Ausstellung von Christian Schnurer und Thomas Dworzak
Grenzen, die verbinden

"Man merkt bei jedem Bild, dass er sich mit den Menschen, Bildern und Texten identifiziert." Zitat: Andrea Lamest, Leiterin des Oberpfälzer Künstlerhauses
Kultur
Schwandorf
11.06.2016
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Christian Schnurer, sein Trabant und der rosa Abwurftank eines russischen Kampfjets: Dieses Trio sorgte auf der Reise von München in die Ukraine für Aufsehen. Bilder: Gerhard Götz (3)

Fährt Christian Schnurer mit seinem Trabi durch die Gegend, muss er sich oft rechtfertigen. Ob er da eine Rakete auf dem Dach habe? Nein, hat er nicht. Dafür den Tank eines alten russischen Kampfjets, aus dem er jetzt ein Kunstwerk gemacht hat.

"Exportweltmeister" heißt sein Werk und ist ab Sonntag (12. Juni) im Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf zu sehen. Drei Wochen fuhr er mit dem Wagen, Baujahr 1985, von München aus über Europas Grenzen. Das Ziel: Kiew. "Der Trabi hat jetzt schätzungsweise 2500 Kilometer mehr drauf", lacht der gebürtige Schwandorfer.

Zweideutigkeit


Mit seiner Reise wollte er neu errichtete Barrieren an den Landesgrenzen überqueren. "Es ist mir immer um den Komplex der militärischen Propaganda gegangen", erklärt der 45-Jährige. Mit dieser Aktion stellt er "brennende Fragen zu Nationalsozialismus und Imperialismus, Militär und Kapital, Freiheitsliebe und Heimatschutz". In der Ausstellung lässt Schnurer die Besucher an seinen Erlebnissen teilhaben. Mit installierten Kameras und dem Dokumentarfilmer Lorenz Kloska an seiner Seite hat er die Höhen und Tiefen des Trips festgehalten: "Besonders hart war es in der ukrainischen Grenze, als uns die Soldaten wegen dem Abwurftank nicht durchlassen wollten." Sie meinten, es sei eine Rakete.

Die Lösung: den Tank in drei Teile zersägen und danach wieder zusammensetzen. Eingewickelt in rosa Folie, denkt nicht jeder bei der Skulptur sofort an Militär und Kampfflieger. Bei dem ein oder anderen löst es eher sexuelle Vorstellungen aus, wie Schnurer weiß. Das ist ihm ganz recht, denn er will mit seiner Kunst niemanden eine bestimmte Bedeutung aufzwingen: "Es ist jedem selbst überlassen, wie er sie auffasst."

Glückliche Fügung


Auch den Fotojournalisten Thomas Dworzak fasziniert Osteuropa und der Militarismus. Und wie Schnurer ist er in der "Lücke des Kalten Krieges" aufgewachsen, die die beiden nun verbindet. "Das ist auch der Hintergrund der Ausstellung", erklärt Andrea Lamest, Leiterin des Oberpfälzer Künstlerhauses.

Den freiheitsliebenden Dworzak zieht es nach dem Abitur in Paris nach Moskau. Durch Zufall landet der gebürtige Bad Kötztinger schließlich im Kaukasus. Er hat sich in die Gebirgsregion verliebt und den Einheimischen nahe gefühlt. Da konnte ihn auch der Tschetschenienkrieg (1994 bis 1996) nicht vertreiben. Schließlich war er vor Ort der einzige Fotograf aus dem Westen. Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung dominieren daher Dworzaks Schwarz-Weiß-Bilder. Gleichzeitig hat er es geschafft, die schönen Momente zwischen Krieg und Zerstörung festzuhalten. Denn trotz allem besitzen die Kaukasier eine unbändige Lebenslust. "Er wollte nicht nur Bilder machen, sondern die Realität erleben ", erklärt Lamest stellvertretend für Dworzak. Auf Bildunterschriften und Erklärungen verzichtet der Fotograf. Stattdessen verwendet er Zitate aus Werken russischer Dichter wie Tolstoi oder Puschkin über den Kaukasus und den Krieg. "Man merkt bei jedem Bild, dass er sich mit den Menschen, Texten und Bildern identifiziert", beschreibt Lamest seine Arbeiten.

Auch Schnurer wollte während seines Projekts so nah wie möglich an den Menschen sein. Unterwegs nach Kiew verbrachte er deshalb viel Zeit mit Fremden, um mehr über die aktuelle Lage in ihrer Heimat zu erfahren. Er erlebt in seinem Trabi, dem "osteuropäischen Urvieh", intensive Wochen. Trotzdem ist es für ihn langsam an der Zeit, sich von ihm zu trennen: "Ich hoffe, dass er nach der Ausstellung ins Museum kommt."

Berührungspunkt


Für Dworzak waren die fünf Jahre im Kaukasus das Beste, was ihm hätte passieren können. Inzwischen gehört er zur weltberühmten Fotoagentur "Magnum Photos", zu der nur drei deutsche Fotografen gehören. "Und unter denen ist der Oberpfälzer Thomas Dworzak", sagt Lamest stolz.

Einen gemeinsamen Titel trägt die Ausstellung nicht. Dazu sind die Arbeiten Schnurers und Dworzaks zu verschieden. "Es war uns wichtig, zwei Künstler zu finden, die sich nicht zu sehr ähneln", erläutert die Leiterin. Beide lieben Osteuropa, das reicht. Und dafür ist ihnen kein Weg zu weit.

Man merkt bei jedem Bild, dass er sich mit den Menschen, Bildern und Texten identifiziert.Andrea Lamest, Leiterin des Oberpfälzer Künstlerhauses


ÖffnungszeitenVernissage: Sonntag, 12. Juni, 11 Uhr.

Ausstellung : Werke von Christian Schnurer und Thomas Dworzak von Sonntag, 12. Juni, bis Donnerstag, 21. Juli.

Ort: Oberpfälzer Künstlerhaus, Fronberger Straße 31, Schwandorf.

Öffnungszeiten: Mittwoch und Donnerstag von 12 bis 18 Uhr und Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

Informationen unter Telefon 09431/79716.

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Weitere Informationen:

www.stadtschwandorf.de
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