Vor 60 Jahren verwüstete ein verheerendes Hochwasser den Raum Schönsee
Flut spült ganze Gebäude weg

Den heranbrausenden Wassermassen hielt die Aschabrücke bei der Mollermühle im Muggenthal nicht stand. Bis die Schäden wieder behoben waren dauerte es - eine Behelfsbrücke musste lange Zeit für den verkehrsmäßigen Anschluss sorgen. Bild: gl
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Schönsee
12.07.2016
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Verwüstungen im Rosenthal: Das sogenannte Verschlhaus, eine Glasschleife, wurde von den Wassermassen unterspült und stürzte ein. Bild: gl

Die brodelnden Wasser zerstörten Felder, brachten Brücken und ganze Gebäude zum Einsturz, und spülten Straßen weg: 60 Jahre ist es heuer her, dass am 14. Juli 1956 die Ascha bei einem heftigen Gewitterregen über die Ufer trat und große Verwüstungen im Raum Schönsee anrichtete.

Die Klimakapriolen in diesem Jahr wecken die Erinnerungen an das schlimme Unwetter, das vor 60 Jahren immense Schäden verursacht hatte. An jenem 14. Juli 1956, einem Samstag, verwüsteten Wassermassen bei einem wolkenbruchartigen Gewitterregen nicht nur Straßen und Brücken, sondern auch Gebäude, und zerstörten die Feldfrüchte.

Abbruchreife Ruinen


Zwischen Schönsee und Gaisthal trat die Ascha über die Ufer, fast nichts widerstand der Flut: Die Brücke im Muggenthal war nicht mehr befahrbar, im Ortsteil Rosenthal blieben von den Gebäuden und Glasschleifen nur noch abbruchreife Ruinen übrig. In Schönsee brachen die Uferböschungen am Köcken- und Hahnenweiher, Gerätschaften und Fahrzeuge, Holz- und Bretterstöße wurden weit flussabwärts gespült. Auch einige Hühnerställe wurden vom Wasser mitgerissen und etliche Höfe und Gebäude überflutet. Tiefe Gräben hatten viele Zufahrten unpassierbar gemacht.

Auch in Weiding ließen die Wassermassen tiefe Gräben zurück. Glücklicherweise gab es aber keinen Personenschaden, auch alle Tiere konnten gerettet werden. Die Beseitigung der lange sichtbaren Schäden, insbesondere an der demolierten Straßenbrücke im Muggenthal, dauerte Jahre. Viele Menschen waren persönlich betroffen, insbesondere in der Landwirtschaft, denn viele Felder waren durch die Fluten überspült und die Früchte beschädigt worden.

Ein ähnliches Unglück hatte sich bereits 55 Jahre zuvor ereignet: Am 1. August 1901, so ist dem damaligen Bezirks-Amtsblatt zu entnehmen, zog ein Gewitter über Schönsee und Umgebung hinweg. "Drei volle Stunden folgte Blitz auf Blitz, Donner auf Donner" und wolkenbruchartiger Regen folgte. Eine riesige "Wasserfluth" ergoss sich über Schönsee, Dämme der Weiher brachen und zwei Brücken wurden abgerissen.

Flucht auf Fensterbretter


"Auf dem Wasser kamen Geflügel, Holz, Zäune, Wägen, Bäume, Fässer u.s.w. daher", heißt es im Bericht weiter. Wohnungen wurden überflutet, Möbel vom Wasser mitgenommen und die Bewohner mussten sich auf die Fensterbretter flüchten und abwarten bis die Fluten sanken.

Um künftig vor solchen Naturkatastrophen verschont zu bleiben, führte die Landbevölkerung daraufhin einen "gelobten Feiertag" ein: Alljährlich am "Alexitag" (17. Juli) wurde in der Pfarrei um gutes Wetter und Schutz vor den Naturgewalten gebetet. Allerdings war dieser Tag mit der Zeit in Vergessenheit geraten und abgeschafft worden. Nach dem schweren Unwetter vor 60 Jahren wurde der "Alexitag" aber wieder eingeführt. Wegen der rückläufigen Bedeutung der Landwirtschaft in der Pfarrgemeinde ist davon mittlerweile eine "Gelöbnisprozession" geblieben, die sich jährlich von der Pfarrkirche zur Vierzehnnothelferkapelle bewegt.

Dieser Brauch lebt am Sonntag, 17. Juli, um 9.30 Uhr wieder auf. Im Anschluss findet um 10 Uhr ein feierlicher Gottesdienst in der Pfarrkirche Sankt Wenzeslaus statt, der vom Kirchenchor umrahmt wird.

Drei volle Stunden folgte Blitz auf Blitz, Donner auf Donner.Aus dem Bericht des Bezirks-Amtsblatts über den 1. August 1901
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