Abdelkrim Srhiri im Künstlerhaus in Schwandorf
Sperrzone Leben

Bewaffnet mit einem großen Holzstift und Tinte macht sich Abdelkrim Srhiri ans Werk: Er will das harmonische Miteinander von Industrie und Natur zu Papier bringen. Bild: esm
Kultur
Schwandorf
12.05.2016
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Der Tod seiner Schwester war für den marokkanischen Künstler Abdelkrim Srhiri ein bitterer Schlag. Aquarellmalerei hat ihn geholfen, den Verlust zu verarbeiten. Dennoch bleibt er die treibende Kraft seiner Arbeit.

Das Austauschprojekt mit dem Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf nutzt Srhiri nun, sich neuen Themen zuzuwenden. Vor allem der Schwarzwald fasziniert den Maler. Er lebt und arbeitet in Frankreich, Wälder wie die oberpfälzischen kennt er nicht. "Sie sind so dunkel und unheimlich", übersetzt eine Dolmetscherin für ihn. In Büchern habe er Märchen gelesen, in denen immer wieder Hexen, Riesen, Zauberer und andere Fabelwesen auftauchen. "Damit soll den Menschen wohl Angst gemacht werden und sie von den Wäldern fernhalten."

Abschrecken


Das macht den Wald für ihn zu einer Sperrzone, wie es viele im Leben gibt. Viele seiner Tusch- und Aquarellbilder durchziehen deshalb rot-weiße Bänder - ein Symbol für Barrieren, auf die Menschen immer wieder stoßen. "Die Plastikschnüre werden ja meisten verwendet, um abgesperrte Bereiche wie Parkplätze zu kennzeichnen", erklärt der 55-Jährige. Die Bänder stehen für ihn aber nicht nur für räumliche Markierungen. Er verwendet sie in seinen Werken als Symbol für alles, was Menschen im Leben behindert - beispielsweise die Nationalität, die Religion oder das Geschlecht. "So ging es auch meiner Schwester, die in einer Männerdomäne und hinter dem Autosteuer angeblich nichts zu suchen hatte." Dass sie bei einem Verkehrsunfall starb, sei daher ihre Schuld gewesen.

Auch wenn er den Tod seiner Schwester inzwischen verkraftet hat, ist er immer noch eine Quelle seines künstlerischen Schaffens. Mit dem überholten Frauenbild mancher Länder beschäftigt er sich aber nach wie vor. Mit dem kommt der Diplom-Künstler nämlich nicht klar und drückt das mit seinen Bildern aus.

Im Gleichgewicht


So malt er gerne Männer, die Frauen Fès überreichen oder Frauen, die diese Kopfbedeckung tragen. "Das steht in meinem Heimatland nur den Männern zu", kritisiert er diese Tradition. Bei anderen eckt er damit oft an, lässt sich aber nicht von seinem Standpunkt abbringen.

Aktuell arbeitet Srhiri mit einem mannshohem Stift und Tinte, mit der auch marokkanische Schüler schreiben. Einerseits will er mit diesem Werk das gute Miteinander zwischen Natur und Industrie ausdrücken, welches er in Deutschland wahrnimmt. "Die Metallspitze des Stifts steht für die Industrie, der Stab aus Weidenholz für die Natur."

Auf der anderen Seite widmet er sich damit Frauen. "Die Weide ist ein typisch weiblicher Baum", erläutert er seine Gedanken dahinter. In Afrika beispielsweise bessern viele Frauen ihren Lebensunterhalt auf, indem sie Weidenkörbe flechten und verkaufen. Damit drückt er seine Achtung gegenüber diesen Frauen und ihren Überlebenskampf aus.

Inspiriert


Seine Visitenkarte ist ein Stück Papier, dass er mit Tinte beschrieben hat und sich mit einer Sicherheitsnadel an die Jacke steckt. "Damit mich jemand zurückbringen kann, falls ich mich in Schwandorf verlaufe", lacht er. Andrea Lamest, Leiterin des Oberpfälzer Künstlerhauses, freut sich über Srhiris Aufenthalt bis zum 30. Mai: "Durch die neue Umgebung bekommt er neue Impulse, gleichzeitig gibt er uns mit seiner Kreativität etwas zurück."

Zur PersonAbdelkrim Srhiri hat an der Nationalen Kunsthochschule in Tetouan (Marokko) und an der Kunsthochschule in Bordeaux (Frankreich) studiert. Mit einem Diplom in Bildender Kunst, Bildendem Ausdruck und in der Sparte Skulptur schloss er sein Studium ab. (esm)
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