Schwandorfer Klavierfrühling
Neues Verständnis für die Klassik

Das "Album für die Jugend" von Robert Schumann stand im Mittelpunkt des Gesprächskonzerts mit Kurt Seibert. Bild: Tietz
Kultur
Schwandorf
12.03.2016
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Von Reinhold Tietz

Schwandorf. Beschäftigung mit der Jugend - ein Schwerpunkt des "10. Schwandorfer Klavierfrühlings" - ist Thema auch dieses Abends, stellt Kurt Seibert in einführenden Worten fest. Viele Klavierstücke von Robert Schumann vermitteln kurz und prägnant eine individuelle Stimmung, die oft in der Überschrift angedeutet wird. Sie sind also, wie es der Zeitgeist zu Lebzeiten des Komponisten meinte, bestens geeignet für familiäres Umfeld.

Zum bürgerlichen Dasein


Im Wohnzimmer bürgerlicher Familien stand damals fast immer ein Klavier. Dieses Instrument zu lernen, gehörte zum bürgerlichen Dasein als Kennzeichen der Zugehörigkeit. Dem Klavier wurden nicht große Fugen oder Sonaten zugemutet, sondern kleinformatigere Musikstücke, die durchaus anspruchsvoll, aber nicht so tiefsinnig ausgefallen sind.

Das 19. Jahrhundert ist eben die Zeit des aufstrebenden Bürgertums, das eigene Ideale entwickelt und nicht mehr seine Erfüllung darin findet, den Adel als unerreichbar zu verehren. Und so ist das Geschenk, das Schumann seiner Tochter Marie machte, nämlich das "Album für die Jugend" op 68, ein großartiges Beispiel für ein neues Verständnis von Musik, die nicht nur in Hofkonzerten, sondern offen für alle Bürger sich entfaltet. Diesem "Album für die Jugend" widmet Seibert nun seinen Klaviervortrag. Es handelt sich um 43 Einzelnummern, die alle gemäß ihrer jeweiligen Überschrift eine dazu passende Stimmung entwickeln. So der forsche "Soldatenmarsch", der weihevolle "Choral" oder der rasende "Wilde Reiter". "Fröhlicher Landmann, von der Arbeit zurückkehrend" ist ein Zufriedenheit ausstrahlendes Stück überschrieben. Und so wie er tönt, ist "Knecht Ruprecht" ein ungehobelter Gehilfe des Nikolaus.

43 Charakterstücke


Im "Reiterstück" ahmt der Rhythmus das galoppierende Pferd nach und das "Sylvesterlied" bildet den passenden Schlussgesang der Sammlung. Wenn man sich den pädagogischen Effekt der Stücke vorstellt, schafft es Schumann nach Meinung von t Seibert, viele denkbare Stimmungen in kurzer treffender Manier so anzutippen, dass sich der Spieler damit identifizieren kann.

Also 43 Charakterstücke, die sich besonders an junge Klavierspieler wenden, die diese Stimmungsbilder je nach Überschrift gemäß eigener Spielweise musikalisch vermitteln können. Das Publikum dankt dem Musiker mit ehrlichem Beifall für seine interessanten Ausführungen und seinen engagierten Spieleinsatz am Klavier.
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