Das Schwandorfer Marionettentheater peppt den Klassiker der Gebrüder Grimm auf
Eine Rapunzel will ich haben!

Rapunzel und ihr Prinz finden sich am Ende natürlich wieder. Und weil sie nicht gestorben sind, sind sie in den weiteren Aufführungen des Schwandorfer Marionettentheaters wieder zu sehen. Bild: hfz/Pöllmann
Kultur
Schwandorf
14.11.2016
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Da soll noch einer sagen, Kinderkram sei nicht allgemeinbildend. Denn, mal ehrlich, wer weiß schon genau, was die Rapunzel eigentlich ist. "Feldsalat", informiert das sprechende Pferd Pferdinand vom Schwandorfer Marionettentheater. Der Gaul würde gerne noch mehr erzählen über Art und Gattung des Gewächses. Doch da wird ihm von den Puppen auf der Bühne das Wort abgeschnitten. Schließlich geht es hier nicht nur um das Grünzeug, sondern vornehmlich um ein heranwachsendes Mädchen gleichen Namens. "Rapunzel", das Märchen der Gebrüder Grimm ist das diesjährige Kinderstück des Schwandorfer Marionettentheaters im Oberpfälzer Künstlerhaus.

Premiere war am Samstag. Michael Pöllmann hat den Klassiker umgeschrieben. Und in seiner Fassung geht es teilweise heiß her. Nicht nur wegen des vorlauten Pferdes, das sich ungeachtet seiner lebensechten Größe ins Marionettentheater eingeschlichen hat und von seinem Stall neben der Bühne aus vorlaute Kommentare abgibt. Auch die übrigen Agierenden haben ganz schön Pep. Rapunzel stellt ihre bei den Grimms nur angedeutete Aufmüpfigkeit teils offen zur Schau. Ihr Prinz ist ein verliebter Hammel. Und die böse Zauberin muss sich manchmal richtig ärgern. Obwohl sie sich Rapunzel gegenüber zu Beginn recht fürsorglich gezeigt hat: Sogar Fairtrade-Bananen und eine gelbe Quietschente hatte sie für das Kind bereitstehen.

Bei all dem eingebauten Witz ist die Schwandorfer Rapunzel-Inszenierung aber kein Klamauk. Die Handlung hält sich weitgehend an das klassische Vorbild - auch wenn das Geschehen nicht nur brav nachgespielt wird. Puppen und Bühnenbild sind voll poetischer Ästhetik. Die Hintergrundmusik wechselt zwischen "Pink Panther", klassischem Ave Maria und Hochzeitsmarsch. Dass dies alles ein künstlerischer Gesamtgenuss ist, der sowohl Kindern als auch Erwachsenen Freude bereitet, ist eine großartige Leistung des Schwandorfer Marionettentheaters. Selten wurde ein altbekannter Klassiker dermaßen mitreißend auf die Bühne gebracht. Dem Erzähler Pferdinand und all seinen Kollegen sei Dank. "Rapunzel" in der Schwandorfer Version ist nicht nur allgemeinbildend - sondern vor allem auch höchst amüsant.

Weitere Termine"Rapunzel - ein Marionettenstück mit Musik nach einem Märchen der Brüder Grimm" läuft noch am 19. November um 14.30 Uhr, am 20. November um 14.30 und um 16 Uhr, am 3., 4., 10. 11., 17. und 18. Dezember um 14.30 Uhr sowie am 17. Dezember außerdem um 16 Uhr. Aufführungsort ist die Kebbel-Villa. Karten (4, 50 Euro, ermäßigt 3,50 Euro) gibt es unter Telefon 0 94 31 97 16.

Das Erwachsenenstück "Einen Jux will er sich machen" von Johann Nepomuk Nestroy feiert am 25. November um 19.30 Uhr im Oberpfälzer Künstlerhaus Premiere.
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