Don Juan bläst einen heute noch um

Ein Instrument so vielschichtig wie der Musiker: Die Kraft, die sonst von Orchestern erzeugt wird, lässt Stefan Mickisch ausschließlich mit dem Klavier entstehen. Bild: Otto
Kultur
Schwandorf
18.09.2015
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Es ist seine besondere Gabe, ein sinfonisches Stück auf dem Klavier zu spielen, ohne den Zuhörer das Orchester missen zu lassen. Das so etwas möglich ist, beweist Pianist Stefan Mickisch mit zwei moderierten Konzerten im Oberpfälzer Künstlerhaus

Wenn Stefan Mickisch den Auftakt von Richard Strauss' "Also sprach Zarathustra" auf dem Steinway spielt, passiert etwas Sonderbares: Obwohl die Vertonung von Nietzsches Werk die sinfonische Dichtung repräsentiert, funktioniert es bei dem Schwandorfer Pianisten gänzlich ohne Begleitung. Richard Strauss und dessen einzigartige kompositorische Interpretation von literarischen Stoffen wird der Schwandorfer Pianist an zwei Abenden im Oberpfälzer Künstlerhaus um jeweils 20 Uhr präsentieren. Am 25. September widmet er sich dem "Don Juan" und "Till Eulenspiegels lustige Streiche", am 26. "Also sprach Zarathustra". Der Komplexität geschuldet, wird er die Kompositionen erläutern. Seine moderierten Konzerte haben unter Klassik-Fans Kultstatus erreicht.

Strauss der Bürgerschreck

Mit den Opern "Der Rosenkavalier", "Salome" und "Elektra" wird Richard Strauss untrennbar verbunden. Mickisch haben es besonders die Tondichtungen angetan. "Das sind geniale, unheimlich starke Kompositionen. Der frühe ,Don Juan' bläst einen heute noch um", sagt Mickisch.

Oberpfälzer Bezug

Im "Eulenspiegel" zeigt sich "Bürgerschreck" Strauss besonders deutlich von seiner nonkonformistischen Seite. Der freigeistige Komponist tat sich schwer mit spießbürgerlichen Konventionen und den Zwängen seines Berufes. "Mit dem Eulenspiegel hat der Freigeist Frustration und Depression sozusagen wegkomponiert."

Mit der Interpretation des Nietzsche-Stoffes folgt Mikisch einer Leidenschaft. Lange hat er sich mit dem literarischen Stoff und seiner sinfonischen Vertonung befasst. "Ich habe viele Anläufe gebraucht. Jetzt möchte ich die Tondichtung nicht nur spielen, sondern meinem Publikum verständlich machen.

Trivia: Richard Strauss hatte einen engen Bezug zur Oberpfalz. Sein Vater Franz Strauss, erster Hornist am Hoforchester München und ab 1871 Akademieprofessor, war gebürtiger Parksteiner. Die Mutter Josephine kam aus der Bierbrauer-Dynastie Pschorr. Die Frühförderung des Genies war also gesichert.

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Termine von Stefan Mickisch: Tondichtungen von Richard Strauss (Freitag, 25. September, 20 Uhr) mit Don Juan, op. 20 (nach Nikolaus Lenau) und Till Eulenspiegels lustige Streiche, op. 28 (nach den Volksmärchen) sowie am Samstag, 26. September (20 Uhr) mit Also sprach Zarathustra, op. 30 (nach Friedrich Nietzsche). Karten gibt es im Oberpfälzer Künstlerhaus (Telefon 09431/ 9716).
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