Nora Gomringer und Philipp Scholz im Oberpfälzer Künstlerhaus
Ein "fatalyrischer" Abend

Wortkünstlerin Nora Gomringer und Schlagzeuger Philipp Scholz begeistern bei ihrem Auftritt im Oberpfälzer Künstlerhaus. Bild: tie
Kultur
Schwandorf
10.09.2016
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Andrea Lamest, Leiterin des Oberpfälzer Künstlerhauses, begrüßte am Donnerstag den Schlagzeuger Philipp Scholz aus Leipzig und Nora Gomringer, die Direktorin des staatlichen Künstlerhauses Villa Concordia Bamberg, zu einem besonderen Abend: "Peng! Du bist tot!", so überschreibt das ungleiche Duo seinen Auftritt voller "fatalyrischer Momente".

Nora Gomringer ist nicht nur Kulturmanagerin, nein: Sie ist außerdem Trägerin des Ingeborg-Bachmann-Preises. Nun könnte man meinen, es beginnt ein gewöhnlicher Rezitationsabend, zwischendrin unterbrochen von Musik.

Doch weit gefehlt, Scholz und Gomringer präsentieren sich als bestens aufeinander eingesungenes beziehungsweise eingespieltes Paar. Ist schon die Idee allein faszinierend, so verblüfft das daraus entwickelte Projekt immer wieder mit Überraschungen. So beginnt Philipp Scholz sein Schlagzeug zu bearbeiten. Nur Sekunden später fängt Nora Gomringer an, einen Text vorzutragen. Ach was, "vortragen" ist der völlig falsche Ausdruck. Immerhin lautet der Titel der Veranstaltung ja "Peng! Du bist tot!". Und es gibt etliche sprachliche wie musikalische "Pengs" über den ganzen Abend verteilt.

Schallendes Gelächter


Statt "Du bist tot" müsste es besser heißen "Du zuckst zusammen". Das passiert oft genug, bevor dann der nächste hemmungslose Lachanfall im Saal erschallt. Ganz eigenständig ist dabei die Verknüpfung von Wort und Ton. So etwa bei der Untermalung einer Geschichte durch das Xylophon. Das passiert bei "Ich geh jetzt los" - eher in Schuhen als in Socken, wird betont. "Das Wandern ist eine Lust", wozu Frau Gomringer ein achtsekündiges Xylofon-Solo erlaubt. "Das ist ja sehr schön hier" heißt es im Fortgang, allerdings folgt "mit Geröll füllten sich die Schuhe", was eine schräge Tonleiter noch verdeutlicht.

Eine Unterhaltung mit einem Hermelin klappt trotz des Einwandes "Tiere können doch nicht sprechen". Im Hochgebirge sind die Viecher halt "verzaubert" - und das bewirkt das ewig hohe "C" auf dem Xylofon. Die wahnwitzige Sprach- und Sprechkultur äußert sich in allen diesen wiedergegebenen Erlebnissen aus dem eigentlich normalen Leben, das damit aus der Normalität entlassen wird.

Melodische Sprechweise macht aus dem einfachen Wort ein völlig neu klingendes Tonstück - und wird darin kongenial unterstützt durch Schlagzeug und Xylophon.
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