Christian Seibert interpretiert bei den Neujahrskonzerten „Virtuose Klaviermusik der Romantik“
Mitreißende Klavierwerke

Christian Seibert wagte sich auch an die Paganini-Etüden von Franz Liszt und meisterte die Schwierigkeiten mit Bravour. Bild: tie
Kultur
Schwandorf
05.01.2016
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Das immer wieder großartige Erlebnis bei den nun schon traditionellen Neujahrskonzerten in der Spitalkirche ist die Auswahl der Werke. Schließlich gibt es auch von berühmten Komponisten weniger bekannte Stücke, die hörenswert sind. Des weiteren wird so manches Opus und dessen Schöpfer quasi neu entdeckt. Christian Seibert traf zum Neujahrskonzert wieder eine hervorragende Auswahl, die den Gästen der beiden Konzerte am Sonntag bestens gefiel.

Dahinfließende Melodie


Besonders fasziniert die gekonnte Vortragsweise des Pianisten Christian Seibert, der die Virtuosität und den gedanklichen Aufbau eines Werkes folgerichtig miteinander verknüpft. So ist schon das erste Klavierstück, das Christian Seibert vortrug, wenig bekannt und auch den Schöpfer kennt man kaum. Die "Barcarole e-moll" op 14 von Franz Xaver Scharwenka besticht durch die dahinfließende Melodie im tänzerischen Sechs-Achtel-Takt, wobei die Sechzehntel der Begleitfiguren die ständige Bewegung garantieren. Motiv und Verarbeitung sind demnach tiefer romantischer Stimmung verpflichtet, die der Pianist auch vollgültig darstellte. Es folgten drei Klavierstücke von Felix Mendelssohn Bartholdy. In der "Fantasie fis-moll" op 28 werden die ruhigen Passagen des Beginns zuweilen von nervösen Ausbrüchen zersetzt. Die beiden folgenden Sätze huschen dementsprechend schnell dahin, was in dem wahnwitzigen Tempo, in dem Seibert spielte, umso überzeugender wirkte. Die berühmten "Variations sérieuses d-moll" op 54 schlossen sich an.

Jede der Veränderungen ergibt eine neue Sicht auf das Thema. Alle fallen sehr kurz aus, vermitteln aber insgesamt eine Fülle von Eindrücken. Das Schlusspresto lässt alles sinnvoll ausklingen. In der Darbietung von Christian Seibert war das weit mehr als ein Virtuosenwerk. Das "Rondo capriccioso E-Dur" op 14 folgte. Nach tiefsinniger Introduktion erklingt das Rondo im Presto ruhelos und steigerte sich in Seiberts Interpretation zu überzeugender Tongestaltung. Der nächste Programmpunkt ist Sergej Rachmaninoffs Klavier-Bearbeitung des "Scherzos" aus "Ein Sommernachtstraum" op 61 von Mendelssohn Bartholdy. Wie der Titel schon aussagt, ein schneller Satz. Bei Christian Seibert wirkten die vielen Töne, die sonst von vielen Instrumenten dargeboten werden, verdichtet und zogen rasend schnell vorbei. Mit Recht erhielt er dafür besonders heftigen Beifall.

Eine weitere "Barcarole", die in Fis-Dur op 60 von Frédéric Chopin, eröffnete den zweiten Teil des Konzerts. Sie zeichnete sich ebenfalls durch eine weitgespannte Melodie aus, die in tänzerischer Grundstimmung bis zum prachtvollen Schluss von Seibert vorgetragen wurde.

Liszt zum Abschluss


Dann folgte der krönende Abschluss des Programms: Die "Grandes Etudes de Paganini" von Franz Liszt. Von den sechs für Klavier bearbeiteten Etüden stammen fünf aus den "24 Capricen für Violine solo" op 1 von Niccoló Paganini, die sechste "La Campanella" ist der Schlusssatz des 2. Violinkonzerts h-moll von Paganini. Ein Geiger, der Paganini spielt, zeigt den höchsten Grad seines virtuosen Könnens an. Auch die Bearbeitung von Liszt wird selten gespielt. Der Grund dafür ist der gleiche: An die wahnwitzigen technischen Schwierigkeiten trauen sich nicht alle Pianisten heran.

Umso beeindruckender, wie Christian Seibert die unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Etüden gestaltete und dabei auch noch die Themen musikalisch herausarbeitete. Als Zugaben erklangen "Liebesleid" von Fritz Kreisler, ebenfalls von Rachmaninoff bearbeitet und ein Originalwerk Liszts, der berühmte "Liebestraum Nr.3". Man hätte Christian Seibert noch viel länger zuhören können.
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