Programm-Besprechung im Oberpfälzer Künstlerhaus
Klavierfrühling: Alles dreht sich um den Tanz

Professor Kurt Seibert stellte seine Ideen für den Klavierfrühling 2017 vor. Bild: tie
Kultur
Schwandorf
13.09.2016
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Helmut Hey, der ehemalige Oberbürgermeister und Vorsitzende des Freundeskreises Schwandorfer Klavierfrühling, freut sich schon auf die 11. Auflage des Klavierfrühlings. Ebenso wie Prof. Kurt Seibert, der ins Gedächtnis rief, dass bislang immer Komponistenporträts das Jahresthema bildeten.

Chopin, Bach und Co.


Bei einem Pressetermin im Oberpfälzer Künstlerhaus kündete er allerdings an, dass sich das 2017 ändere. Als Begründung gab er an, dass jede Beschäftigung mit Kunst aus dem Zeitgeist resultiere. Eigentlich sei Frederic Chopin als Haupt-Komponist vorgesehen gewesen. Stattdessen schlug Seibert vor, als Thema den "Tanz" zu wählen, wie er durch die Jahrhunderte in verschiedener Weise zum Ausdruck kam. Hier ist Chopin mit seinen Mazurken (slawischer Gesellschaftstänze) und Walzern wieder dabei, aber es kommen auch Werke anderer Tondichter zu Gehör.

Das soll beginnen mit Klaviersuiten von Johann Sebastian Bach und setzt sich fort mit Deutschen Tänzen von Wolfgang Amadeus Mozart. Auch wenn man es heute kaum mehr glauben mag, Tänze waren im 19. Jahrhundert ein Ausdruck nationalen Selbstbewusstseins. Das galt für Jean Sibelius wie für Edvard Grieg, für Antonin Dvorak und Bedrich Smetana, um einige zu nennen.

Ausgangspunkt war der Wiener Kongress von 1815, durch dessen fürstliche Vereinbarungen die Leute um ihre nationale Freiheit betrogen wurden. Vollkommen zu Recht erwähnte Seibert diesen Markstein der europäischen Geschichte und seine Folgen, wobei er aber gerade deshalb darauf hinwies, dass das Zeitalter der Restauration im bürgerlichen Kunstsektor eine Epoche des Strebens nach nationaler Identität war, die zum Beispiel von Polen, Finnland und der Tschechoslowakei erst nach dem Ende des Ersten Weltkriegs verwirklicht werden konnte.

Es sollen aber nicht nur Klavierwerke vorgetragen werden. Auch vierhändige Stück von Brahms und Reger werden erklingen, ebenso wie Werke für Violine und Klavier. Seibert redete sich richtig in Begeisterung. Man merkte ihm sein Engagement für das Thema an. Er redete aber nicht nur, sondern spielte auch. Von W. A. Mozart ertönten die "Sechs Deutschen Tänze" KV 509 in der Klavierfassung des Komponisten, von Chopin die vier "Mazurken" op 7 und die "Mazurka" op 17/1, ferner die hochberühmte "Polonaise A - Dur" op 40/1 in der machtvollen Spielweise, wie man sie von Seibert gewöhnt ist. Man kann gespannt sein auf Werkauswahl und Ablauf des nächstjährigen Schwandorfer Klavierfrühlings.
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