Pfingstvolksfest Schwandorf: Zum Auftakt Umzug vom Marktplatz zum Krondorfer Anger
Lange Tradition mit Bier und Karussell

Volksfest Schwandorf 1992: Florian Silbereisen und Stefanie Hertel traten im Festzelt auf. Archivbilder: Götz
Kultur
Schwandorf
29.05.2015
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Das waren Zeiten! Als die Volksfestmass noch um die vier Mark kostete und das halbe Hendl die Hälfte dieses Betrages. Jahrzehnte her. Bei vielen Schwandorfern aber in Erinnerung. Gleich geblieben ist eines: Zum Auftakt gibt es einen Umzug, der vom Marktplatz hinunter zum Krondorfer Anger führt.

Das Schwandorfer Pfingstvolksfest ist eng verbunden mit Namen. Albert Lotter zum Beispiel, der als Architekt arbeitete und im Nebenamt Bürgermeister der bis zur Gebietsreform eigenständigen Gemeinde Krondorf war. Ihm kam das Privileg des Anzapfens zu. Dann aber gab es ein paar Jahre, in denen Lotter gemeinsam mit dem Schwandorfer Oberbürgermeister Dr. Josef Pichl auf der Zeltbühne stand und gemeinsam mit ihm anzapfte. Denn Krondorf, so sah es seinerzeit die Reform des bayerischen Innenministers Bruno Merk vor, war der Großen Kreisstadt Schwandorf zugegliedert worden. Das vollzog sich in den 1970-er Jahren.

Reinigung per Hand

Es war die Ära des Festwirts Karl Meyers aus Lenting bei Ingolstadt. Sein Bierzelt war damals am südlichen Rand des Krondorfer Angers quer zum Festgelände aufgebaut. Eher schmucklos und rein zweckorientiert. Bis zum letzten Platz gefüllt aber, wenn an Freitagen der Behördenabend stattfand. Da waren dann alle da. Vertretungen der Polizei, des Finanzamts, der Stadtverwaltung. Dazu Abordnungen von Vereinen und Organisationen. Maschinen zum Spülen der Masskrüge gab es noch nicht. Der Reinigungsvorgang wurde von Hand erledigt. Von der Bühne herab erklang Blasmusik. Zum Beispiel die der Rodinger Oktoberfestkapelle Schwarzfischer.

Bierproben bis heute Traditionsveranstaltung

In Schwandorf existierten vier Brauereien, die nach einem Stadtratsbeschluss beim Volksfest ausschenken durften. Das bedeutete: Jedes der Brauunternehmen kam im Vierjahresturnus einmal zum Zug. So waren dann auch die Bierproben, bis heute eine Traditionsveranstaltung geblieben, auf vier Wirtshäuser verteilt: Für die Fronberger Schlossbrauerei des gräflichen Ehepaares von Breidbach-Bürresheim im Fronberger Brauereiwirtshaus, für die Schwandorfer Schmidt-Brauerei im angestammten Lokal am Marktplatz, wo die Besitzer Alois und Marianne Ruhland zu empfangen pflegten. Ihre Geschäftsführer waren Ernst Singer und später Alois Reichsthaler.

Naabeck bleibt übrig

Ausschenken durften auch die Naabecker. Das Unternehmen gehörte seinerzeit den Eheleuten Jörg und Dr. Erika Rasel, es wurde später übernommen von Sohn Wolfgang. Schankrecht besaß aber auch die Weizenbierbrauerei Plank in Wiefelsdorf. Wolfgang Rasel kaufte vor etlichen Jahren die Braustätte in Wiefelsdorf, führte deren Erzeugnisse und seine Naabecker Biere zusammen. Und wie ist es heute: Die Braustätten in Fronberg und Schwandorf gibt es nicht mehr, Wiefelsdorf ging an die Brauerei Naabeck über. Ihr allein steht es nun zu, das Bier zum Schwandorfer Pfingstvolksfest zu liefern.

Noch einmal zurück zu den Namen. Vor weit über zwei Jahrzehnten wurde Karl Meyers bei der Festwirts-Vergabe nicht mehr berücksichtigt. An seine Stelle trat der Schwarzenfelder Gerhard Böckl. Auch die Leitung des Fuhrparks wechselte: Für das Ehepaar Wunderle aus Mittelfranken kam der Schwabe Raimund Diebold. Das alles war nicht zum Nachteil der Schwandorfer Pfingstdult. Denn es musste Schritt gehalten werden mit der Zeit.

Um jedes "Zehnerl"

Gewechselt haben auch die Oberbürgermeister: Auf Dr. Josef Pichl (FW) folgte Hans Kraus (CSU). Als er vor 13 Jahren abtrat, kam Helmut Hey (SPD) an die Stadtspitze. Seit über einem Jahr ist nun Andreas Feller (CSU) auf dem Chefsessel im Rathaus. Eines hatten sie alle gemeinsam: Sie waren und sind bestrebt, die Pfingstvolksfest-Woche am Anger zu erhalten. Der Rummel mit Bier, Schweinshaxe und Autoscooter ist ein Stück Schwandorfer Tradition. Auch, wenn es mitunter im heute nicht mehr existierende Volksfestausschuss des Stadtrates harte Diskussionen um den Bierpreis gab und um jedes "Zehnerl" gerungen wurde.

Ein Ereignis ist längst aus dem Gedächtnis getilgt. Irgendwann in der langen Volksfestgeschichte blieb ein Riesenrad am Krondorfer Anger stehen. Die Besitzer waren in die Pleite gerutscht. Mit trockenem Humor pflegte einst OB Dr. Josef Pichl darüber Scherze zu machen. Der Verwaltung blieb es wohl dann vorbehalten, das im Dornröschenschlaf dösende Fahrgeschäft abzubauen.
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