"Don Juan oder die Nacht von Valognes" im Sperl-Stadel
Frauenheld vor Tribunal

Die lebenshungrige Gräfin de la Roche-Piquet (Christina Kostka), die neureiche Madame Cassin (Anja Setzer), die Nonne Hortense de Hauteclaire (Christina Fink-Rester), die Herzogin de Vaubricourt (Ilona Glück) und Mademoiselle de la Tringle, die biedere Autorin schwülstiger Liebesromane (Margit Berkmann, von links), bereiten sich auf das Tribunal gegen Don Juan vor. Bild: tie
Kultur
Schwandorf
03.05.2016
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Was ist so heldenhaft an einem Frauenhelden, einem Verführer wie Don Juan? Er musste sich im Sperl-Stadel einem Tribunal stellen, großartig gespielt vom "SADTheater" zum Auftakt der Kunz-Tage am Freitag.

Don Juan ist ein in der ganzen Welt bekannter Frauenheld, dessen Lebenswandel Männer schon immer bewundert haben. Deshalb ist er von vielen Dichtern schon beschrieben worden. Eric-Emmanuel Schmitt verfasste dazu eine "erotisch-philosophische Komödie" , die er "Don Juan oder die Nacht von Valognes" betitelte. Der Titelheld wird von fünf Frauen psychologisch durchleuchtet, was so gar nicht sein Ding ist, noch dazu, wenn Erotik dabei philosophisch eingeordnet ist. Dennoch kommt am Schluss ein interessantes offenes Ergebnis zustande. Mutig vom "SADTheater", sich dieses Theaterstücks anzunehmen, noch mutiger, es so offen auf die Bühne zu bringen, wie es sich die Regisseurin Christina Fink-Rester zugetraut hat.

Mozart zum Auftakt


Zunächst aber spielte Eberhard Geyer auf dem Klavier Auszüge aus der Ouvertüre zu Mozarts "Don Giovanni". Eine absolut passende Einleitung, ehe sich die Gräfin de la Roche- Piquet präsentierte, von Christina Kostka sarkastisch wie auch leicht arrogant verkörpert. Zunächst war nur noch das unbedarfte Dienstmädchen Marion da, dem Claudia Allwang- Wopper die Präsenz verlieh. Beide erwarteten die Ankunft weiterer Frauen zu einem arrangierten Treffen. Und sie kamen der Reihe nach: Erst die Nonne Hortense de Hautclaire, deren Naivität und zeitweilige Hysterie von Christina Fink-Rester glaubhaft zum Ausdruck gebracht wurde. Daraufhin erschien Mademoiselle de la Tringle alias Margit Berkmann. Sie ist Autorin von Liebesromanen, die deshalb gerne etwas prüde wirkt. Schließlich soll zwischen Buch und Wirklichkeit ein Unterschied herrschen. Und wer über Liebe schreibt, braucht noch längst nicht jede Woche einen neuen Liebhaber.

Nächste im Bunde: Madame Cassin, eine neureiche Bürgerliche. Die gegenseitige Abneigung zwischen ihr und den adeligen Damen war schnell evident. Anja Setzer gelang es, eine andere frauliche Haltung einzunehmen. Zuletzt trat Herzogin de Vaubricourt auf und sogleich übernahm Ilona Glück in dieser Rolle die Redehoheit. Man weiß nicht, ob man ihre Intelligenz oder ihre Schrulligkeit mehr bewundern sollte.

Sie eröffnete, dass Don Juan von ihr eingeladen wurde. Sie will ihn dafür bestrafen, dass er sich den Damen gegenüber ungebührlich verhalten hat. Als Strafe soll er ihre Nichte Angelique de Chiffreville heiraten. Es bleibt offen, ob er dann eines Tages von der wesentlich jüngeren Frau verlassen werden könnte. Endlich dann Don Juan selbst: Sebastian Wagner war voll in seiner Rolle aufgegangen und charakterisierte sich als Frauenkenner, der durch seinen Charme natürlich Frauen von jeder Rachsucht abhalten würde. Die Frauen sahen ein: "Mein Kopf sagte nein, aber mein Herz schrie ja" und brachten damit ihre Situation auf den Punkt. Don Juan überspitzte noch, als er meinte: "Warum sollte der Wolf sich ändern, wenn die Schafe alle gleich bleiben?!"

Schwungvolle Inszenierung


Umso überraschender ist es, dass er der ihm vorgeschlagenen Heirat zustimmte. Da konnte Don Juans Diener Sganarelle, verkörpert von Dirk Dürholz, nur noch warnend die Registerarie aus Don Giovanni mit voluminöser klarer Tonlage anstimmen und zusammen mit dem reinen Sopran von Christina Fink-Rester das Duett "Reich mir die Hand, mein Leben" singen.

Angelique de Chiffreville, alias Nele von Glasow war hin und hergerissen, ob die angekündigte Heirat ernst gemeint ist oder nicht. Eine lange Diskussion darüber, was Liebe ist, erfolgte, in die dann auch der Bruder von Angelique, der Chevalier de Chiffreville (Michael Sandner), verwickelt war. Jedenfalls wurde kein Standpunkt bevorzugt, vielmehr vielseitige Gedanken zu dem ewigen Thema "Liebe" vorgestellt. Das wurde bei dem Schwung der Inszenierung nie langweilig. Großer und verdienter Applaus.

Noch eine ChanceDas "SADTheater" präsentiert sein Stück "Don Juan oder die Nacht von Valognes" nur noch einmal am 4.Mai um 20 Uhr im Fronberger Sperl-Stadl. Karten zum Preis von 15 Euro, ermäßigt 8 Euro, gibt es im Tourismusbüro Schwandorf, Telefon 09431/45-550 oder an der Abendkasse. Der Sperlstadl ist beheizt.
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