10. Schwandorfer Klavierfrühling
Wenn der Sohn bei "Schumann" übernimmt

Vater Kurt und Sohn Christian eröffneten im Oberpfälzer Künstlerhaus den "Schwandorfer Klavierfrühling". Da der Senior aus gesundheitlichen Gründen verhindert war, sprang der Junior am Klavier ein. Bild: Tietz
Kultur
Schwandorf
08.03.2016
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Mit einer schlechten Nachricht beginnt der "Schwandorfer Klavierfrühling" im Oberpfälzer Künstlerhaus: Prof. Kurt Seibert leidet an einer Sehnenscheiden-Entzündung und kann das Eröffnungskonzert "Hommage an Robert Schumann" nicht spielen. Wie gut, dass sein Sohn Christian Pianist ist und einspringen kann.

Als "Eine neue poetische Zeit ..." ist die Jubiläumswoche angekündigt und widmet sich den Gedankengängen, die Schumann als Förderer des Musiklebens seiner Zeit ausweisen. 1834 begründete er die "Neue Zeitschrift für Musik" und gilt bis heute als weltberühmter Vertreter des romantischen Musikstils, der vielen seiner Klavierwerke Überschriften gab, die den Charakter des Stückes kennzeichnen. So hat auch "Carnaval" op 9 mit dem Untertitel "Scènes mignonnes sur quatre notes" (Niedliche Szenen über vier Noten) über jedem der 22 kurzen Stücke eine Überschrift, die näher darauf hinweist, worüber die Musik handelt.

Einführung ins Klavierwerk


Sohn Christian Seibert springt für seinen Vater ein und spielt das eigentlich für den Mittwoch vorgesehene Programm der Eröffnung der Musikwoche. Kurt Seibert, dessen linke Hand, die wie üblich die empfindlichere ist, zur Zeit nicht dem Klavierspiel gewachsen ist, führt in Robert Schumanns Klavierwerk op 9 ein. Die Tonfolge "a - es - c - h" bildet den motivischen Zusammenhalt der einzelnen Sequenzen. Die böhmische Stadt Asch ist der Geburtsort von der jungen Ernestine von Fricken, mit der Schumann bei der Komposition 1834/35 verlobt war. Dann interpretiert Christian Seibert die einzelnen Charakterstücke. Er beginnt mit "Préambule", worin Schumann unterschiedliche Facetten seiner Tongestaltung zeigt, die sich in der Sammlung verschiedener Charaktere und Stimmungen fortsetzt. So der "Pierrot" mit Fußfehler, der sich in einem ständig gleichen Forte-Einschub bemerkbar macht oder der "Arlequin" als hüpfender Oktaven- Witzbold inmitten des Versuchs einer Melodie.

Sensibles Spiel


"Pantalon et Colombine" diskutieren miteinander, wobei er höchstens einige Einwürfe in ihren Redeschwall voller Sechzehntel einfügen kann. Auch die weiteren Figuren erfüllen mit ihrer Charakterzeichnung die Idee der Individualität von Personen. Dass der Pianist sorgsam darauf achtet, die verschiedenen Stimmungen, die Schumann diesem Werk angedeihen lässt, mit sensiblem Spiel herauszuarbeiten, ist bei Christian Seibert eine Selbstverständlichkeit. Wobei sich seine Sensibilität nicht in der Darstellung von elegischen Melodie - Momenten erschöpft, sondern ebenso stimmig stürmische Konflikte behandelt.

Der "Schwandorfer Klavierfrühling" bereichert das kulturelle Leben der Stadt. Dass er in der kommenden Woche das zehnte Mal mit Abendveranstaltungen und einer sonntäglichen Schluss-Matinee stattfindet, zeigt, wie erfreulich diese Idee von Besuchern angenommen wird. Deshalb die gute Nachricht zum Schluss: Kurt Seibert hofft, den Tausch zu vervollständigen und das von ihm vorgesehene Programm zumindest auszugsweise am Mittwoch, 9. März (19 Uhr) vorzustellen. Da kann man ihm nur so viele Besucher wünschen, wie sie am Nachmittag der Eröffnung da waren.

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Weitere Informationen:

www.oberpfaelzer-kuenstlerhaus.de
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