Charakterisierungen im Dialekt
Zuserln, Loimsejder und Soderer

Dieses männliche Kind wäre als Lausbub durchaus treffend charakterisiert, doch viel schöner ist die Bezeichnung Fãnkerl, denn sie drückt auch Verschmitztheit aus. Liebenswert ist der Kleine so oder so. Bild: Hartl
Freizeit
Schwandorf
09.04.2016
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Der Bereich der Personencharakterisierung ist einer der zentralen Schwerpunkte des dialektalen Wortschatzes. Der Grund ist wohl darin zu suchen, dass die Gemeinwesen auf dem Land in früheren Zeiten kleinräumige, in sich geschlossene Mikrokosmen ohne große Fluktuation bildeten, in denen eine große Vertrautheit untereinander herrschte und sich die Kommunikation auf wenige, sehr konkrete Themenfelder erstreckte.

Diese waren hauptsächlich das bäuerliche Lebensumfeld und die zwischenmenschliche Interaktion. Letztere umfasste alle Facetten bezüglich des Wesens und des Erscheinungsbildes eines Menschen, sei es Mann, Frau oder Kind. Nicht selten sind die spezifisch dialektalen Ausdrücke von einer derb-abwertenden Konnotation geprägt. Ein "Klassiker" ist zum Beispiel Gloiffl. Damit wird ein ungehobelter, unverschämter, grober Kerl bezeichnet. Die Herkunft des Wortes ist nicht vollständig gesichert, wobei die sehr oft angeführte Erklärung, es habe mit dem Geschlecht der Agilolfinger zu tun, vollends der Grundlage entbehrt.

Anders ist es dagegen etwa bei Goschnrejerer (= Schwätzer), Graousgoscherter (= Angeber) und Schejschauer (= jemand, der sich scheinheilig Liebkind macht), zu denen auch weibliche Formen existieren. Hier geben die einzelnen Komponenten einen eindeutigen Hinweis auf die Bedeutung.

Wörter wie Holbdàckl (= einfältige Person), Holweechlauerer (= hintertriebene Person), Lädschnbene und Loimsejder (= träge Person) sowie Lãnte (= zwielichtige Person) Samstingl (= älterer Junggeselle) Sufniegl (= Säufer) und Wampl (= beleibte Person) wiederum sind nur für das männliche Geschlecht "reserviert". Bei Waiwerer (= Weiberheld) ist der Sachverhalt von Haus aus klar, und als Germwawl (= geschwätziger Mensch) kann man sowohl einen Mann als auch eine Frau titulieren.

Bei den folgenden Bezeichnungen schwingt, in unterschiedlicher Verwendung, was das Geschlecht betrifft, erneut der Aspekt der Einfalt mit: Bodsche/Bodscherl, Hädschhädsch und Drampl. Bei Gogerer/Gogern und Soderer/Sodern (jeweils männlich/weiblich) steht das (ständige bzw. nörgelnde) Reden im Vordergrund, während Stäffl und Stäftn das unhöfliche Verhalten einer männlichen Person wiedergeben.

In Bezug auf weibliche Vertreter erweist sich der Dialekt als besonders ausdrucksstark und bildhaft. Typische Belege dafür sind (in Klammern das jeweilige Charakteristikum): Biesgurkn (zänkisch), Bülstn (unangenehm), Gooch (derb-polternd), Hewergoas (ständig kichernd), Holawolka (unvorteilhaft gekleidet), Schmàderbàsl (geschwätzig), Schupfahäx (unvorteilhaft gekleidet), Zuchtl (charakterlich nicht einwandfrei; nicht reinlich, schlampig) und Zwiederwurzn (übellaunig).

Bei der Bezeichnung von Kindern mit den einschlägigen Attributen wird gerne die Verkleinerungsform verwendet. Die aufgeführten Beispiele spiegeln ein Verhalten wider, das durch Verschmitztheit (Fãnkerl; männlich), Ungeschicktheit (männlich: Röllerl, weiblich: Zuserl) und Ungezogenheit (Scheppl; weiblich) geprägt ist. Um sehr "plastische" Wörter handelt es sich bei Besn und Gassnbesn, bei denen die Umtriebigkeit von Mädchen mit der Metapher des Besens, der auch ständig in Bewegung ist, beschrieben wird. Somit erweist sich der Dialekt auch auf dem geschilderten Gebiet einmal mehr als eine Sprachvarietät des Deutschen mit einer starken Expressivität, Klangfülle und Bedeutungsvielfalt.
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