Geschichte hautnah erleben

Grabhügel aus der Hallstattzeit zeigte Heimatpfleger Kurt Engelhardt (Mitte) bei seiner Führung im Wald bei Pfreimd. Bild: hm
Kultur
Schwandorf
12.09.2016
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Das mit Scharschindeln gedeckte Halbwalmhaus bildet einen Blickfang am Ortseingang von Stadlern. Das "Waldlerhaus" stand am Sonntag zur Besichtigung offen. Bild: mhö

Die Vergangenheit erwachte am "Tag des offenen Denkmals". Zahlreiche Objekte waren da im Landkreis zu besichtigen. Drei Führungen verfolgten wir exemplarisch mit.

Schwandorf/Pfreimd/Stadlern. (rhi/hm/mhö) Neun Objekte hatte die Stadt Schwandorf am Sonntag im Angebot, darunter auch eine Führung zum Schloss Fronberg. Heimatpfleger Gerhard Grünwald nahm die Teilnehmer mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit. Die Vorgänger "der von Breidbachs" waren die "Spierings" (1676 bis 1720), die die "hohe Gerichtsbarkeit" besaßen mit dem Recht, auch die Todesstrafe auszusprechen. Die Verurteilten wurden am nahegelegenen "Hasenbügerl" am Galgen hingerichtet. Diese Erhebung ist heute noch auf dem Weg von Fronberg nach Schwarzenfeld gut zu erkennen. Grünwald führte die Besucher weiter in den Schlosshof und zeigte ihnen die Wappen am Eingang, die auf die ehemaligen Besitzer der Spierings und der von Stingelheim hinweisen. Der Hof ist gekennzeichnet durch Rundbögen und Säulen im Stile der Frührenaissance.

"Der Tag des offenen Denkmals war eine gute Gelegenheit als feste Frist, zu der der Großteil der Arbeiten fertig sein soll", zeigten sich Bauherrin Michaela Gottmeier und Architekt Christian Schönberger in Stadlern einig. Nach dem Tod ihrer Großmutter vor vier Jahren war es der Wunsch der Architektin, das gut 200 Jahre alte "Waldlerhaus" in Zusammenarbeit mit ihrem Studienkollegen von Grund auf zu sanieren und instand zu setzen. Im Anwesen, das zu diesem Zeitpunkt 30 Jahre unbewohnt war und zu den letzten originalen Böhmerwaldhäusern zählt, waren damals nur noch Hühner, Enten und Tauben untergebracht. Heute finden sich in dem Haus, das früher noch drei Generationen beherbergte, auf rund 130 Quadratmetern zwei Schlafzimmer, ein Wohnzimmer und eine Wohnküche. Der ehemalige Stall für zwei Kühe ist jetzt das Badezimmer. "Es fehlen nur noch Küche, Terrasse, Betten und der Gartenzaun", erzählte Gottmeier, "ab Dezember soll es als Ferienhaus für bis zu fünf Personen vermietet werden."

Fällt von außen sofort das Schindeldach auf, so stechen beim Rundgang durch das Haus die zum Teil unverputzten Bruchsteinwände ins Auge. Sie sind neben den alten Holzbalken sichtbar in die Wände eingearbeitet und verleihen dem Anwesen so besonderen Charme: "Wir haben versucht, wenig Neues zu verwenden, und so viel wie möglich selbst zu machen", erklärte die Bauherrin. Diesem Wunsch wurde Rechnung getragen: Nur der Esstisch und die Couch sind Neuanschaffungen.

Die archäologischen Funde im Raum nördlich von Iffelsdorf standen im Mittelpunkt der Führungen, zu denen der Kreisheimatpfleger für Archäologie im Landkreis Schwandorf, Kurt Engelhardt, zahlreiche geschichtlich interessierte Teilnehmer begrüßen konnte. Als einen archäologisch und geschichtlich unerschöpflichen Bereich bewertete Engelhardt die Region. Seine Erläuterungen konzentrierten sich zunächst auf die vorgeschichtlichen Gräberfelder aus der mittleren bis späteren Bronzezeit sowie der Hallstattzeit. Gezeigt wurden auch verschiedene Exponate unter anderem aus den zurückliegenden Grabungsfunden. Im Bereich des "Heuhüppelholzes" verwies der Heimatpfleger auf zwei Grabhügel aus der Hallstattzeit, die das sie umgebende Gelände um 80 Zentimeter überragen. Hinweise auf Bestattungen aus der Urnenfelderzeit finden sich auch im Bereich südlich davon. In den Fluren "Stockäcker" und "Gürnitzrangen" gibt es eindeutige Hinweise auf die Anwesenheit von Menschen bereits in der Steinzeit. Entsprechende Funde belegen die Begehung dieses Bereichs durch Jäger und Sammler: "Wir haben es mit den ersten Landwirten zu tun", unterstrich Kurt Engelhardt.
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