Ein Abend für ein Multitalent
Schwierige Annäherung an Oker

Maria Gebhardt (Mitte), die Witwe von Eugen Oker, war eigens aus München angereist, um die von Florian Sendtner (links) und Rudi Wilhelm (rechts) gestaltete Lesung aus den Werken ihres Mannes zu hören. Bild: hou
Kultur
Schwandorf
12.10.2016
75
0

Eugen Oker war ein eigenwilliger Schriftsteller. Am besten rezitierte er selbst aus den von ihm geschaffenen Werken. Zehn Jahre nach seinem Tod gibt es nun Abende, die mit bester Absicht inszeniert sind. Doch die Annäherung an den Autor gelingt dabei meist nur sehr schleppend.

Kein leerer Stuhl in der Kebbelvilla und mithin der Beweis, dass es noch viele Schwandorfer gibt, die sich an den Gebhardt Fritz vom Wendelinplatz erinnern. Der wurde später zu einem bayernweit bekannten Verfasser von Prosa und Reimen. Zu dieser Zeit hatte er seine Heimatstadt längst verlassen, wohnte in München und kehrte nie mehr zurück. Und dabei hatte man ihm besonders die Kebbelvilla als Auftrittsort ans Herz gelegt.

Eine Hürde bleibt


Im Frühjahr 2006 starb Fritz Gebhardt alias Eugen Oker. Seither gibt es Veranstaltungen, die an ihn erinnern. Immer gut gemeint und aus der Position heraus gestaltet, dass da ein Mann war, der zu seinen Lebzeiten viel zu wenig gewürdigt wurde. Die Hürde dabei ist nur: Oker war Oker. Ganz besonders, wenn er samt dem immer getragenen Halstüchl vorne saß und in seinem breiten Schwandorf-Oberpfälzisch aus Romanen und Gedichtbänden las. Wahre Sternstunden für seine Anhänger. Nicht in Schwandorf. Aber in Burglengenfeld, in Amberg oder in Schwarzhofen.

Ihn zu rezitieren ist ein schwieriges Unterfangen. Das gelingt so gut wie nie. Denn zu Okers Texten hat immer seine Stimme gehört. Da blitzte dann sein schelmisches Gemüt auf, kam hintergründiger Humor zum Vorschein, der im Dialekt zur umwerfenden Komik wurde. Von daher also eine schwierige Aufgabe für Rudi Wilhelm aus Kemnath am Buchberg und Florian Sendtner aus Regensburg. Beide sind Oker-Kenner, sie haben sich zweifelsohne intensiv mit seinem Lebenswerk beschäftigt. Doch das reicht eben nicht, um ein Publikum kurzweilig zu unterhalten.

Viel und vieles wurde aufgeschlagen in diesen zwei Stunden, die der Regensburger Thomas Röder mit den auf seinem Schifferklavier gespielten Schlagern umrahmte. Limericks gab es, der Babba samt seinem Maxl und dem Elefanten traten in den vorgelesenen Dialog, Passagen aus Okers Romanen wie "Lebensfäden" erinnerten daran, dass da einer war, der sich hart tat, im Gleichschritt zu marschieren. Er schrieb: "Eigentlich kann überhaupt niemand etwas dafür, dass es ist, wie es ist. Nur der Hitler kann etwas dafür."

Es gab aber auch Höhepunkte. Immer dann, wenn Oker vom Tonband kam. Zum Beispiel mit alten Schlagern, die er selbst sang. Eine Seite, die man bisher nicht von ihm kannte. Aber es wurde deutlich: Auch das beherrschte dieser multitalentierte Mann. Fritz Gebhardt hätte sich diese Lesung angehört, verschmitzt gelächelt und vermutlich mitgeteilt, er habe gar nicht gewusst, dass er "sowas Schüins", das man "soucha mou", geschrieben habe. Ein höfliches Kompliment, dem man sich anschließen kann. Auch wenn vieles bisweilen holprig daherkam und (weil wohl kein Mikrofon im Haus) schwierig zu vernehmen war.

Große Anhängerschar


Eines aber vermögen Abende wie diese mit Sicherheit: Sie verkünden einer breiten Öffentlichkeit, dass Schwandorf seinem prominenten Sohn einiges schuldet. Auch das wurde bei der Lesung angesprochen. Sehr zur Freude wohl von Maria Gebhardt, der Witwe Eugen Okers. Sie war der Einladung gefolgt und darf in der Genugtuung leben, dass es eine große Anhängerschar gibt, die sich ihrem verstorbenen und in Kallmünz begrabenen Mann zutiefst verbunden fühlt.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.