"Geschichten aus dem Leben und andere Irritationen" von Christian Huber
Der Herr der Fruchtfliegen

Mit seinem Erstling "Fruchtfliegendompteur" hat Christian Huber (31) einen Überraschungserfolg gelandet. Bild: hfz
Kultur
Schwandorf
08.01.2016
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Ein Oberpfälzer in Berlin: Das kann ja heiter werden. Und tatsächlich: Es wurde heiter. Der Beleg ist das erste Buch von Christian Huber, der die twitternde Netzgemeinde seit längerem als "Pokerbeats" zum Schmunzeln bringt. Nun kann er sich auch eine analoge Fan-Gemeinde schaffen.

"Fruchtfliegendompteur" nennt sich das Buch, das der renommierte Piper-Verlag vor einigen Wochen herausgebracht hat. "Geschichten aus dem Leben und andere Irritationen" will das 280 Seiten dicke Erstlingswerk erzählen. Und das macht es ausnehmend amüsant. Denn der 31-Jährige, der in Regensburg auf die Welt gekommen ist, in Schwandorf aufwuchs und seit fünf Jahren in Berlin lebt, ist ein selbstironisch-freundlicher Beobachter des ganz normalen Lebens in der Bundeshauptstadt. Dort begegnen ihm jeden Tag mehr Skurrilitäten als in der bayerischen Provinz in einem Monat - vom Fasching einmal abgesehen.

Voller Situationskomik


In einem Interview mit der Kulturredaktion hat Huber vor zwei Monaten berichtet, in Berlin falle man nicht so schnell auf: "Da dreht sich niemand um, wenn in der Straßenbahn ein Fahrgast mal keine Hose, aber dafür einen Sombrero oder einen Indianerschmuck trägt. Man sieht hier wirklich oft schräge Gestalten. Da überlegt man, was für Geschichten hinter den Menschen stecken."

Hubers Buch ist voller Situationskomik, die sich aus dem Leben des jungen Künstlers und seinen Begegnungen in Berlin ergibt. Besonders genau sieht Huber hin, wenn es um seine Altersgenossen geht, deren Macken und Marotten er immer wieder aufs Korn nimmt - und sich selbst gleich noch dazu, etwa seinen Hang zum Hypochondrischen. Das erinnert ein bisschen Woody Allen, der in seinen Filmen und Büchern regelmäßig sein Sterbeglöckchen läuten hört, auch wenn ihm in Wirklichkeit nichts fehlt.

Beängstigendes Leiden


Die erste Miniatur des Buches handelt folgerichtig vom dauernden Schwindelgefühl der Hauptfigur, die dem beängstigenden Leiden mit Hilfe von Google auf die Spur kommen will. "In einem schwachen Moment, in dem der Schwindel wieder besonders stark war und mich schon am frühen Nachmittag auf die Couch zwang, habe ich "Schwindelgefühl über Wochen Grund" in die Google App meines Smartphones eingegeben. Die Suchergebnisse waren alarmierend: "Hirntumor, nur noch drei Wochen zu leben" war noch eine der optimistischsten Diagnosen." Hausarzt Dr. Haberkorn ist da realistischer: "Weniger arbeiten und nicht dauernd auf das Smartphone starren", lautet sein nüchterner Rat.

Lesung in Schwandorf


Diesen Tipp wird Christian Huber sicher nicht beherzigen. Denn er ist einer der ungekrönten Twitterkönige in Deutschland - und so jemand kommt ohne Smartphone gar nicht aus. Sagenhafte 27 000 Follower hat der Wahl-Berliner bereits, die er täglich mit knackigen und lustigen One-Linern versorgt. Wer Christian Huber aus seinem Buch vorlesen hören möchte, der hat dazu am Donnerstag, 7. April in Schwandorf Gelegenheit. Da tritt er um 19.30 Uhr im Oberpfälzer Künstlerhaus auf.

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Weitere Informationen im Internet:

www.piper.de
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