Posse auf der Puppenbühne
Marionettentheater begeistert im Advent

Eine turbulente Posse bringt das Schwandorfer Marionettentheater heuer auf die vorweihnachtliche Bühne. Bild: Gabriele Weiß
Kultur
Schwandorf
28.11.2016
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Einen Jux will er sich machen - der von seinem Chef soeben zum künftigen Compagnon ernannte Gewürzhändlersgeselle Weinberl. "Wenn man nur aus unkompletten Makulaturbüchern etwas vom Weltleben weiß, wenn man den Sonnenaufgang nur vom Bodenfensterl, die Abendröte nur aus Erzählungen der Kundschaften kennt, da bleibt eine Leere im Inneren, die alle Ölfässer des Südens, alle Haringfässer des Nordens nicht ausfüllen, eine Abgeschmacktheit, die alle Muskatblüt' Indiens nicht würzen können," klagt er seinem Lehrling Christopherl.

Gags über Gags


Einen schönen Abend will sich das Publikum machen, das am Freitag der Premiere von Nestroys Posse "Einen Jux will er sich machen" im Oberpfälzer Künstlerhaus beiwohnt. Es spielt auf: das "Schwandorfer Marionettentheater" unter Leitung von Raimund und Christine Pöllmann. Die Puppenbühne im Obergeschoss der altehrwürdigen "Kebbel-Villa" gehört in der Großen Kreisstadt schon zur Vorweihnachtszeit wie der lokale Christkindlmarkt.

Zwei Stücke gibt es jeweils zum Advent - eins für Kinder, eins für Erwachsene. In beiden Altersgruppen hat sich die Familie Pöllmann mit ihrem engagierten Team über die Jahre zahlreiche Fans erspielt. Auch am Freitag sind sicher wieder einige neu hinzugekommen. Denn Nestroys Posse liefert Gags am laufenden Band - und die Bearbeitung von Raimund Pöllmann, der das Stück unter anderem auf gut eineinhalb Stunden Spieldauer kürzte, bringt mit Dialogen auch im Oberpfälzer Dialekt viel Lokalkolorit ein.

Seine Uraufführung erlebte Nestroys Werk im März 1842 im Theater an der Wien. "Das neue Stück von Nestroy: ,Einen Jux will er sich machen', findet fortwährend außerordentlichen Beifall und ganz ungewöhnlichen Zuspruch. Der Beifall ist jedesmal stürmisch, und an Hervorrufungen fehlt es nicht," schrieb damals die "Theaterzeitung". An "Hervorrufungen" mangelt es auch im Oberpfälzer Künstlerhaus keineswegs - immer wieder kommentieren Stimmen aus dem Publikum spontan und launig die Handlung, vor allem dann, wenn es um die Eigenheiten von Manns- und Weibsbildern geht.

Die im Stil des Biedermeier kostümierten Puppen bewegen sich perfekt zu den Dialogen, die zuvor auf Band eingesprochen wurden. Was an mimischen Mitteln fehlt, muss das Marionettentheater durch überbetonte Gestik und starke Stimmen ausgleichen - was den Schwandorfern hervorragend gelingt. Das sparsam, doch mit liebevollen Details gestaltete Bühnenbild wechselt mehrmals, das Spiel mit Licht und Schatten setzt immer wieder neue Akzente, und zwischen den einzelnen Szenen sorgt die Musik der "Tanzhausgeiger" mit Streicher- und Klarinettenklängen für original Wiener Flair.

Eine Mordsgaudi


Das Premierenpublikum amüsiert sich jedenfalls aufs Vortrefflichste und macht sich nicht nur einen Jux, sondern hat eine Mordsgaudi bei all den Nestroyschen Turbulenzen. Wenn auch das Schwandorfer Marionettentheater zum Advent gehört wie Glühwein und Plätzchen - besinnlich ist es mitnichten. Der herzliche Schlussapplaus belohnt alle Mitwirkenden gleichermaßen und zu Recht.

Weitere Aufführungen am 1., 4., 7., 16. und 18. Dezember jeweils um 19.30 im Oberpfälzer Künstlerhaus Schwandorf, Tel. 09431/9716. Kartenreservierung ist erforderlich, Informationen im Internet: www.oberpfaelzer-kuenstlerhaus.de
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