Schwandorf: Oberpfälzer Künstlerhaus stellt mehr als 100 Werke regionaler Maler aus
Wo das Hirschgeweih klappert

Jürgen Böhm (links) und Tone Schmid gehören mit ihren Arbeiten zu den Neuerwerbungen der "Sammlung Bezirk Oberpfalz". Die beiden stehen vor den Gemälden des im vergangenen Jahr verstorbenen Bernhard Maria Fuchs, die ebenfalls angekauft wurden. Bild: Wolke
Kultur
Schwandorf
06.02.2015
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Diese Schau gehört zum Standardprogramm des Oberpfälzer Künstlerhauses in Schwandorf. Und das mit gutem Recht. Schließlich umfasst die Sammlung des Bezirks Oberpfalz mehr als 100 Werke von 69 Künstlern aus der Region. Und das will auch gezeigt werden.

"Sammlung Bezirk Oberpfalz" heißt es daher wieder ab Sonntag, 8. Februar, in der Schwandorfer Kebbel-Villa, wo die Arbeiten traditionell präsentiert werden. Zu sehen ist wie jedes Jahr eine Auswahl an Malerei, Grafik und Installation aus dem Depot des Bezirks.

Im Mittelpunkt stehen auch heuer wieder die Neuerwerbungen. Das sind diesmal Werke von vier Künstlern: Jürgen Böhm, Bernhard Maria Fuchs, Annegret Hoch und Tone Schmid bereichern mit ihren Arbeiten ab sofort die Sammlung.

Von Jürgen Böhm stammt eine Serie mit sieben Teilen. Der in Nabburg geborene Künstler begab sich dafür auf Spurensuche ins bayerisch-böhmische Grenzland. Genauer gesagt: Er suchte und fand das Gleiche. "Beim Künstleraustausch durch das Oberpfälzer Künstlerhaus war ich in Tschechien", erzählt Böhm. "Dabei fiel mir auf, dass Landschaft und Architektur dort teils identisch sind mit der bei uns."

Wie Röntgenbilder

Böhm fotografierte also Wirtshäuser, Kapellen und Flurkreuze und begab sich bei seiner Rückkehr auf die Suche nach entsprechenden Objekten in der Oberpfalz. Die jeweils zwei Bilder, die er in Leuchtkästen übereinander gelegt hat, sind teils kaum auseinanderzuhalten. Durch die Wiedergabe in Schwarz-Weiß und eine einheitliche Beschriftung wirken die Darstellungen wie Röntgenbilder.

Um Landschaftsdarstellungen geht es auch bei Bernhard Maria Fuchs. Der im vergangenen Jahr verstorbene Maler ist mit zwei Arbeiten bei den Neuerwerbungen des Bezirks Oberpfalz vertreten. In expressionistischer Manier zeigt er die Natur als gewaltiges Schauspiel starker Farben und archaischer Formen.

"In der Sammlung des Bezirks Oberpfalz kam über einen langen Zeitraum hinweg immer wieder Landschaftsmalerei hinzu", äußert sich Andrea Lamest in Bezug auf den Neuerwerb der Fuchs-Gemälde. "Nach einer Pause schließen wir mit Bernhard Maria Fuchs hier wieder an", so die Leiterin des Oberpfälzer Künstlerhauses.

Zwei dominante Neuerwerbungen hängen außerdem im großen Ausstellungsraum im Erdgeschoss der Kebbel-Villa: Zunächst ein Gemälde von Annegret Hoch, das durch seine extremen Farben auf schwarzem Untergrund wahrhaft ins Auge springt. Durch die selbst angefertigte Mischung einer Eitempera treibt die aus Cham stammende Künstlerin die Intensität der farblichen Leuchtkraft auf die Spitze. Klare Linien verleihen der abstrakten Arbeit dabei dennoch eine puristische Ausstrahlung.

Skurrile Wesen

"Der Mensch ist dem Menschen ein Hirsch", heißt es bei Tone Schmid. Der Weidener Künstler wird den Erwartungen an seine berüchtigte Schöpfungskraft skurriler Wesen auch bei dieser Neuerwerbung des Bezirks gerecht: Verheißungsvoll hängt ein Hirschgeweih an der Wand. Das Schießrohr, das die Schnauze des Tieres ersetzt, mahnt zur Vorsicht. Sicher sein kann man sich bei den kinetischen Arbeiten Tone Schmids ja nie - und in der Tat rumpelt das Gebilde per Bewegungsmelder sofort los.

"Das hat einen psychologischen Hintergrund", bemerkt Schmid dazu. Der Künstler bezieht sich auf den englischen Staatstheoretiker und Philosophen Thomas Hobbes. Der war überzeugt: Die Gesellschaft braucht ein Oberhaupt, damit sie sich nicht zerfleischt. Andere und sich selbst vor der Bestie im Menschen schützen, das ist die Botschaft, die der mehrdeutig ballernde Hirsch vermittelt.

Der Bezirk Oberpfalz leistet mit seiner Sammlung seit Jahren zweierlei Dinge: Er fördert die regionalen Künstler durch die Ankäufe. Und er vermittelt dem Publikum die reichhaltige Kunstlandschaft der Region. Im Oberpfälzer Künstlerhaus als Austragungsort für die alljährliche Ausstellung sieht Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl einen wertvollen Partner. "Es ist gut, dass die Sachen gezeigt werden", so Appl. "Denn was bringt uns sonst der schönste Ankauf?"

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Die Ausstellung "Sammlung Bezirk Oberpfalz. Malerei, Grafik, Plastik, Installation" im Oberpfälzer Künstlerhaus, Fronberger Straße 31 in Schwandorf wird am Sonntag 8. Februar (11 Uhr) eröffnet und läuft bis zum 29. März. Öffnungszeiten: Mittwoch und Donnerstag von 12 bis 18 Uhr, Sonntag von 11 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung. Weitere Infos unter Telefon 09431 / 9716 oder unter www.oberpfaelzer-kuenstlerhaus.de
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