Anerkennung aus der Heimat

Pia Mühlbauer mag es als echte Oberpfälzerin Schwarz-Weiß - ohne viel Tamtam. Die Künstlerin aus Cham studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München.
Kultur
Schwandorf
25.07.2015
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13 neue Arbeiten von vier Künstlern aus der Region hat der Bezirk Oberpfalz angekauft. Für wie viel Geld, bleibt ein Geheimnis. Aber so viel verraten Bezirk und Oberpfälzer Künstlerhaus: Sie sind stolz, die Werke in Schwandorf zu haben - ausgesucht von einer Jury.

Auf den Holzdielen im Dachgeschoss des Oberpfälzer Künstlerhauses steht ein rosafarbenes Dreirad. Eine Figur - weder eindeutig Mensch noch Tier - tritt in die Pedale, die Pranken am Lenkrad. Von den Hörnern und der Schnauze ziehen sich fadenartig Tropfen - alles an der Figur ist rosa. Die Farbe sieht aus wie frisch, sie glänzt, wirkt glitschig. Neben der Skulptur von Stefan Giesbert Fromberger lehnen und hängen Bilder von drei weiteren Künstlern an den Wänden: 12 Stück.

"Wir freuen uns riesig darüber, wenn jemand aus der Region künstlerisch aktiv ist", sagt Bezirkstagspräsident Franz Löffler. "Man täuscht sich, wenn man denkt, dass in der Oberpfalz Kultur weit weg ist." Mit den vier Künstlern Katja Barinsky (Regensburg), Stefan Giesbert Fromberger (Regensburg), Pia Mühlbauer (Cham) und Georg Tassev (Regensburg) beweist das Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf, wie kreativ die "Erdäpflpfalz" ist. Nicht nur die Motive sind völlig unterschiedlich, auch die Herangehensweisen und Materialien.

Wie frisch geschlüpft

Stefan Giesbert Fromberger modelliert am liebsten Science-Fiction-Figuren aus Gips und Silikon. "Ich bin mit Comics und Popkultur aufgewachsen", erzählt er. Er mag es, seine Skulpturen daran anzulehnen, aber keine Adaption zu entwickeln. Obszön soll es dabei auch sein, so wie bei seiner Skulptur für das Oberpfälzer Künstlerhaus: "Rosa ist wie frisch aus dem Ei geschlüpft, da tropft noch das Fruchtwasser", erklärt Fromberger sein Werk. Er ist sehr angetan darüber, dass seine Skulptur in Schwandorf steht. "Ich komme aus Regensburg und war in Burglengenfeld am Gymnasium", beschreibt er die Nähe zu seiner Heimat.

Mit vielen Acrylfarben hat die ebenfalls aus Regensburg stammende Künstlerin Katja Barinsky in ihren zwei Gemälden gearbeitet: "Meine Bilder entstehen spontan." Das Motiv entwickelt sich erst im Prozess. "Was einen gerade bewegt, kommt da durch", vermutet sie. "Ein Bild hat ja mit der Persönlichkeit zu tun", erklärt sie - Psychologie ist ihr Hobby. Auch wenn ihr die eigenen Bilder gefallen, will sie sich zukünftig anstrengen, hässlicher zu malen. "Ich höre oft, dass die Bilder schön sind. Das ist aber nicht mein Ziel." Sie will mit dem Betrachter kommunizieren und dazu gehört auch eine negative Seite. Gefallen müssen ihr die eigenen Bilder trotzdem.

Für Georg Tassev kann es gar nicht funktionieren, wenn dem Künstler seine Arbeit nicht gefällt: "Ich bin der erste, der dahinter stehen muss." In seine Zeichnungen nimmt er tagesaktuelle und emotionale Einflüsse auf. Für ihn sind Skizzen der kürzeste Weg vom Gehirn auf das Papier. Bei der Malerei hat der in Bulgarien geborene Regensburger mehr Zeit zum Überlegen.

Skizze als fertige Arbeit

Anders sieht das Pia Mühlbauer. Für sie sind Zeichnungen zum wesentlichen Ausdrucksmittel geworden. "Die Skizze ist für mich eine Behauptung, ein fertiges Bild und nicht nur eine Vorstufe", erklärt sie ihre sechs Arbeiten aus schwarzem Ölpastell auf Papier. Als "Oberpfälzerin durch und durch", wie sie sagt, macht sie nicht viele Worte: "Einem Oberpfälzer gefällt auch Schwarz-Weiß in aller Kürze." Zeichnungen findet Mühlbauer charmant, weil sie sich nicht wichtig nehmen, im Gegensatz zu Skulpturen, die Platz beanspruchen.

Bis die Besucher des Künstlerhauses die neuen Errungenschaften sehen können, müssen sie sich noch gedulden. Vorerst kommen die Arbeiten ins Depot und werden im nächsten Jahr ausgestellt.
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