Schwandorfer Klavierfrühling
Leidenschaftliche Atemlosigkeit

Jung Won Seibert-Oh und Christian Seibert begeistern das Publikum beim Klavierfrühling mit ihrem Schubert-Programm. Bild: Tietz
Kultur
Schwandorf
15.03.2016
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Von Reinhold Tietz

Schwandorf. Der Schwandorfer Klavierfrühling kommt an: Fast ausverkauft ist die Matinee am Sonntagvormittag, die unter dem Motto "Robert Schumann and Friends" steht. Sie bringt nicht nur Musik für Klavier solo, sondern auch für Violine und Klavier. Mit der "Sonate für Violine und Klavier a-moll" op 105 von Schumann beginnt die Programmfolge. Schon als Spielanweisung steht über dem ersten Satz: "Mit leidenschaftlichem Ausdruck" und gemäß dieser Anforderung werden die Themen von Jung Won Seibert-Oh dargestellt.

Hochwertige Darstellung


Christian Seibert begleitet aufmerksam die impulsiven Gefühlsausbrüche, die der Violine obliegen. Der ständige Sechzehntel-Fluss am Klavier bewirkt in Seiberts Spiel das stetige Vorwärtsdrängen der musikalischen Gedanken noch zusätzlich. Ganz anders das "Allegretto" des nächsten Satzes. Es ist trotz einiger unruhiger Einschübe vor allem durch Gelassenheit geprägt. Damit ist es im "lebhaften" letzten Satz vorbei. Hier gelingt Schumann, Rastlosigkeit musikalisch in strenge Rhythmen umzusetzen. Dass sogar das Thema des Anfangssatzes kurz zitiert wird, macht den Zusammenhang der Sonate noch deutlicher. Ein bemerkenswertes Werk in sehr hochwertiger Darstellung. Als nächstes ertönt ein Werk, das man äußerst selten ganz zu hören bekommt: die "F. A. E.-Sonate für Violine und Klavier" von Albert Dietrich, Robert Schumann und Johannes Brahms, geschrieben für den großen Geiger, ihren Freund, Joseph Joachim. Das Stück braucht sich nicht vor anderen zu verstecken, und es ist sehr verdienstvoll von beiden Interpreten, es ganz zu spielen. Den Anfangssatz, ein "Allegro", verfasste Dietrich in majestätischer Tonlage mit berührendem Schluss. Das "Intermezzo" von Schumann bleibt tänzerisch "bewegt" und bis zum Schluss lieblich. Ein rasches "Scherzo" von Brahms folgt, das in schnellen düsteren Tonfolgen dahinrast. Nur das "Trio" löst etwas die Spannung. Nach nochmaliger Atemlosigkeit schließt eine erlösende Klangfolge das musikalische Geschehen.

Höchste Anforderung


Das "Finale", wieder von Robert Schumann wirkt wie eine Zusammenfassung der Gedanken, die bei F. A. E. = "frei aber einsam" auftreten könnten, zeigt zudem eine Spielfreude, die darauf hinweist, dass Freiheit alle möglichen Lebenspläne ermöglicht. Nach der Pause spielt Christian Seibert die "Toccata für das Pianoforte" op 7 von Robert Schumann. Er widmet sich sehr intensiv diesem Musikstück, das höchste technische Anforderungen stellt und innerhalb dieser auch intensive Gestaltungsfähigkeiten verlangt. Die "Sonate für Violine und Klavier F-Dur" von Felix Mendelssohn-Bartholdy beschließt das Programm. Erst 105 Jahre nach dem Tod des Komponisten ist sie im Druck erschienen. Ein rasches "Allegro" bietet schöne Melodien und klangvolle Arpeggien, die von Jung Won Seibert-Oh glanzvoll gemeistert werden. Auch das folgende "Adagio" besticht durch seinen Melodien-Reichtum in getragener Manier einschließlich einer exzessiven Steigerung, die in der nachfolgenden Melodie aber bewältigt wird. Das Finale heißt schon "Assai veloce" und verlangt besonders von der Violine extreme Geschwindigkeiten in Läufen und Melodiebögen. Äußerst bewundernswert, wie die Geigerin diese Anforderungen problemlos bewältigt.

Nach dem großen Schlussapplaus bedankt sich Prof. Kurt Seibert, künstlerischer Leiter der Musikwoche, beim Oberpfälzer Künstlerhaus und der Stadt Schwandorf für ihre Bereitschaft, die Veranstaltungsreihe zu tragen. Schon jetzt freut er sich auf März 2017, wenn sich der Klavierfrühling mit Werken von Frederic Chopin beschäftigt.
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