„Mozart, Musik und Briefe“ im Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf
Einblicke in ein ruheloses Leben

Christoph Soldan (links) und die Stuttgarter Kammersolisten gaben im Oberpfälzer Künstlerhaus mit Briefen und Musik Einblicke in das Leben von Wolfgang Amadeus Mozart. Bild: Tietz
Kultur
Schwandorf
19.05.2017
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Eine ganz besondere Veranstaltung gestalten der Pianist Christoph Soldan und die Stuttgarter Kammersolisten im Oberpfälzer Künstlerhaus. Soldan spielt nicht nur auf seinem Instrument, er liest auch ausgewählte Briefe von Wolfgang Amadeus Mozart vor.

Emotionaler Vortrag


Durch seinen emotionalen Vortrag der Briefe transportiert er die Umstände, die diese Schreiben zu Mozarts Zeiten entstehen ließen, in die Gegenwart und reißt das Publikum im Künstlerhaus mit. Ein Brief an das "Bäsle" bildet den Auftakt. So nennt Mozart seine Cousine. Ihr erzählt er in wilden Ausdrücken von seinen zahlreichen aufwühlenden Begegnungen während der Reise nach Mannheim 1777. In dieser Stadt wünscht er sich eine Anstellung. Dort hatte sich eine neue musikalische Entwicklung etabliert, die später den Namen "Mannheimer Schule" erhält.

Dann erklingt der erste Satz aus dem weniger bekannten "Klavierkonzert F-Dur KV 413" von Mozart - schwungvoll in der Fassung für Klavier und Streichquartett. Das Zusammenspiel gelingt tadellos, die frische lebendige Darstellung wirft die Frage auf, warum dieses Werk nicht öfter gespielt wird.

Auch als Briefeschreiber erweist sich Mozart als höchst einfallsreich und lebendig, wobei die engagierte Vortragsweise Soldans alle Ereignisse noch intensiver auf den Zuhörer einwirken lässt. So lässt der nun von den Stuttgarter Kammersolisten gespielte 1.Satz "Allegro" aus der Serenade "Eine kleine Nachtmusik KV 525" mit seinen feinen und rasanten Klängen auf Mozarts Naturell schließen.

In einem Brief an den Vater Leopold vom 3. Juli 1778 aus Paris beklagt der Sohn den besorgniserregenden Gesundheitszustand seiner Mutter, die ihn und seine Schwester auf der Reise begleitete. Der Brief an Abbé Bullinger vom gleichen Tag vermeldet dann den Tod der Mutter. "Gott hat sie mir gegeben, Gott hat sie mir genommen", mit diesen Worten tröstet sich der Sohn und mit dem Gedanken, dass sich die Mutter nun nach ihrem irdischen Abschied "in himmlischem Frieden befindet". Das elegische "Andante F-Dur KV 616" für Klavier solo bringt diese Stimmung in der behutsamen Spielweise von Christoph Soldan tröstend zum Ausdruck.

Leidenschaftlicher Brief


Nach der Pause folgt zuerst ein rasanter Auftritt von Soldan mit einem leidenschaftlichen Brief W. A. Mozarts an Leopold Mozart vom 9. Mai 1781, in dem sich der Sohn über die Vorherrschaft seines Vaters über ihn beklagt. Dazu passt das schnelle Rondo - Finale aus der "kleinen Nachtmusik", das die Kammersolisten feurig vortragen. Nach dem endgültigen Bruch mit dem Salzburger Erzbischof zieht Mozart mit seiner Ehefrau Constanze nach Wien. Dort lebt er erst erfolgreich, dann muss er Freunde um finanzielle Hilfe bitten. Das besagt ein Brief an Michael Puchberg vom 7. Juli 1788. Das "Larghetto" aus dem "Klavierkonzert F-Dur KV 413" passt zu der schwierigen Situation.

Briefe an Constanze vom 6. Juli 1791 zeigen Mozarts hektische sowie ruhige Momente im Umgang mit seiner Situation. Im gleichen Jahr stirbt der Komponist. Das Finale "Tempo di Menuetto" scheint wie das Resümee eines Lebens voller Höhen und Tiefen. Den Gestaltern des Abends gelingt es, Musik nicht nur abstrakt darzubieten, sondern als Ausdruck verschiedener Lebensgefühle.
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