10. Schwandorfer Klaavierfrühling
Abende für ein neugieriges Publikum

Kultur
Schwandorf
27.02.2016
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Zehn Jahre ist es her, dass Kurt Seibert, emeritierter Professor für Klavier und Kammermusik an der Hochschule für Künste in Bremen, das kleine Klavierfestival Schwandorfer Klavierfrühlings" im Oberpfälzer Künstlerhaus gründete. Markenzeichen sind Programme abseits von Kommerz und Mainstream.

"Hier muss ja nicht der Mainstream bedient werden!", erzählt Prof. Kurt Seibert über das Erfolgsrezept des "Schwandorfer Klavierfrühlings" (6. bis 13. März). Die Kulturredaktion sprach mit Seibert über das Thema des Klassikfestivals

Herr Seibert, wenn Sie an die Anfänge des "Schwandorfer Klavierfrühlings" zurückdenken, wie hat sich das Klavierfestival seitdem entwickelt?

Kurt Seibert: Ich habe es immer schon als meine Aufgabe betrachtet, meinen Studenten nicht nur ein konkurrenzfähiges Klavierspiel zu vermitteln. So wichtig diese "Trainerrolle" auch ist, diese erworbenen, eher "sportlichen" Fähigkeiten dürfen nicht zum Selbstzweck werden. Aus diesem Grund habe ich in der Pianistenausbildung schon immer einen interdisziplinären Ansatz vertreten.

Und nun zum "Schwandorfer Klavierfrühling" ...

Seibert: Nun, der Klavierfrühling war ursprünglich ein solches interdisziplinäres Projekt mit Meisterkursen, Konzerten und Seminaren, gestaltet von Schülern meiner Klavierklasse und geladenen Gästen. Anfangs ein Geheimtipp für Klavierfreunde, mittlerweile ist daraus ein angesehenes Festival geworden, das aber immer seiner interdisziplinären Ausrichtung treu geblieben ist.

In diesem Jahr steht Robert Schumann im Mittelpunkt interdisziplinärer, sprich fächerübergreifender Betrachtung. Keiner scheint sich hierfür besser zu eignen ...

Seibert: In der Tat, die "Einheit der Künste" war für ihn, den hochgebildeten Sohn eines Zwickauer Verlegers, geradezu selbstverständlich. Schumann war Komponist, Schriftsteller und Herausgeber einer Musikzeitschrift. In seinen Werken finden sich viele Querverbindungen zu Literatur und bildender Kunst. Die Beschäftigung mit seiner Musik ist immer auch die Beschäftigung mit der Kultur des frühen 19. Jahrhunderts.

Beim Eröffnungskonzert spielen Sie neben der bekannten "Kreisleriana" auch Schumanns "Kinderszenen" und die "Waldszenen". Werke, die im Konzertsaal kaum mehr zu hören sind ...

Seibert: Es ist wohl so, dass diese Musik für das heutige Publikum einfach nicht "wirkungsvoll" genug ist. Sie eignet sich nicht für die großen Säle und schon gar nicht als Wettbewerbsliteratur. Allerdings wird jeder, der sich mit dieser Musik beschäftigt, so schnell nicht wieder davon loskommen. Aber gerade dafür ist ja der "Schwandorfer Klavierfrühling" da, hier muss ja nicht der Mainstream bedient werden!

So gar nicht "Mainstream" ist auch das Gesprächskonzert am Donnerstagabend, das sich ausschließlich mit Schumanns "Album für die Jugend" befasst.

Seibert: Die Stücke dieser Sammlung erzählen von der Erlebniswelt eines bürgerlichen Kindes der Biedermeierzeit. Bekannt sind "Wilder Reiter" oder "Der fröhliche Landmann", einst Pflichtstücke im Klavierunterricht. Vieles trägt aber auch autobiografische Züge. Eine wunderschöne Sammlung, die aber öffentlich so gut wie nie zur Aufführung kommt.

Neu ist in diesem Jahr ein Kinderkonzert ...

Seibert: Ein Versuch, auch ein junges Publikum für den Klavierfrühling zu interessieren. Schumanns "Carnaval" mit seinen vielen Masken und Figuren steht hier im Mittelpunkt.

An welches Publikum richten sich die drei Interpretationsseminare?

Seibert: Diese Veranstaltungen sind das eigentliche Herzstück des "Schwandorfer Klavierfrühlings". In Gesprächen und Erläuterungen sollen die aufgeführten Werke auch im Kontext ihrer Zeit und ihrer Rezeptionsgeschichte vorgestellt werden. Diese Abende richten sich an ein interessiertes und neugieriges Publikum, der Eintritt ist übrigens frei.

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Karten und weitere Informationen:

www.oberpfaelzer-kuenstlerhaus.de
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