Vom Schmerz der Vertreibung

Vor dem einzigen noch stehenden Haus in Bügellohe erfahren die Besucher vom Leben in dieser ehemaligen Ansiedlung. Maria Hammerer (Mitte) schlüpft dazu in die Rolle der Maria Wachter, die hier gelebt hat. Bild: mhö
Vermischtes
Schönsee
15.08.2016
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Die Heimat ist in Sichtweite, aber erreichbar ist sie nicht: Maria Wachter wusste, wie sich so etwas anfühlt. An ihren Erinnerungen können jetzt bei einer szenischen Führung auch andere teilhaben, die dieses Kapitel der Geschichte nicht miterlebt haben.

"Das verlassene Dorf Bügellohe - Erinnerungsort mit Dokumentation" - Zu lesen auf einer Informationstafel, am letzten noch stehenden Haus der vor 70 Jahren entstandenen Siedlung. In einer kleinen Lichtung, nur wenige Meter von der Grenze zu Tschechien und vor dem Verfall bewahrt, erinnert der Bruchsteinbau als Zeitzeuge an die Situation der Bewohner, an Flucht und Vertreibung nach dem zweiten Weltkrieg. Die anderen Gebäude sind in den vergangenen Jahrzehnten verfallen, die Natur hat sie sich zurückgeholt.

Aber die Erinnerung an das Leben in diesem kargen Landstrich wird wachgehalten. Beim Besuch des Freilichtspiels "Pascher - die Nacht der langen Schatten" im August 2009 war Maria Wachter ( verstorben 2011), eine ehemalige Bewohnerin von Wenzelsdorf und Bügellohe, unter den Zuschauern.

Sie war beeindruckt von dem Stück, vieles aus ihrem Leben sei in den zwei Stunden wieder geweckt worden, erinnert sich Paschervereinsvorsitzende Birgit Höcherl an das Gespräch mit der Seniorin am Eulenberg. Damals entstand bei Höcherl der Gedanke, diese Geschichte in eine gespielte Szene vor der Kulisse des noch erhaltenen Hauses in Bügellohe umzusetzen.

Zwei Jahre später, wenige Wochen vor ihrem Tod, erzählte Maria Wachter Pascherspiel-Regisseur Martin Winklbauer und Birgit Höcherl vom Leben in Wenzelsdorf und Bügellohe. Winklbauer realisierte auf Papier die Idee mit der Aufführung in Bügellohe, und seit 2012 schlüpft Maria Hammerer vor dem "Fleischhackerhaus" in die Rolle von Maria Wachter. Interessiert verfolgen dabei die Zuhörer die authentisch vorgetragenen Erlebnisse an der Grenze, die sich mancher nicht mehr vorstellen kann oder möchte.

Immer wieder kommen Besuchergruppen zur Bügellohe und machen sich Gedanken, wie der Alltag der Bewohner dort abgelaufen sein mag. In der gespielten Szene erhält man davon einen Eindruck, aber auch einen Anstoß zum Nachdenken. Buchungen dazu können in der Touristinformation Schönsee im Centrum Bavaria Bohemia, Telefon 09674/317, vorgenommen werden.

Als Teil des Ferienprogramms der Stadt bietet der Obst- und Gartenbauvereins am Mittwoch, 17. August, eine Wanderung zur Bügellohe. Treffpunkt ist um 14 Uhr beim Parkplatz am "Vierziger" zwischen Dietersdorf und Stadlern. Die Kinder dürfen dazu gerne ihre Eltern und Großeltern mitnehmen.
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