Soldat ändert Fahrschein ab
Schwachsinn, diese Fälschung

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Schwandorf in der Oberpfalz
10.03.2016
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Staatsanwalt und Richter schüttelten ungläubig den Kopf und sagten nur ein Wort: "Schwachsinn!" Vor ihnen saß ein junger Bundeswehrsoldat, der auf ebenso dilletantische wie auch wenig erklärbare Weise einen DB-Fahrausweis gefälscht hatte.

Die "Bundeswehr ist mein Ding", hörte der Schwandorfer Jugendrichter Hans-Peter Weiß. Mit anderen Worten: Bei der Bundeswehr gefällt es einem 20-Jährigen aus dem nördlichen Teil der Republik. Er dient gerne bei seiner Einheit im Kreis Schwandorf und hat zwischenzeitlich auch Wohnsitz an seinem Standort genommen. Nun wurde der junge Mann vor die Justiz zitiert. Man hielt ihm Urkundenfälschung vor und er räumte sie auch sofort ein. Aus den Akten holte der Jugendrichter einen Fahrausweis, der so offenkundig per Hand abgeändert worden war, dass es sofort auffallen musste. Und es fiel dann auch auf. Hintergrund: Der 20-Jährige war zunächst Wehrdienstleistender. Deswegen bekam er einen Ausweis zur kostenfreien Benutzung der Deutschen Bahn.

Nur eine Zahl


Das Dokument berechtigte ihn zum Heimfahrten an seinen angestammten Wohnort. Diesen Ausweis aber hätte es, wie von dem 20-Jährigen ins Auge gefasst, bei der bevorstehenden Verpflichtung als Zeitsoldat wohl nicht mehr gegeben. Also ging er her und schrieb über die "5" im Gültigkeitsjahr 2015 eine große "6". Eine Verlängerung also, wenn man so will, von eigenen Gnaden. Höchst auffällig und deshalb auch sofort von einem Bahnkontrolleur entdeckt.

Er zog den Ausweis ein, später musste der Soldat 95 Euro für die Beförderung zahlen. Das wäre für ihn sicher noch verschmerzbar gewesen. Doch mit der Aufdeckung seines eigenmächtigen Handelns war gewissermaßen eine Lawine losgetreten worden. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen Urkundenfälschung ein. Auch die Bundeswehr reagierte. Sie schritt zu Disziplinarmaßnahmen und legte die anstehende Beförderung des jungen Mannes auf Eis. Sie will erst den Ausgang des Verfahrens abwarten und erfährt jetzt von der Schwandorfer Justiz, dass die Ausweisfälschung natürlich strafbar war.

690 Euro Strafe


Staatsanwalt Jan Prokoph würdigte das Geständnis des Angeklagten und hielt strengeres Vorgehen für nicht notwendig. Prokoph beantragte 700 Euro Geldstrafe und blieb damit genau um 10 Euro über dem Urteil des Jugendrichters. Hans-Peter Weiß verhängte 690 Euro und begründete: "Ich möchte, dass Sie drei Raten zu jeweils 230 Euro an die Spitalstiftung Neunburg vorm Wald zahlen." 690 Euro also. Der Soldat akzeptierte die Entscheidung noch im Gerichtssaal.
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