Die „Song Poets“ aus Regensburg sorgen für einen kurzweiligen Konzertabend
Amerikanische Countrymusik im Felsenkeller

Die "Song Poets" Robert Hasleder (Slide-Gitarre), Sepp Frank (Kontrabass), Hans "Yankee" Meier (Gitarre), Christian Veith ( Mandoline) entführten in die Welt der traditionellen amerikanischen Countrymusik. Einige Songs entfalteten auch im bayerischen Dialekt ihren Zauber. Bild: Reitz
Kultur
Schwandorf
09.05.2016
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Townes van Zandt, John Prine und Guy Clark standen immer im Schatten von Bob Dylan. Die "Song Poets" rücken sie mit ihrer Hommage an diese großen amerikanischen Singer/Songwriter in den Mittelpunkt ihres aktuellen Konzertprogramms und ihrer neuen CD.

Vier renommierte Musiker der Regensburger Szene haben vor zwei Jahren die "Song Poets" gegründet, ein Projekt, das spontan entstand, als man die gemeinsame Begeisterung für die amerikanische Folk Musik entdeckte. Seitdem stehen Sepp Frank (Trio Trikolore, Folk Projekt), Christian Veith (Letzte Bestellung, früher u.a. Chambergrass), Hans "Yankee" Meier (Voice & Strings, Folk Projekt) und Robert Hasleder (Trio Salato, Mistle Toe & Ivy) immer wieder gemeinsam auf der Bühne, diesmal mit einem Programm, das ausschließlich von drei legendären Gestalten der Singer/Songwriter-Szene stammt.

Vom Solisten zur Band


John Prine (Jahrgang 1946) begann seine Laufbahn als Folksänger in Chicago und wurde 2003 in die Nashville Music Hall of Fame aufgenommen. Guy Clark (geboren am 1941 in Texas) ist der große Geschichtenerzähler unter den Folkmusikern, der in seinen Songs seine eigenen Erlebnisse oder die seiner Freunde verarbeitet. Townes Van Zandt (Jahrgang 1944) begann im Alter von neun Jahren Gitarre zu spielen. Er kam bereits als Jugendlicher mit Rauschmitteln in Berührung und gab Mitte der 1960er Jahre seine ersten Konzerte in Clubs. Er gilt als der Poet unter den Singer-Songwritern und starb am 1. Januar 1997 an einem Herzinfarkt.

A Capella eröffnen die "Song Poets" den Abend und singen sich geradewegs in die Herzen der Zuhörer. Mit swingenden Country-Klängen adaptieren die Musiker ihrer Vorbilder in ureigenster Weise. Während die Originale überwiegend als Solisten auftraten, ist nun eine hochkarätige Band mit akustischen Instrumenten und vierstimmigen Harmoniegesang zu Gange. Sepp Frank sorgt mit dem Kontrabass für das Fundament über dem sich Gitarren, Mandoline und Dobro so richtig entfalten können. Gelegentlich, vor allem bei sentimentalen Liedern, greift er auch zum Akkordeon und erweitert so die Klangpalette.

Vier unterschiedliche Gitarren hat Robert Hasleder auf der Bühne, wobei die Slide-Gitarre mit ihrem flirrenden Klang sichtlich bevorzugt wird. Gelegentlich greift er auch zur Tinwhistle und sorgt für authentischen Folk-Effekt mit irischem Touch. Yankee Meier ist in allen Stilen zu Hause, seine phantastische Technik ermöglicht ihm Zwischenspiele mit besonderer Note, oft auch jazzig angehaucht und mit viel Spürsinn für Dramaturgie und Spannung. Zu den Höhepunkten des Abends zählen die Zwiegespräche von Gitarre und Mandoline, die von Christian Veith virtuos eingesetzt wird. Man wirft sich gegenseitig Ideen zu und hat sichtlich Spaß an den instrumental ausgefochtenen Dialogen.

Alle vier verfügen über ausdrucksvolle Stimmen und setzen sie in den unterschiedlichsten Kombinationen ein. Da werden Strophen abwechselnd gesungen, und die individuellen Timbres werden als Stilmittel eingesetzt, zu den Höhepunkten gehört aber der Harmoniegesang, wie er in der amerikanischen Countrymusik Tradition ist.

Schwarzer Humor


Die literarischen Qualitäten der Texte erschließen sich dem Zuhörer nicht sofort, deshalb ist es hilfreich, dass die Inhalte immer humorvoll und mit Augenzwinkern erläutert werden. Da erfährt man, dass Guy Clark meist skurrile Texte erschaffen hat, zum besseren Verständnis werden diese gelegentlich ins Bayerische übersetzt, mit kurzen Anekdoten und Kalauern wird der Abend aufgelockert.

Vielleicht für manchen ein Ansporn, sich die Texte im Original mal vorzunehmen und genauer zu analysieren! Wir erfahren zu van Zandts Song "If I was Washington", dass George Washington Zähne aus schwarzem Ebenholz hatte und dass dieses "Kinderlied" mit zweideutigem Humor gespickt ist. John Prines "Please don't bury me" weist in der bayerischen Version Parallelen zur Diskussion um Organspenden auf, und Guy Clarks Song vom "Heavy Metal" dürfte das einzige Lied sein, das von einer Planierraupe handelt. "Be careful of stones that you throw" hat in Zeiten der bedrohten Meinungsfreiheit außerordentliche Aktualität.

Ein vergnüglicher Abend in der Kulisse des Schwandorfer Felsenkellers endet nach drei Zugaben, wie er begonnen hat: Mit der A-Capella-Version eines "weißen" Spirituals: "Diamonds in the rough", gesungen einst von der Carter Family. Ganz ohne Mikrophone füllen die vier Stimmen den Raum - ein Klangerlebnis der besonderen Art und eine Remiszenz an die Tradition der Barbershop-Gesangsgruppen.
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