den Eindruck, dass es sich um ein offizielles Schreiben handelt, dem man antworten muss", stellte der fest. "Es ist aber ein rein privates Angebot, das nichts mit dem Gewerbeamt zu tun hat."

Über 1000 Euro


Und dieses Angebot ist nicht ganz billig: "Der Preis für das Leistungspaket beträgt 348 Euro netto zuzüglich Umsatzsteuer pro Jahr", heißt es da im Kleingedruckten, und eine Zeile weiter oben steht, dass durch die Unterzeichnung das Leistungspaket für drei Jahre verbindlich bestellt wird - das macht pro Kunde über 1000 Euro.

Um vor der dubiosen Firma zu warnen, hat Jeitner das Schreiben nicht nur an die Polizei weitergeleitet, sondern auch die Tageszeitung "Der neue Tag" gebeten, weitere Adressaten zu sensibilisieren. "Das Schreiben erweckt tatsächlich amtlichen Charakter", sagt auch der Leiter der Oberviechtacher Polizeiinspektion, Robert Feuerer. Er kennt eine ganze Reihe von Fällen, in denen Gewerbetreibende mit solchen Briefen zu einem Eintrag in ein Gewerberegister verlockt werden sollten. "Aber das hier ist offensichtlich eine neue Masche", stellt er fest und meint damit den vertrauenserweckenden Zusatz, der auf die Stadt Schönsee verweist. Und dann auch noch die Adresse: "Gerichtsweg 2" in Leipzig. "Wahrscheinlich erfunden", mutmaßt Feuerer. "Ob es sich dabei um versuchten Betrug handelt, das müsste allerdings erst die Staatsanwaltschaft abklären", betont der PI-Chef und rechnet damit, dass die Urheber auf jeden Fall "gut verschachtelt" sind. "Wer hier schnell unterschreibt, wird da nicht so leicht rauskommen", warnt er.

Das kann der Neunburger Stadtrat Anton Scherr bestätigen. Er hat als Landwirt auch so ein Schreiben erhalten, in dem Name, Adresse und Telefonnummer schon sauber ausgefüllt waren, hat unterschrieben und erst spät das Kleingedruckte bemerkt.

"Große Lumperei"


"Eine große Lumperei ist das", schimpft Scherr. "Das Kuvert sah aus wie vom Finanzamt." Der Neunburger Stadtrat schaltete einen Rechtsanwalt ein, um seine Einwilligung zu widerrufen, doch "kostenfrei" kam er aus der Sache nicht mehr heraus. Mit dem Anwalt der dubiosen Firma habe man schließlich einen Kompromiss gefunden, sagt Scherr.

Sein Name ist unter der Rubrik "Landwirtschaft" tatsächlich auf der Homepage "Schoensee.Gewerbe-meldung.de" aufgeführt, in einem schön geordneten "Öffentlichen Gewerbeverzeichnis" mit angeblich "ca. 5,5 Mio. Einträgen" - gleich unter einer Statue der Justitia vor leuchtend blauem Hintergrund. Scherr hat trotzdem nur einen Rat für alle, die eine ähnliche Post erhalten: "Wegwerfen!"
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