Nick Woodland im Felsenkeller
Gereifter Blues in Perfektion

Ein knorriger, aber liebenswerter Typ und ein super Musiker: Nick Woodland begeisterte bei seinem Konzert im Schwandorfer Felsenkeller. Bild: Gebhardt
Kultur
Schwandorf
23.03.2016
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Sie haben beide schon viel durchgemacht, das sieht man ihnen an: Der Lack ist ab an der alten Stratocaster, das Griffbrett dunkel gebeizt; von tiefen Falten durchzogen das Gesicht des spindeldürren Gitarristen. Frisch, unverbraucht und glasklar dagegen die Musik: Nick Woodland kann es mit 65 Jahren besser denn je. Blues, Rock, Reggae, die ganze Palette hat er drauf, der englische Zylinderträger mit Wohnort Schwabing. Im Felsenkeller gibt es keinen, der nicht begeistert wäre von dieser Band.

Weil es keine Garderobe gibt im alten Stollen, marschieren sie durchs Publikum auf die Bühne: Nick Woodland, Tom Peschel (Bass), Manfred Mildenberger (Schlagzeug) und Klaus Reichardt (Keyboard, Pedal-Steel-Gitarre) spielen seit 2008 zusammen, und das perfekt. Es gibt heute nur eigene Lieder, die Fans kennen sie, und nun ist, just an diesem Tag, das neue Album "Street Level" erschienen. Woodland läuft schnell warm auf den sechs Saiten, das minimalistische Verstärker-Equipment genügt ihm vollkommen. Die Band spielt druckvoll, perfekt, kann auch leise bis fast unhörbar und zeigt enorme Freude an der Arbeit. Besonders Drummer Manfred Mildenberger agiert trick- und einfallsreich, engagiert und präzise nutzt er sein kleines Set, und Woodland grinst immer wieder zufrieden ob dieser genialen Unterstützung.

Tom Peschel am Fender-Bass ist ein zuverlässiger Sideman und hat es auch solistisch drauf, wie er beweisen darf. Ein wirklicher Top-Mann ist auch Klaus Reichardt, der an den Keyboards brilliert, aber ebenso eine klasse Steel-Guitar beisteuert. "No other woman", "Smell the roses", lauter Woddland-Kracher gesellen sich zu den Songs vom neuen Album. Der Brite ist ein begnadeter Gitarrist, der ohne Schnelligkeits-Gefiedel auskommt und auf Harmonien setzt. Ein langsamer Blues gerät so zum Erlebnis, ein Reggae zum Höhepunkt des Abends. Der Schweiß tropft auf die spitzen Stiefeletten des Sakko-Trägers. Er kann es noch, der originelle Typ aus Schwabing, und er wird immer besser, je mehr er und seine Gitarre reifen. Hoffentlich noch lange.
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