Jung-Won Seibert-Oh und Christian Seibert beenden "Schwandorfer Klavierfrühling"
Violine zieht den Schlussstrich

Obwohl die Veranstaltung "Schwandorfer Klavierfrühling" heißt, gastiert zum Abschluss der Woche Jung-Won Seibert-Oh an der Violine. Bild: R. Tietz
Kultur
Schwandorf
01.04.2015
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Zwar heißt die Veranstaltungsreihe "Schwandorfer Klavierfrühling", aber warum soll nicht auch einmal eine Violine mitwirken? So geschehen bei der Matinee, die das Thema der Woche "Ludwig van Beethoven und Franz Schubert - was sie verbindet, was sie trennt" abschließt. Das Kammerkonzert beginnt mit "A-Dur für Violine und Klavier op 162, D 574" von Franz Schubert. Es spielen Jung-Won Seibert-Oh (Violine) und Christian Seibert (Klavier). Mit einem wiegenden Thema eröffnet der Pianist behutsam die Melodienfolge, die Violine entwickelt mit eigenen Tonfolgen daraus einen Gesang. Unruhige Akkorde und Begleitfiguren im Klavier erweitern das Singen der Violine, bis auch sie in lebhaften Tonsprüngen das ursprüngliche Gesangsthema lebendig hält.

Jung-Won Seibert-Oh schafft nicht nur tadellos die geforderte Virtuosität, es gelingt ihr ebenso, Schuberts Aussage musikalisch überzeugend darzustellen. Das setzt sich im ruhelos vorbeihuschenden sehr schnellen Scherzo fort und prägt im Kontrast dazu das melodiöse Andantino. Ein schnelles Finale, dessen aufbrausender Beginn zwischendurch in gesanglichen Bewegungen gemildert wird, schließt mit großer Geste den Satz ab. Seibert begleitet aufmerksam und einfühlsam. Im Programm folgt die Klaviersonate "C-Moll D 958" von Franz Schubert.

Der Pianist spielt den ersten Satz mit nie nachlassender Vehemenz. Manche vergleichen das Anfangsthema mit dem Ausgangspunkt von Beethovens "C-Moll-Variationen". Kraftvoll geht es weiter. Das zweite Thema ist zwar ruhiger, aber auch dauernd in Bewegung. Noch faszinierender geht Seibert mit der Harmonie-Fülle des Adagio-Satzes um, die er ins Sinfonische steigert. Das kurze Menuett wirkt wie eine Überleitung zum umfangreichen Schluss-Allegro mit seinem zierlichen, dauernd bewegten Thema, das selbst im Mittelteil den tänzerischen Sechsachteltakt nicht verlässt. Seiberts Interpretation berührt zutiefst. Nach der Pause ertönt die letzte Violinsonate von Ludwig van Beethoven, in "G-Dur op 96". Die Violine trägt das Anfangsthema allein vor. Das passiert nicht oft in der Violin-Literatur.

Vielseitiges Finale

Insgesamt bleibt der Satz allein durch die ausgeprägten Triolen im Klavier auch bei Seitengedanken in stetigem geschmeidigem Fluss. Das Adagio espressivo lebt ebenso vom dauernden Melodienfluss. Das sehr rasche Scherzo zieht ungebremst vorüber. Das Finale ist vielseitig gestaltet. Es startet gesanglich im Klavier, dann antwortet die Violine mit einem hüpfenden Thema, ein mittendrin aufkommendes Adagio erinnert an den langsamen Satz. Nach weiteren Allegro-Figuren, einmal sogar fugiert, schließt das musikalische Gefüge mit schnellem Presto.

Beide Künstler interpretieren voll Verve und Gestaltungskraft. Das zahlreiche Publikum im Oberpfälzer Künstlerhaus zeigt reges Interesse an der Matinee und der gesamten Klavierwoche. Deshalb ist bereits jetzt der zehnte Klavierfrühling in Schwandorf vom 7. bis 13. März 2016 in Planung. Er soll sich mit Beethoven, Liszt und Brahms beschäftigen.
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