"Lubok"-Ausstellung im Künstlerhaus
Es lebe die Grafik!

Druckgrafik kann raumfüllend sein. Dies führen (von links) Andrea Lamest, Ulrich Thaler und Christoph Ruckhäberle (von links) in der Schwandorfer Ausstellung "Lubok" vor Augen. Bild: Wolke
Kultur
Schwandorf
12.04.2016
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Die Grafik ist tot? Von wegen. Es lebe die Grafik! Die aktuelle Ausstellung "Lubok" im Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf zeigt dies in voller Wucht.

Auch wenn Stadtansichten in Kupferstich zugegebenermaßen auf dem absteigenden Ast sind: Derzeit schält sich doch eine innovative Experimentierfreudigkeit mit Linolschnitt, Lithografie und Radierung heraus. "Gerade junge Künstler beschäftigen sich mit der Grafik", sagt Ulrich Thaler. Er muss es wissen. Aus Leipzig stammend, sitzt der Verleger von Druckgrafik sozusagen an der Quelle. Denn hier, in der traditionellen Bücherstadt, ist die Hinwendung zu andernorts vernachlässigten Techniken nie abgebrochen.

Von Leipzig aus kommend zeigt nun auch die aktuelle Präsentation in der Schwandorfer Kebbelvilla, was alles machbar ist. Die Bandbreite der ausgestellten Arbeiten reicht vom raumhohen Linolschnitt bis hin zum griffigen Buch. Denn das ist es, was hinter der ganzen Sache steckt: Die Vervielfältigungsmöglichkeit der Druckgrafik, die eine relativ weite Verbreitung von Kunst erst möglich macht.

In hohen Auflagen


Ganz konkret sind es neben der Druckgrafik also die Künstlerbücher, die in der Schwandorfer Ausstellung einen zweiten Schwerpunkt bilden. Vor gut zehn Jahren hatten der Leipziger Künstler Christoph Ruckhäberle und der Drucker Thomas Siemon die Idee, Linolschnitte zeitgenössischer Künstler in hohen Auflagen zu drucken und in Buchform zu veröffentlichen. "Lubok" nannten die beiden ihren Verlag, der mittlerweile mehr als 100 Künstler als Buchversion in die Welt geschickt hat. Die Anlehnung des Titels an einen gleichnamigen russischen Volksbilderbogen klingt einleuchtend. Hier wie da wird ehemals Elitäres auf relativ kostengünstige Weise unter die Leute gebracht.

Schauen und blättern


"Lubok" lautet auch der Titel der Schwandorfer Ausstellung. Druckgrafik und Künstlerbücher aus Leipzig laden hier ein zum Schauen und zum Blättern. Das Leipziger Aushängeschild Neo Rauch ist dabei ebenso vertreten wie eine Reihe weniger bekannter aber ebenfalls faszinierender Kollegen.

Sebastian Gögel etwa schöpft seine Inspirationen nicht nur aus der Tätigkeit als Grafiker. Er ist außerdem Tätowierer und vermischt genüsslich Straßen- und Museumskunst. Jens Schubert nutzt für seine Linolschnitte die Druckerpresse "bis zur Grenze der Belastbarkeit des Papiers", weiß Verlagsgründer Christoph Ruckhäberle bei seiner Einführung in Schwandorf. Benjamin Dittrich macht sich das Prinzip des beweglichen Letters zu eigen und bildet aus einigen geometrischen Formen immer neue Motive. Keine Frage, die Techniken der Druckgrafik werden anders genutzt als noch vor einigen Jahren. Aber eines ist klar: Die Grafik ist quicklebendig.

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Die Ausstellung "Lubok. Druckgrafik und Künstlerbücher aus Leipzig" läuft bis zum 22. Mai im Oberpfälzer Künstlerhaus (Fronberger Straße 31) in Schwandorf. Öffnungszeiten sind Mittwoch und Donnerstag von 12 bis 18 Uhr sowie Sonntag von 11 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung. Weitere Infos gibt es unter Telefon 09431 9716 oder unter www.oberpfaelzer-kuenstlerhaus.de.
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