Melancholische Anonymität

Die Gastkünstler Nanna Ylönen (links) und Aki Koskinen (rechts) aus Finnland gewinnen am Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf Einblicke in die bayerische Künstler-Szene. Bild: Götz
Kultur
Schwandorf
21.11.2015
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Isolation, Selbstreflexion, sentimentale Porträts und Landschaftszeichnungen aus Kindheits-Erinnerungen. Die finnischen Künstler Nanna Ylönen und Aki Koskinen sind für sechs Wochen im Internationalen Künstlerhaus Schwandorf, um an ihren Werken zu arbeiten. Doch auch von der bayerischen Künstlerszene wollen sie etwas lernen.

Auch Künstler brauchen gelegentlich Abstand von ihrem Alltag, um sich intensiv ihren Werken zu widmen und sich von einer anderen Umgebung inspirieren zu lassen, ist sich Andrea Lamest, Leiterin des Internationalen Künstlerhauses in Schwandorf, sicher. Seit 20 Jahren beteiligt sich die Einrichtung am "Artist in Residence" - einem internationalen Stipendiatenprogramm.

"Die Künstler sollen durch den Austausch mit anderen neue Anregungen für ihre Arbeit erhalten", betont Lamest. Um für das Stipendium in Frage zu kommen, sollten sie professionell ausgebildet sein. "Anhand von Bewerbungen entscheiden wir - eine kleine Jury - wer ins Ausland fahren darf. Das Interesse an so einem Austausch wächst immer mehr. Das zeigt, dass es eine gute Sache ist." Nanna Ylönen und Aki Koskinen, zwei finnische Künstler, haben es in diesem Jahr geschafft. Sechs Wochen verbringen sie im Internationalen Künstlerhaus - arbeiten und wohnen dort. In eigenen Ateliers können sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

Isolierte Objekte

Nanna Ylönen (24) wohnt in Helsinki und hat Anfang dieses Jahres ihr Studium mit dem Bachelor of Fine Arts abgeschlossen. "Ich bin Zeichnerin und habe mich auf Porträts und Objektzeichnungen mit Bleistift und Kohle spezialisiert", betont Ylönen. Isolation spielt in ihren Werken eine große Rolle. "Ich entscheide mich für ein Objekt, darauf konzentriere ich mich. Das ist auch das einzige, was am Ende auf dem Blatt zu sehen ist."

Sie selbst bezeichnet sich als langsame Zeichnerin. Bevor sich Ylönen ans eigentliche Bild macht, ferigt sie Skizzen an. "Dafür betrachte ich das Objekt sehr lange und mache mir ein genaues Bild." Melancholie und Sentimentalität - Emotionen, die oft in ihren Zeichnungen zu finden sind. "Der Ausdruck, den das Werk vermittelt, muss stark sein. Nur so kann ich die Stimmung richtig ausdrücken." Dieser Eindruck spiegelt sich auch in ihrem Atelier wider. An den Wänden hängen schwarz-weiß-Zeichnungen, auf denen schemenhafte Personen ohne Gesicht zu sehen sind. "Dadurch möchte ich Anonymität vermitteln. Menschen ohne Gesicht drücken viel aus."

Zwischen den Bildern hängt eine Brennnessel-Pflanze an der weißen Wand. Darunter hat Ylönen auf Finnisch "Et Voi Enää Auttaa" geschrieben ("Mehr kann man nicht dazu sagen"). "Auch das ist für mich Kunst." Die Werke sind nicht dominant auf dem weißen Papier platziert, die Linien wirken fein und zart. "Ich möchte, dass die Besucher nah an das Bild herantreten, um es zu studieren."

Persönliche Erinnerungen

Aki Koskinen (32) aus Pietarsaari ist Maler und beschäftigt sich vor allem mit Landschafts- und Porträtmalerei. Bei seinen Acryl- und Kohlezeichnungen vermischen sich oft Realität und persönliche Erinnerungen. Dabei sind vor allem dunkle Farben dominant. "Das liegt daran, dass es in Finnland oft dunkel ist, das beeinflusst mich. Im Sommer nutze ich hellere Farben." Seine ausdrucksstarken Bilder lassen Spielraum für Interpretationen. In seiner Heimat erhielt Koskinen ein Stipendium, dass ihm ein Jahr den Lebensunterhalt sichert.

"Das ist eine große Erleichterung. So kann ich mich ganz auf meine Kunst konzentrieren, ohne mir Gedanken machen zu müssen, wie ich meine Rechnungen bezahle." In den kommenden Wochen wollen die Künstler noch einiges von Bayern sehen, um die Eindrücke mit nach Hause zu nehmen.
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